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Reaktion von Shell auf Anrufe von Arktisschützern

Nach über einer Million gesammelter Unterschriften gegen Shell und weltweiten Protestaktionen, hat der Ölkonzern den Rummel um die geplanten Ölbohrungen in der Arktis endgültig zu spüren bekommen. Viele Unterstützer/innen der Greenpeace-Kampagne Save the Arctic riefen in der letzen Woche bei Shell persönlich an. Die Arktisschützer interessierte, wie der Ölkonzern beispielsweise eine mögliche Ölkatastrophe verantworten oder beseitigen kann.

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Nun gibt es erstmals eine Reaktion von Seiten Shells: Auf ihrer Webseite versuchte der Konzern zu begründen, warum das Bohren in der Arktis kein Problem für die Umwelt sei. Shells Argumentation klingt im ersten Moment glaubhaft und der Ölkonzern stellt sich in gutem Licht dar. Shell bezeichnet sich selbst als Retter der zukünftigen Energieversorgung, da fossile Energien, wie zum Beispiel Öl, den größten Anteil der weltweiten Energieversorgung bestreiten würden.

Doch die Argumentation von Shell greift nicht weit und es ist eher laues Gerede als handfeste Fakten. Deshalb hat Greenpeace Antworten auf Shells Aussagen formuliert, welche die tatsächlichen Folgen von Shells Arktisbohrungen deutlich machen.

Öl als Energieversorger für die Zukunft?

In dem von Shell veröffentlichten Beitrag Öl- und Gasproduktion in der Arktis betont der Konzern, dass die Erschließung der Arktis einen wesentlichen Beitrag leisten könnte, um die Energieversorgung der Zukunft zu sichern. Dagegen sprechen die Berechnungen des US Geological Survey (USGS), dass der Bereich nördlich des Polarkreises geschätzte 90 Milliarden Barrel unentdecktes, technisch förderbares Öl enthält und 25 geologisch festgelegte Gebiete das Potential haben, Öl zu beinhalten. Angenommen, das Öl würde komplett gefördert, könnte damit die weltweite Nachfrage nach Öl gerade einmal für knapp drei Jahre gedeckt werden - gleichbleibender Verbrauch vorausgesetzt.

Shell erwähnt dabei, dass bei den Bohrungen verschiedene Faktoren beachtet werden müssen. Doch Shells vorgegebene Verantwortung für die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Belange der Region sind nicht überzeugend, da die Verbrennung von Öl ein Hauptverursacher für die Entstehung von Kohlendioxid ist und somit den Treibhauseffekt beschleunigt.

Technisches Know-How genügt nicht

Shell betont weiter, dass sie die technische Expertise und das Know-how besitzen, um Öl und Gas auch unter arktischen Bedingungen verantwortlich zu produzieren. Laut des US-Innenministeriums ist die Wahrscheinlichkeit einer Ölverschmutzung größeren Ausmaßes in der Beaufort-See 1:5. Dies ist nur gerechnet für eines der dortigen Gebiete, für die Lizenzen vergeben wurden. Deshalb ist Greenpeace der Überzeugung, dass die Ölbohrungen nicht verantwortlich sein können.

Shell behauptet weiterhin mit ihrer fortschrittlichen Technologie mögliche Auswirkungen auf die Umwelt begrenzen zu können. Sie versichern, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen, wie Eis, sicher operieren können. Greenpeace hält die derzeitigen Technologien allerdings für nicht ausreichend, um eine größere Ölkatastrophe in arktischen Gewässern angemessen bekämpfen zu können.

Shell selbst hat bestätigt, dass im arktischen Winter aufgrund der Wetterbedingungen und dem eisbedeckten Wasser die Rettungsmaßnahmen eingestellt werden könnten. Außerdem hat der Konzern die potentiellen Kosten für den Fall eines größtmöglichen Unfalls in der US-Arktis erst gar nicht veranschlagt.

Shell behauptet in der Lage zu sein, 90 Prozent des in der Arktis austretenden Öls beseitigen zu können. Das unabhängige US-Forschungsinstitut USGS schätzt jedoch, dass es lediglich möglich ist, zwischen ein und 20 Prozent Öl aus arktischem Gewässer zu beseitigen. Beim Unfall des Tankers Exxon Valdez konnten gerade einmal neun Prozent des ausgelaufenen Öls entfernt werden.

Angebliche Studien zu der arktischen Unterwasserwelt

Shell brüstet sich damit, sich ausgiebig in Studien mit der arktischen Meeresflora und -fauna beschäftigt zu haben. Was macht Shell mit diesem Wissen? Durch diese Studien müsste Shell sehen, was für fatale Folgen ein Ölunfall haben könnte. Greenpeace selbst erforscht derzeit das Ökosystem der Arktis (Esperanza Forschungs-Expedition). Dabei stellten Wissenschaftler fest, dass es sich bei dem Ökosystem der Arktis um eines der verwundbarsten Regionen der Welt handelt. Die Folgen eines Ölunfalls würden Pflanzen und Tiere auf lange Zeit schädigen.

Zuletzt behauptet Shell, dass die von ihnen entwickelten Technologien dabei helfen, die arktischen Ressourcen verantwortungsbewusst zu fördern und die Auswirkungen auf die Umwelt gering zu halten. Greenpeace hält dagegen, dass statistisch gesehen die meisten Bohrunfälle, inklusive der gefürchteten Austritte von Öl in flachen Gewässern, unter 150 Meter Wassertiefe passieren. Da Shell in einer Tiefe von 90 Metern bohrt, ist das Risiko für einen Bohrunfall hoch.

Diese Tatsache und die harschen Bedingungen in der Arktis haben die zuständigen Behörden in den USA veranlasst, das ursprüngliche Bohrprogramm von Shell um 38 Tage zu kürzen.

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