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Protest-Marathon gegen Gazprom beendet

Nach fünf Tagen haben Greenpeace-Aktivisten in der russischen Petschorasee - unter ihnen der Geschäftsführer von Greenpeace-International, Kumi Naidoo - ihre Protestaktion gegen Gazprom-Ölförderungen in der Arktis beendet. Bei einer letzten Aktion am Dienstagmorgen konnten die Aktivisten vorübergehend erneut ein Schlauchboot an den Festmacheleinen zwischen der Öl-Plattform Prirazlomnaya und dem Versorgungsschiff Anna Akhmatova befestigen.

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Bereits am Montag war es Naidoo und 13 weiteren Aktivisten gelungen, ein Boot am Versorgungsschiff Anna Akhmatova zu befestigen. Am Freitag waren Naidoo und fünf weitere Greenpeace-Aktivisten auf die Gazprom-Plattform Prirazlomnaya geklettert, mussten ihre Protestaktion allerdings nach 15 Stunden abbrechen, da ihre Sicherheit nach heftigem Beschuss aus Wasserkanonen durch Gazprom-Arbeiter nicht mehr gewährleistet werden konnte.

Auf einem Banner der Aktivisten war Minimum Ice, Maximum Risk zu lesen. Der Spruch nimmt Bezug auf das starke Schmelzen des Meereises in der Arktis und die unzureichenden Gazprom-Notfallpläne. Es wird erwartet, dass das National Snow and Ice Data Center (NSIDC) der USA in Kürze ein Rekordminimum der Eisbedeckung in der Arktis bekannt geben wird. Die Menschen sollen wissen, was sich hier in der russischen Arktis abspielt. Die Gazprom Plattform gefährdet nicht nur das sensible Ökosystem, sie ist auch ein Symbol für die fortschreitende Industrialisierung der Arktis, sagt Kumi Naidoo.

Gazprom steht kurz vor den ersten Bohrungen

Nach einer nunmehr fast abgeschlossenen Vorbereitungsphase steht die Prirazlomnaya kurz davor, für Ölbohrungen in der Arktis einsatzbereit zu sein. Wenn Gazprom die Ölförderungen im nächsten Jahr aufnehmen sollte, wäre der Konzern das erste Ölunternehmen, das Öl aus dem arktischen Ozean fördert. Käme es in der Petschorasee zu einem Ölunfall, wäre die Beseitigung in dieser Region quasi unmöglich. Gazprom hat einen völlig unzureichenden Notfallplan veröffentlicht, dessen Gültigkeitsdauer - wie Greenpeace-Recherchen ergeben haben - bereits abgelaufen ist.

Weltweite Unterstützung zum Schutz der Arktis

Seit Juni dieses Jahres unterstützen mehr als eine Million Menschen die Greenpeace-Kampagne zum Schutz der Arktis. Greenpeace fordert, dass Ölunternehmen wie Gazprom oder Shell die Finger von der Arktis lassen und dass in der sogenannten Hohen Arktis ein internationales Schutzgebiet entstehen soll.

Gazprom und Shell sind die ersten großen internationalen Ölkonzerne, die die Ausbeutung der Arktis in den Fokus stellen. Wenn sie bei ihren Bohrungen auf Öl stoßen, werden weitere Öl-Konzerne nachziehen und Milliardeninvestitionen in die Bohrungen stecken. Laut Experten liegt etwa 90 Milliarden Barrel (ein Barrel = 159 Liter) Öl in der Arktis. Um den derzeitigen Weltverbrauch an Öl zu decken, würde diese Menge gerade Mal für drei Jahre reichen.

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