Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Protest gegen Shell in der Ostsee

Der friedliche Protest der Greenpeace-Aktivisten gegen das Shell-Spezialschiff Nordica ist beendet. Die Umweltschützer hatten zuletzt von Schlauchbooten aus eine Botschaft an die Bordwand gemalt:

  • /

19 Greenpeace-Aktivisten in vier Schlauchbooten hatten am Freitagmorgen auf der Ostsee vor Rügen das von Shell gecharterte Spezialschiff Nordica auf seinem Weg in die Arktis abgefangen. Mit Bannern protestierten die Umweltschützer gegen die Weiterfahrt des Schiffes.

Der Grund für die Aktion: Shell plant im Sommer dieses Jahres erste Ölbohrungen in arktischen Gewässern. Shell setzt mit den geplanten Bohrungen das Überleben der Arktis aufs Spiel, sagt Jörg Feddern, Ölexperte von Greenpeace. Wenn wir die Pläne von Shell nicht stoppen, wird eine der letzten unberührten Regionen dieser Erde zu einem Tummelplatz der Industrie verkommen. Ein großer Ölunfall wäre für die Arktis katastrophal.

Shell stellt Arktis in den Fokus – Versicherungen und Banken warnen vor Risiko

Shell ist einer der ersten großen internationalen Ölkonzerne, der die Ausbeutung der Arktis in seinen Fokus stellt. Wenn bei den Bohrungen in diesem Sommer Öl gefunden wird, werden andere Konzerne mit Milliardeninvestitionen nachziehen und ebenfalls in die Region gehen. Experten vermuten etwa 90 Milliarden Barrel (ein Barrel= 159 Liter) Öl in der Arktis, das meiste davon unter dem Meeresboden. Diese Menge würde reichen, um den derzeitigen Weltverbrauch für etwa drei Jahre zu decken. Der internationale Versicherungskonzern Lloyd’s zeigt in einer aktuellen Studie auf, welches hohe Risiko Ölbohrungen in der Arktis bergen. Die Folgen wären kaum beherrschbar. Die Westdeutsche Landesbank hat in ihren aktuellen Geschäftsgrundsätzen festgeschrieben, dass es keine Finanzierungen für geplante Ölprojekte in der Arktis gibt.

Konzerne wie Shell sehen nur die Milliardengewinne und ignorieren die Warnungen von Experten, sagt Feddern. Ölunfälle sind keine Ausnahme sondern die Regel. Ein Unfall wie bei der Deepwater Horizon würde das einmalige und sehr empfindliche Ökosystem der Arktis zerstören. Deshalb muss die Arktis für die Ölindustrie gesperrt werden, fordert Feddern.

Seit Anfang Mai haben Greenpeace-Aktivisten in Helsinki/Finnland und Karlskrona/Schweden gegen das Auslaufen und die Fahrt der Nordica nach Alaska protestiert. Das Spezialschiff aus Finnland soll in der Arktis unter anderem mit der Noble Discoverer, einem Bohrschiff von Shell zusammentreffen.

Mitmachaktion im Internet

Wer den Protest gegen Shell unterstützen will, kann unter www.greenpeace.org/savethearctic eine Protestmail an den verantwortlichen Geschäftsführer von Shell, Peter Voser, senden.

Publikationen

Kurzinfo: Abschied vom Öl

Ölunfälle haben meist katastrophale Folgen für die umliegenden Ökosysteme. Und auch im Alltagsbetrieb verschmutzen die Öl- und Gasplattformen die Natur. Die Auswirkungen sind erheblich.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Seismische Untersuchungen bedrohen Wale

Der Lärm seismischer Untersuchungen bei der Suche nach Öl wirkt sich negativ auf Meereslebewesen aus – so das Ergebnis eines neuen Berichts der Marine Conservation Research.

Zur Kampagne

Arktis-Pläne einfrieren!

Shell ist zurück in der Arktis. Vor der Küste Alaskas sucht der Konzern nach Öl – trotz hoher Risiken und internationaler Proteste.

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Aufräumen am Ende der Welt

Plastikmüll an Stränden ist leider nichts Neues. Aber in der Arktis? Greenpeace barg an der Küste Spitzbergens bergeweise Kunststoff – Folgen einer ausufernden Fischereiindustrie.

12 Freunde

Die Kiezkicker vom FC St. Pauli unterstützen die Greenpeace-Kampagne zum Arktisschutz – und unterzeichneten als erster deutscher Profisportverein die Arctic Declaration.

Überraschender Besuch

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise trägt den Protest gegen die Ölbohrungen des Konzerns OMV in die Barentssee. Vor dessen Ölplattform flattern nun Banner: „Raus aus der Arktis!“