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Greenpeace-Aktivisten fordern Freiheit für inhaftierte Crew in Russland

Protest gegen 30 Tage Unrecht

Seit genau 30 Tagen ist die Crew der Arctic Sunrise in Russland inhaftiert. In 36 Ländern protestierten deshalb am Freitag und Samstag tausende Menschen für die Freilassung der Aktivisten. In Berlin hielten am Wochenende rund 100 Jugendliche eine 30-stündige Mahnwache vor der russischen Botschaft ab, unterstützt von lokalen Musikern. Der Protesttag und die Mahnwache folgten unmittelbar auf den Einbruch in ein Greenpeace-Büro in Murmansk in der Nacht zwischen Donnerstag und Freitag.

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30 Inhaftierte, 30 Stunden: In Solidarität zu den unrechtmäßig festgehaltenen Crew-Mitgliedern der Arctic Sunrise demonstrierte die Greenpeace-Jugend gegen das willkürliche Verhalten der russischen Behörden und die schlechten Haftbedingungen. Beginnend am Samstag um 9 Uhr bis 15 Uhr am Sonntag bestritten lokale Bands und Künstler vor der russischen Botschaft in Berlin (Unter den Linden 63-65) ein musikalisches Rahmenprogramm (Programm hier). Die jungen Aktivisten forderten, das gesamte Team sofort freizulassen. „Konzerne wie Gazprom, die mit ihren Aktivitäten die Zerstörung der Arktis billigend in Kauf nehmen gehören auf die Anklagebank – nicht unsere Aktivisten“, sagt Jörg Feddern, Ölexperte von Greenpeace. Auch an diesem Wochenende informierten wieder Greenpeace-Aktivisten in 32 Städten in ganz Deutschland über die Situation der „Arctic 30“.

Einbruch in Greenpeace-Büro in Murmansk

Wie Greenpeace International am Freitag bekannt gab, sind in der Nacht von Donnerstag auf Freitag Unbekannte in von Greenpeace angemietete Büroräume in Murmansk eingebrochen. Von Greenpeace International veröffentlichte Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen sechs maskierte Männer, die über einen Zaun klettern, um sich Zugang zu den Räumlichkeiten zu verschaffen. Ein Käfig, der in dem Büro aufbewahrt wurde und ebenfalls zu Protestzwecken am Freitag eingesetzt werden sollte, ist in der Nacht entwendet worden.

Am 19. September 2013 war das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise in der Petschorasee nach einem friedlichen Protest gegen Ölbohrungen des Ölkonzerns Gazprom am Vortag von der russischen Küstenwache geentert und nach Murmansk befördert worden. Für die Besatzung - 28 Greenpeace-Aktivisten und zwei Fotojournalisten – wurde eine zweimonatige Untersuchungshaft verhängt. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf „bandenmäßige Piraterie“. Sollten die Aktivisten verurteilt werden, drohen ihnen bis zu 15 Jahre Haft.

Greenpeace International-Geschäftsführer Kumi Naidoo hält die Vorwürfe für absurd: „Greenpeace stellt sich nicht über das Gesetz, aber diese dreißig mutigen Frauen und Männer sind keine Piraten und diese Anklage ist offensichtlich ein Versuch, friedlichen Protest zu verhindern. Heute zeigen wir unsere Solidarität mit der „Arctic 30“ und verteidigen das Recht, friedlich zu protestieren.“

Die Solidarität reicht über den gesamten Erdball: Am Fuße des Mount Everests formierten sich Greenpeace-Aktivisten zu einer Protestkundgebung, in Mexico City bauten Demonstranten eine Gefängniszelle um die Mahatma Gandhi-Statue und in Groningen, der Heimatstadt einer der Inhaftierten, wurde ein riesiger Käfig errichtet.

Jeder kann mitprotestieren

Die weltweite Empörung wird lauter und lauter. Immer mehr Politiker und Prominente schließen sich der Protestbewegung an. Schauspieler wie Jude Law oder Gael Garcia Bernal, Sportlegende John Carlos oder Designerin Vivienne Westwood zeigten sich bereits mit den „Arctic 30“ solidarisch. Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff verlangte schon letzte Woche die Freilassung der Aktivisten. Auch Angela Merkel appellierte an den russischen Präsidenten, sich für eine schnelle Lösung für die „Arctic 30“ einzusetzen.

Während am Wochenende lautstark die Freiheit der Crew gefordert wird, können Sie sich auch online für die Inhaftierten einsetzen. Unterschreiben Sie eine Protestmail an die russische Botschaft. Insgesamt haben bisher knapp eineinhalb Millionen Menschen die Petition für die gefangenen Aktivisten unterschrieben.

Gazprom gefährdet mit Ölbohrungen die Arktis

Zwei Greenpeace-Klettereraktivisten wollten am 18. September an der Prirazlomnaya-Plattform von Gazprom ein Banner anbringen. Die Plattform in der russischen Petschorasee entspricht nicht den aktuellen russischen Sicherheitsstandards. Teile der Plattform wurden bereits 1984 gebaut und in den späten 90er Jahren gegen Eisgang verstärkt. Gazprom hat keine ausreichenden Notfallpläne für einen eventuellen Ölunfall, was wegen der rauen Wetterbedingungen besonders riskant ist. Die Entfernung bis zum nächsten größeren Hafen beträgt rund tausend Kilometer.

Im Podcast spricht Greenpeace-Aktivistin Verena Mohaupt über die Mahnwache in Berlin, die internationalen Proteste und die Verhaftung der "Arctic30".

 

 

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