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Ölfirma gibt riskante Arktisbohrung auf

Ein millionenschwerer Verlust für Cairn Energy, eine gute Nachricht für die Arktis: Die Suche nach dem schwarzen Gold verlief auch im zweiten Jahr erfolglos. Cairn hat verkündet, ein Bohrprojekt vor der Westküste Grönlands endgültig aufzugeben, ein weiteres soll vorläufig ruhen.

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Regelmäßig treiben Eisberge durch die Meeresenge in der Davis Strait, auch als Eisbergallee bekannt. Die Schließung des Tiefseebohrlochs im Lady Franklin Bohrblock bedeutet einen herben Rückschlag für die Ölindustrie - beobachtete doch die Konkurrenz mit Argusaugen, ob Cairn mit staatlicher Lizenz tatsächlich auf grönländisches Öl stoßen würde.

Cairn Energy hat sich weit vorgewagt: Ohne einen vorzeigbaren Notfallplan in der Tasche und ohne die nötige finanzielle Abdeckung für etwaige Folgeschäden stöbert die kleine britische Firma in bis zu 1.500 Metern nach Öl. Zum Vergleich: In der gleichen Tiefe verlor der Großkonzern BP die Kontrolle über seine Probebohrung im Golf von Mexiko. Bei den Bohrprojekten in der Arktis geht es nicht nur um das tägliche Risiko einer Ölpest; beim alltäglichen Bohrbetrieb gelangen bereits hochgiftige Chemikalien in die Meeresumwelt und gefährden die Meeresumwelt und die Fischerei.

Wie schwierig sich die Aufräumarbeiten nach einem Ölunfall in der Arktis gestalten würden, bestätigt eine neue Studie des National Energy Board of Canada. Unter den extremen Bedingungen der Arktis käme es sehr wahrscheinlich zu Verzögerungen, Notfallmaßnahmen würden vergleichsweise schlechter greifen. Ein besonderes Risiko stellt der lange arktische Winter dar, wenn die dicke Eisschicht etwaige Aufräumarbeiten unmöglich machen würde. Selbst bei einem Unfall in der Hochsaison Juli/August stehen die Chancen für eine erfolgreiche Säuberung laut Studie bei 1:3.

Mit Sorge beobachten Umweltschützer den riskanten Run auf die letzten Ölvorkommen. Dass Cairn die gefährlichen Bohrungen jetzt aufgibt, ist höchste Zeit - bei Ölbohrungen in der Arktis ist es nur eine Frage der Zeit bis zur Katastrophe. Vom Unfall der Exxon Valdez sind jetzt, zwanzig Jahre später, noch die negativen Folgen sichtbar, sagt Christoph von Lieven, Ölexperte bei Greenpeace. Er fordert: Die skrupellose Öllindustrie ist für viele Umweltsünden dieser Welt verantwortlich. Mit der Abhängigkeit von Öl und der Verschmutzung der Umwelt muss endlich Schluss sein.

Greenpeace-Aktivisten verzögerten bereits mehrmals die gefährlichen Tiefseebohrungen: Sie warfen sich schwimmend Bohrschiffen in den Weg, erkletterten Bohrplattformen und überbrachten Protestunterschriften an die Firma. Ihre Forderung: Cairn muss in einem öffentlichen Notfallplan darlegen, wie sie eine Ölpest ähnlich der Deepwater Horizon Katastrophe überhaupt händeln können. Die Firma selbst erhob Klage gegen Greenpeace – und verlor.

Greenpeace fordert ein Ende der gefährlichen Tiefseebohrungen und den sofortigen Rückzug der Ölindustrie aus der Arktis.

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