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UNESCO-Welterbe-Komitee fordert von Shell Ölbohr-Stopp in der Arktis

Hammerschlag für Eisbären

Die UNESCO hat entschieden: Die arktische Wrangel-Insel muss besser geschützt werden. Auf die Rote Liste für bedrohtes Welterbe kam die Insel allerdings nicht.

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Als Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer, Vorsitzende des UNESCO-Welterbe Komitees, den Hammer auf den Konferenztisch knallte, zeigte das Thermometer am World Conference Centre in Bonn 38 Grad. "Entscheidung angenommen", stellte Böhmer fest – wie eine Richterin über das Schicksal der unzähligen Weltnatur- und Weltkulturerbe. Unter ihnen ist auch die arktische Wrangel-Insel.

Die Entscheidung darüber, welche Natur- und Kulturerbe als schützenswert in die Liste der Welterbe eingetragen werden, treffen die Delegierten, die derzeit in Bonn tagen. Bei ihren Unterredungen war auch der Status der russischen Wrangel-Insel Thema. Sie steht seit 2004 auf der Liste und ist Heimat unter anderem von Eisbären und Walrössern. Die Insel liegt in der Tschuktschensee unweit der US-amerikansichen Grenze. Das ist auch der Grund dafür, dass die UNESCO die USA aufgefordert hat, Shells geplante Ölbohrungen vor der Küste Alaskas zu stoppen.

„Rote Liste wäre angemessen gewesen“

Draußen vor der Tür hörten die Greenpeace-Aktivisten Böhmers Hammerschläge nicht. Sie hatten sich trotz der brütenden Hitze in ein lebensgroßes Eisbärkostüm gezwängt. Um die Delegierten auf die Bedrohung der echten Tiere auf der Wrangel-Insel aufmerksam zu machen und für deren Schutz zu werben, liefen sie seit Tagen mit ihrem Kostüm vor dem Konferenzgebäude umher.

Und das Schwitzen hat sich zumindest teilweise gelohnt: Die Entscheidung zur Wrangel-Insel enthält neben einem Wermutstropfen viel Positives. "Wir freuen uns, dass das Welterbe-Komitee unsere Sorgen um die arktische Wrangel-Insel teilt", sagt Lisa Maria Otte, Greenpeace-Expertin für die Arktis. "Leider hat es jedoch daraus nicht die Konsequenz gezogen, die Insel auf die Rote Liste der bedrohten Welterbe zu setzen. Das wäre angesichts der aktuellen Bedrohung des UNESCO-Welterbes durch Shell durchaus angemessen gewesen."

Die Nähe der Insel zu den USA wird nun für das Naturschutzgebiet zu einem Problem: Shell wird dort in wenigen Tagen mit Ölbohrungen beginnen. Und obwohl die USA als Mitgliedsstaat der UNESCO dazu verpflichtet sind, Welterbestätten zu schützen, hat Präsident Obama Shell die Bohrungen in der Tschuktschensee erlaubt. Die UNESCO fordert, dass Shell nicht bohrt, solange nicht vollständig untersucht wurde, welche Auswirkungen die Ölsuche auf die Insel hat.

Heimat zahlreicher Tierarten

Bei einem Ölunfall vor der Küste Alaskas wäre der Ölteppich nach zwei bis vier Wochen im Naturreservat und UNESCO-Schutzgebiet Wrangel angekommen – ein Desaster für die Arktis. Denn auf der Wrangel-Insel lebt eine der größten Eisbärpopulationen der Welt. Auch Wale, Walrosse, seltene Vogelarten und Moschusochsen konnten hier in Ruhe leben, seitdem die Insel in den 70er Jahren zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. 2004 kam der Status des Weltnaturerbes hinzu.

"Offensichtlich nutzt selbst der UNESCO-Status wenig, wenn es ums Öl geht“, so Otte. „Shell geht ohne Rücksicht auf das Weltnatuerbe den Konzern-Interessen nach; Obama lässt Shell gewähren. Das ist erschütternd und eine Blamage für die USA. Wenn Shell in wenigen Tagen mit den Bohrungen vor der Küste Alaskas beginnt, ist das de facto eine Missachtung der UNESCO-Entscheidung aus Bonn.“

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