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Greenpeace stellt Strafanzeige wegen Beschlagnahmung der Arctic Sunrise

Am Montag hat Greenpeace International bekannt gegeben, wegen der illegalen Beschlagnahmung der Arctic Sunrise durch russische Behörden Strafanzeige zu stellen. Bei der Stürmung des Schiffes durch den russischen Geheimdienst FSB sei es zu einer Reihe von Rechtsbrüchen gekommen, wie ein Greenpeace-Anwalt auf einer Pressekonferenz in Murmansk mitteilte.

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Alexander Mukhortov, der Anwalt des inhaftierten Arctic Sunrise-Kapitäns Peter Willcox, fasst die Rechtsverstöße wie folgt zusammen: "Bewaffnete und maskierte Männer ohne Identifizierung haben das Schiff gestürmt und ihre Gewehre auf die Besatzung gerichtet. Danach haben sie die Kontrolle über das Schiff übernommen, persönliche Habseligkeiten konfisziert und die Besatzung in Gewahrsam genommen - ohne all diese Handlungen zu dokumentieren."

Greenpeace International gab außerdem bekannt, Strafanzeige wegen diverser Rechtsverletzungen gegen die 28 inhaftierten Aktivisten und zwei Journalisten stellen zu wollen: "In einigen Zellen (der Aktivisten, d.Red) ist es kalt und es herrscht eine ständige Video-Überwachung. Nicht alle Angeklagten haben eine angemessene Trinkwasserversorgung oder die Möglichkeit, sich ausreichend zu bewegen," sagte Sergei Golubok, Anwalt von Greenpeace International.

Greenpeace International hatte gegen die fortgesetzte Untersuchungshaft der Arctic Sunrise-Crew Berufung eingelegt. Am Dienstagvormittag werden dazu für drei Besatzungsmitglieder erste Anhörungen stattfinden.

Arctic Sunrise in schlechtem Zustand

Am Freitag erlaubten die russischen Behörden, dem Arctic Sunrise-Besatzungsmitglied Mannes Ubels das Schiff zu besichtigen. In einem Brief an die FSB warnte der Techniker anschließend davor, dass die Stromversorgung des Schiffes vor dem Zusammenbruch stehe. Ohne Strom würde die Alarmanlage deaktiviert werden und könnte nicht mehr auf Meerwasser-Leckagen im Maschinenraum hinweisen. "Ich bitte sie respektvoll darum, dass ich mich um das Schiff kümmern darf, um schlimmere Schäden und schlimmstenfalls das Sinken des Schiffes zu verhindern", schreibt Ubels.

Unterstützung bekommt die Arctic Sunrise-Besatzung unterdessen von der Organisation "Internationale Ärzte gegen den Atomkrieg" (IPPNW). Der Vorsitzende der deutschen IPPNW-Sektion, Prof. Ulrich Gottstein, forderte den russischen Botschafter Wladimir M. Grinin in einem Greenpeace vorliegenden Brief am Sonntag dazu auf, sich für die Freilassung der Aktivisten einzusetzen. Unter den Inhaftierten befindet sich mit Roman Dolgov auch ein IPPNW-Mitglied. In Gottsteins Appell heißt es:

"Ich kenne Roman Dolgov von meinen zahlreichen Reisen nach Moskau und zu den internationalen IPPNW-Konferenzen seit vielen Jahren. Er ist ein untadliger Mensch und verdient es, nicht als Krimineller, sondern als ein auch für Russland wichtiger Aktivist für Frieden und den Erhalt einer gesunden Umwelt behandelt zu werden."

Setzen auch Sie sich mit einer Protestmail an den russischen Botschafter für die Freilassung der Arctic Sunrise-Aktivisten ein.

Zum Thema bei Greenpeace:

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