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Greenpeace-Schiffe forschen in der Arktis

Der Ölkonzern Shell will in wenigen Wochen vor der Küste Alaskas nach Öl bohren, obwohl viele Experten vor einem Ölunfall in der Arktis warnen. Was steht bei einem Unfall in dieser einzigartigen Region auf dem Spiel? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, sind in der Arktis zurzeit die Greenpeace-Schiffe Arctic Sunrise und Esperanza unterwegs.

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Die Teams auf den Schiffen wollen dokumentieren, was bei einem Ölunfall zerstört werden könnte und welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Arktis hat. In diesem Beitrag berichten wir über die Expedition der Arctic Sunrise, die Ende Juni in die Artkis gestartet ist. In einem zweiten Beitrag geht's dann um die Forschungsreise der Esperanza.

Ziel der Arctic Sunrise-Expedition ist eine präzise Messung der Eisschicht in der Arktis. Mit dieser Mission legte das Schiff am 29. Juni bei der norwegischen Insel Svalbard ab. An Bord ist eine internationale und bunt gemischte Besatzung, unter der sich auch Pfadfinderinnen aus Ghana und Peru, ein chinesischer Popstar, einige Aktivisten, Filmemacher und natürlich Wissenschaftler befinden: Viele unterschiedliche Persönlichkeiten, die das Ziel eint, für die noch unberührte Artkis einzustehen, sie zu erforschen und zu schützen.

Auf der einmonatigen Expedition messen Wissenschaftler die Dicke des arktischen Eises. Zum ersten Mal soll die wirkliche Gestalt der Eisschicht erfasst werden. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit sollen zeigen, wie schnell sich die Beschaffenheit der Arktis durch den Klimawandel verändern kann und wie ernst das immer stärker werdende Abschmelzen des Eises zu nehmen ist.

Arctic Sunrise forscht da, wo das Eis vom Aussterben bedroht ist

Die Arctic Sunrise ist derzeit in Fram Strait, dem Meeresbecken zwischen Svalbard und Grönland unterwegs. Diese Region ist auch bekannt als Ort, wo das Meereseis ausstirbt. Die Wissenschaftler, Scanning-Experten und Ingenieure werden von Professor Peter Wadhams von der Universität Cambridge geleitet. Mit Hilfe eines Unterwasser-Roboters, der die Unterseite des Eises messen soll und einem 3D-Scanning-Gerät auf der Oberfläche, wollen sie die Eisdicke bestimmen und mehr über die Art des Eises herausfinden.

Bei dem untersuchten Eis handelt es sich um das sogenannte Meerjahres-Eis oder auch deformiertes Eis. Es ist das dicke alte Eis, welches im Sommer nicht gänzlich schmilzt und über die Jahre an Größe zunimmt. Professor Wadhams erklärt, dass er und sein Team den Schwerpunkt ihrer Forschung auf die dicken Eisrücken gelegt haben, weil diese bis zu 50 Meter tief sein können und etwa die Hälfte des Eises der Arktis ausmachen. Die Eisrücken sind jedoch bereits in viele kleine Stücke zerfallen, deren Eisdicke immer mehr abnimmt. Die Wissenschaftler wollen mit ihrer Forschung herausfinden, ob die Eisrücken weiterhin schmelzen, sich zerstückeln - oder beides.

Arktisches Eis bis zu 75 Prozent geschmolzen

Manche Experten gehen davon aus, dass in den letzten 30 Jahren rund 75 Prozent des arktischen Eises geschmolzen sind. Mit dem Eis verschwindet auch ein beträchtlicher Teil des Lebensraumes für Eisbären und andere Arktis-Tiere. Aber nicht nur die Tierwelt ist vom Schmelzen des Eises betroffen, auch für die Menschen hat dieser Rückgang dramatische Folgen. Die Arktis reflektiert Sonnenstrahlen zurück in den Weltraum und kühlt so die Erde ab. Das Eis der Arktis reguliert damit globale Wettersysteme, auf die Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion angewiesen sind. Wir brauchen eine intakte Arktis zum Leben.

Frida Bengtsson, eine schwedische Aktivistin, bloggte kürzlich von Bord der Arctic Sunrise: Um die Artkis zu schützen, brauchen wir überall auf der Welt Menschen, die zusammenhalten. Aber wir brauchen auch mehr Wissen. Wir hoffen, dass wir dieses auf unserer Expedition erlangen. Noch hat das Eis eine gewisse Stärke, hoffentlich ist auch unsere Ausdauer stark.

 

Zum Weiterlesen:

Der Hintergrundartikel: Klimaforschung: Greenpeace-Expeditionen in die Arktis

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