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Greenpeace International-Geschäftsführer drängt auf Treffen mit Putin

Der Geschäftsführer von Greenpeace International, Kumi Naidoo, bittet den russischen Präsidenten Wladimir Putin in einem Brief um ein persönliches Treffen, um die fortgesetzte Untersuchungshaft für die 28 Greenpeace-Aktivisten und zwei freiberuflichen Journalisten abzuwenden. Naidoo bietet an, als Bürge für die inhaftierten "Arctic 30" einzutreten und für die Dauer des Verfahrens in Russland zu leben. Lesen Sie Naidoos Brief im Wortlaut.

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Kumi Naidoos Brief an Präsident Putin (Der original Brief hier):

Sehr geehrter Herr Präsident Putin,

in Bezug auf die gestrige Abweisung der Kautionsanträge für unsere 28 Aktivisten und 2 Freelancer und als Antwort auf Ihr Angebot in Salekhard, sich auf eine Diskussion über das Schicksal der Arktis einzulassen, bitte ich Sie dringend um ein persönliches Treffen.

Ich wäre selbstverständlich bereit, Sie an jedem Ort Ihrer Wahl auf der Welt zu treffen, bitte Sie aber, falls möglich, um ein baldiges Treffen in Russland.

Im Gegensatz zu den Staatsoberhäuptern anderer Länder, mit denen Sie üblicherweise verkehren, steht hinter mir keine mächtige und einflussreiche Regierung. Ich komme nur als Vertreter von Millionen Menschen weltweit - viele davon russische Staatsbürger - deren sehnlichster Wunsch es ist, die anhaltende Inhaftierung der dreißig mutigen und friedlichen Männer und Frauen in Murmansk bald zu beenden.

Ihr Schicksal ist von weltweitem Interesse. Deshalb wende ich mich mit einem Vorschlag an Sie: Ich bin bereit, mein Leben für die Dauer der Angelegenheit nach Russland zu verlegen. Ich biete meine Person als Bürge an, sollten die Greenpeace-Aktivisten auf Kaution frei gelassen werden. Die Aktivisten, wir, Greenpeace, denken nicht, dass wir über dem Gesetz stehen. Wir sind bereit, uns den Konsequenzen unserer Handlung zu stellen, solange diese auf dem Strafgesetzbuch beruhen und zwar so, wie das Gesetz von jedem vernünftigen Menschen verstanden wird.

Es ist anhand Ihrer Aussagen offensichtlich, dass Sie die Aktivisten nicht als Piraten ansehen, trotzdem ist das die Anklage, die erhoben wurde. Sie wissen, ebenso wie Millionen Menschen weltweit, dass sie für ein Verbrechen angeklagt werden, dass nicht passiert ist; die Aktivisten werden einer imaginären Straftat beschuldigt. Zuvor haben Sie selbst noch Ihre Bewunderung für Organisationen wie Greenpeace ausgesprochen, und dass die Proteste Sympathien in Ihnen erwecken würden. Falls unsere Freunde auf Kaution frei kommen, werde ich für die 28 Greenpeace International Aktivisten bürgen, dass sie sich den Konsequenzen ihres friedlichen Protests nach russischem Recht stellen.

Das Gesetz, wie wir beide wissen, sieht keine Anklage wegen Piraterie gegenüber friedlichen Protestierenden vor. Deshalb bitte ich Sie als Präsidenten der Russischen Föderation, alles in Ihrer Macht stehende in die Wege zu leiten, damit die übertrieben hohe Anklage der Piraterie gegen die Inhaftierten fallen gelassen werden, und dass alle Anklagen dem internationalen und russischem Recht entsprechen. Ich bitte ebenfalls mit Respekt darum, dass die beiden freiberuflichen Journalisten, die keine Greenpeace-Mitarbeiter sind, umgehend freigelassen werden.

Die Vereinten Nationen haben einen Tag nach der Inhaftierung unserer Aktivisten erst ihre letzte Warnung vor den Gefahren des Klimawandels veröffentlicht. Diese Gefahren betreffen uns alle: Ihre Nation genauso wie meine; die gesamte Welt. Die Ergebnisse des Reports, der von unseren führenden wissenschaftlichen Köpfen geschrieben wurde, machen deutlich, dass wir es uns nicht mehr leisten können, neue fossile Brennstoffe zu fördern und zu verbrennen. Das ist der Grund, warum die Protestierenden sich gezwungen sahen, etwas zu unternehmen - friedlich und respektvoll gegenüber Ihrer Nation.

Meine persönliche Geschichte als junger Aktivist in der Anti-Apartheid-Bewegung hat mich gelehrt, dass der Dialog am wichtigsten ist. Wenn wir ein gemeinsames Verständnis finden wollen, müssen wir miteinander reden. Ich glaube, mein Vorschlag nach Moskau zu kommen, mich mit Ihnen zu treffen, dort zu bleiben, gibt uns genau so eine Möglichkeit. Von der momentanen Situation profitiert keiner von uns, nicht die große Russische Nation, und schon gar nicht die Familien und Freunde der Inhaftierten.

Ich bin mir des Risikos bewusst, welches eine Reise nach Russland für mich bedeutet. Letztes Jahr war ich selbst Teil eines friedlichen Protests, der mit dem meiner Kollegen identisch war. Unser friedlicher Protest damals wurde von der russischen Küstenwache beobachtet, die sich weigerte, einzugreifen, obwohl Gazprom sie darum gebeten hatte, denn sie haben erkannt, dass unsere Aktion keine Gefahr für Personen oder das Objekt darstellte. Aber ein Jahr später werden die Aktivisten für den exakt gleichen Protest der Piraterie angeklagt, mit der Aussicht auf langjährige Haftstrafen. Wenn ich nach Russland komme, gehe ich davon aus, dass mich nicht das Schicksal der Aktivisten ereilt, aber es ist ein Risiko, das ich bereit bin auf mich zu nehmen, um mit Ihnen diese Übereinkunft zu erreichen.

Mit freundlichen Grüßen,

Kumi Naidoo

Geschäftsführer Greenpeace International

Fordern Sie mit einer Protestmail an die russische Botschaft in Deutschland die Freilassung der Arctic-Sunrise-Besatzung und die Beendigung von Ölbohrungen in der Arktis!

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