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Greenpeace-Aktivisten erklettern Shell-Schiff auf offener See

Protestaktion beendet: Die Greenpeace-Aktivisten, die den von Shell gecharterten Eisbrecher "Nordica" erklettert hatten, wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen. Die "Nordica" liegt weiterhin im Hafen von Karlskrona.

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Die Aktivisten hatten rund acht Stunden auf dem Schiff ausgeharrt. Sie protestierten gegen die Pläne des Konzerns Shell, in der Arktis nach Öl zu bohren.

"Wir sind stolz auf unsere mutigen Aktivisten. Es ist ihnen wieder gelungen, dieses Schiff zu erklettern. Shells Pläne, in der Arktis nach Öl zu bohren, sind inakzeptabel. Das Risiko für die einmalige Natur der Arktis ist einfach zu groß", sagt Therese Jacobson, Arktisexpertin des nordischen Greenpeace-Büros.

Schon im Hafen von Helsinki hatten am Dienstagmorgen zwanzig Greenpeace-Aktivisten auf dem von Shell gecharterten Spezialschiff "Nordica" gegen die Zerstörung der Arktis protestiert. Insgesamt demonstrierten 42 Aktivisten aus 13 Nationen gegen die verantwortungslosen Pläne des Ölkonzerns, bevor die Aktion am Nachmittag durch die Polizei beendet wurde.

"Zum ersten Mal in der Geschichte sind wir mit der realen Möglichkeit konfrontiert, dass der Nordpol nicht mehr zufriert. Es ist grundfalsch, dass Shell noch Geld an einer globalen Katastrophe verdient, die das Unternehmen selbst mitverantwortet", sagt die finnische Greenpeace-Aktivistin Maria Hukkamäki. "Ich bin an Bord der 'Nordica', um Nein zu Ölbohrungen in der Arktis zu sagen und zum Schutz eines der sensibelsten und schönsten Naturgebiete der Welt aufzurufen!"

Um ca. 16:00 Uhr nahm die Polizei 20 der Aktivisten auf der "Nordica" fest. Doch gleich darauf bahnten sich 22 weitere Aktivisten mit Schlauchbooten und Kanus ihren Weg zu dem Shell-Schiff. Trotz der starken Präsenz von Polizei und Küstenwache mit Booten und Helikoptern gelang es ihnen, gegen die verantwortungslosen Pläne des Shell-Konzerns zu protestieren: Einige platzierten Bojen vor der "Nordica", andere schwammen auf das Schiff zu und demonstrierten mit Handbannern.

"Werden wir gierigen Unternehmen erlauben diesen magischen Ort, die Arktis, für ihre Zwecke zu erschließen, um den letzten Tropfen Öl aus der Erde zu saugen? Oder werden wir aus unseren Fehlern lernen und einen der letzten unberührten Plätze für die nächste Generation erhalten? Die Entscheidung liegt bei uns", sagt Tapio Laakso.

Hintergrund der Protest-Aktion in Helsinki

Der Eisbrecher "Nordica" soll in dieser Woche aus Helsinki aufbrechen, um zwei Bohrschiffe und das Schwesterschiff "Fennica" bei Ölbohrungen vor der Küste Alaskas zu unterstützen. "Wir sind hier im Namen von fast 400.000 Menschen, die Shell dazu aufrufen, die Pläne zur Zerstörung der Arktis fallen zu lassen", sagte Greenpeace-Sprecher Tapio Laakso. "Öl-Unternehmen wie Shell wissen, dass ein Ölunfall vor der Küste Alaskas katastrophale Folgen für die Umwelt hätte."

Greenpeace-Aktivisten hatten bereits im März und Februar an dem Bohrschiff Noble Discoverer und an der "Fennica" gegen die Pläne von Shell protestiert. Als erstes großes Öl-Unternehmen will Shell Bohrungen in der Arktis in den Fokus seines Kerngeschäfts rücken. Sollte Shell bei den für den Sommer angesetzten Probebohrungen auf Öl stoßen, fiele damit der Startschuss zu einem regelrechten Wettrennen in die Arktis.

Die extremen Wetterbedingungen und der kurze Sommer machen Ölbohrungen in dieser Region zu einem unkalkulierbaren Wagnis. Shell steht nur ein kurzes Zeitfenster zur Verfügung, um die Probebohrungen durchzuführen. Wegen möglicher Extremwetterlagen, der Abgeschiedenheit der Region und der äußerst niedrigen Temperaturen sind Ölbohrungen in der Arktis mit beispiellosen Risiken befrachtet. Experten haben mehrfach darauf hingewiesen, dass ein Ölunfall unter den Bedingungen der Arktis nicht zu beherrschen wäre.

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