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Greenpeace-Aktivisten beenden Protest an Gazprom-Plattform

Nach 15 Stunden: Die Greenpeace-Aktivisten, die in den frühen Morgenstunden auf eine Gazprom-Plattform in der russischen Petschorasee geklettert sind, haben ihre Protestaktion gegen Ölbohrungen in der Arktis am Freitagabend beendet. Die Sicherheit der Aktivisten konnte nicht mehr gewährleistet werden, nachdem sie von der Crew der Prirazlomnaya nach dem Beschuss aus Wasserkanonen zuletzt auch mit Metallteilen beworfen worden waren. An der Protestaktion hatte auch der Geschäftsführer von Greenpeace International, Kumi Naidoo, teilgenommen.

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Meine Kollegen und ich stehen hier stellvertretend für die über eine Million Arktisschützer, erklärte Naidoo während der Aktion. Gazprom und Shell riskieren mit ihren Förderplänen ein einzigartiges Ökosystem. Früher oder später wird es in der Arktis zu einem Ölunfall kommen. Der einzige Weg, dies zu verhindern, ist ein generelles Verbot aller Bohrungen in der Arktis.

Russischer Ölkonzern Gazprom will Öl in der Arktis fördern

Gazprom will kommendes Jahr mit der Ölförderung in der Petschorasee beginnen. Erst in der vergangenen Woche deckte Greenpeace auf, dass der Konzern zur Zeit keinen offiziell genehmigten Notfallplan für einen Ölunfall hat. Das russische Energieministerium hat die Recherchen von Greenpeace daraufhin bestätigt.

Die Gazprom-Bohrstelle in der Petschora See ist jährlich neun Monate lang von einer Eisschicht bedeckt und im Winter können die Temperaturen in der Gegend auf minus 50 Grad Celsius absinken. Gazproms Notfallplan ist auf diese Herausforderungen nicht ausgelegt, worüber auch DER SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.

Käme es in der Petschorasee zu einem Ölunfall, wären Einholung und Beseitigung von ausgelaufenem Öl so gut wie unmöglich. Experten warnen, dass es keine brauchbare Methode gibt, einen Ölunfall in dieser Region unter Kontrolle zu bringen.

Gazprom und Shell sind die ersten großen internationalen Ölkonzerne, die die Ausbeutung der Arktis in den Fokus ihrer Geschäfte stellen. Während Gazprom in der Petschorasee bohren will, hat Shell noch für diesen Spätsommer Bohrungen vor der Küste Alaskas anvisiert. Wenn dabei Öl gefunden wird, werden weitere Ölkonzerne Milliarden Dollar in neue Arktis-Projekte stecken. Experten vermuten etwa 90 Milliarden Barrel (ein Barrel= 159 Liter) Öl in der Arktis, das meiste davon unter dem Meeresboden.

Unterstützen Sie die Aktivisten

Mit dabei ist auch Aktivist Lars Konnertz aus Deutschland: Ich bin hier, um gegen Ölbohrungen in der Arktis zu protestieren, aber auch, um die Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien zu fordern. Nur wenn wir auf Erneuerbare und verbesserte Energieeffizienz setzen, müssen wir in dieser Umgebung nicht nach Öl bohren und den Teufelskreis beenden, so der 29-Jährige.

Weltweit unterstützen über eine Million Menschen mit ihrer Unterschrift die Greenpeace-Kampagne zum Schutz der Arktis. Fordern auch Sie ein internationales Schutzgebiet und Verbote gegen Ölförderung und industrielle Fischerei auf savethearctic.org.

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