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Dreifacher Protest bei Champions League-Spielen

Gazprom aus der Arktis kicken!

Cheerleading in Wien, Klettern in Neapel, Riesenbanner in Istanbul: Ohne den Spielablauf zu stören, protestierten Greenpeace-Aktivisten am Mittwoch bei drei Champions League-Spielen gegen Gazprom. Der russische Energiekonzern ist Sponsor der Champions League und will noch diesen Monat mit der Ölförderung in der Arktis beginnen – als erster Konzern weltweit.

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Erster Treffer in Wien – Don’t foul the Arctic!

"Don’t foul the Arctic" hieß es auf den Transparenten, die sechs Aktivistinnen in Cheerleader-Outfits vor dem Anpfiff hochhielten. Zeitgleich mit den Spielern liefen sie auf dem Spielfeld des Ernst-Happel-Stadions ein. Durch den Protest unmittelbar vor dem Spiel, bezeugten die Aktivistinnen ihren Respekt vor dem Sportereignis, den Fans und den Vereinen.

Zweiter Treffer in Neapel – Gerechtigkeit für Cristian d’Alessandro

Halbzeit mal anders: Während der Pause beim Spiel zwischen SSC Neapel und FC Arsenal London seilten sich Umweltschützer vom Dach des San Paolo-Stadiums ab und entrollten ein Banner mit der Aufschrift "Guistizia per Cristian" (Gerechtigkeit für Cristian) genau über der VIP-Loge. Als Besatzungsmitglied der Arctic Sunrise ist Aktivist Cristian d‘Alessandro derzeit mit den übrigen Arctic 30 in Russland festgesetzt. Gleichzeitig brachten Greenpeace-Aktivisten ein zweites Banner an einem Turm außerhalb des Stadions an – "Gazprom quit the Arctic" (zu Deutsch: Gazprom, verzieh' dich aus der Arktis).

Dritter Treffer in Istanbul: Fan-Protest

In Istanbul halfen Fußball-Fans während des Spiels Galatasaray Istanbul gegen Juventus Turin dabei, ein 200 Quadratmeter-Transparent mit der Aufschrift "Kick Gazprom out of the Arctic" zu entrollen.

"Unser Protest richtet sich auf keinen Fall gegen die UEFA oder Fußballclubs", sagte Lukas Meus, Sprecher von Greenpeace Österreich. "Unter unseren Aktivistinnen und Aktivisten sind selbst Fußballfans. Der Grund für unsere Aktion ist es aufzuzeigen, welchen Geschäften Gazprom abseits des Fußball-Sponsorings nachgeht. Mit diesem fairen Sport hat das schmutzige Spiel, das Gazprom mit der Umwelt betreibt, nichts zu tun. Das Vorgehen von Ölkonzernen wie Gazprom, die für ihre Geschäfte das fragile Ökosystem der Arktis aufs Spiel setzen, verdient die rote Karte."

Gazprom provoziert ökologisches Desaster

Als erstes Unternehmen weltweit will Gazprom Ende Dezember mit Ölbohrungen in der Petschorasee beginnen. Seine Plattform Prirazlomnaya besteht aus veralteten Teilen und entspricht nicht einmal russischen Sicherheitsstandards. Die riesige, rund vier Milliarden US-Dollar teure Plattform soll das ganze Jahr über Öl fördern und könnte den globalen Markt voraussichtlich ab 2014 direkt damit beliefern.

Für seinen Profit bringt Gazprom das fragile Ökosystem der Arktis in Gefahr. In der Nähe von Ölplattformen wird die Umwelt ohnehin permanent und schleichend verschmutzt. Abgesehen davon ist es absehbar, so Meus, "dass es unter den in der Arktis herrschenden Bedingungen von Eis, Kälte, Stürmen und Dunkelheit nur eine Frage der Zeit ist, bis es zu einem verheerenden Ölunfall kommt – die hochriskanten Ölbohrungen müssen gestoppt werden, bevor es dazu kommt."

Die Kampagne "Schützt die Arktis"

Die gestrigen Protestaktionen reihen sich ein in zahlreiche weltweite Aktionen im Rahmen der Arktis-Kampagne. Vergangenen Montag hatten Greenpeace-Aktivisten während einer Champions League-Pressekonferenz in Kopenhagen ein Banner per Fernsteuerung entrollt.

Im September protestierten Greenpeace-Aktivisten sogar direkt vor Ort – mit einem Banner an der gefährlichen Prirazlomnaya-Plattform. Die Härte, mit der die russischen Behörden diesen friedlichen Protest unterbrachen, wurde weltweit verurteilt. Die sogenannten Arctic 30 sind nun in Russland wegen Rowdytums angeklagt, ihnen drohen bis zu sieben Jahre Haft. Nach zwei Monaten Untersuchungshaft sind sie derzeit gegen Kaution auf freiem Fuß, dürfen Russland jedoch nicht verlassen.

Mehr als 4,5 Millionen Menschen weltweit haben bereits die Greenpeace-Petition zum Schutz der Arktis unterschrieben. 2,5 Millionen Menschen haben im Rahmen einer Greenpeace-Mitmachaktion Protestmails an russische Botschaften verschickt und fordern Freiheit für die Arctic 30.

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