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Wissenschaftler erforschen arktisches Eis und Tiefsee

Esperanza startet Arktis-Expedition

Das Greenpeace-Schiff mit dem schönen Namen Esperanza - zu Deutsch Hoffnung - bricht am Freitag vom Kieler Hafen zu einer viermonatigen Expedition in die Arktis auf. Gemeinsam mit Wissenschaftlern des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) werden Klima- und Meeresexperten von Greenpeace die stärksten Bedrohungen der Arktis untersuchen. Dazu gehören der Einfluss des Klimawandels, die Versauerung der Ozeane und die drohende unkontrollierte Ausbeutung der Fischbestände.

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Eine der letzten fast unberührten Regionen dieser Welt ist am stärksten vom Klimawandel betroffen. Es ist notwendig, langfristig Daten in der Arktis zu erheben. Nur so lassen sich Klimamodelle in ihrer Vorhersagekraft verbessern, sagt Dr. Iris Menn, Meeresbiologin von Greenpeace.

Die rund 30-köpfige Besatzung der Esperanza wird sich in den nächsten vier Monaten mit mehr befassen als den Folgen des Klimawandels auf das ewige Eis. Der Klimawandel ist zwar ein Schwerpunkt der Expedition, aber der Fokus liegt auch auf einer Schadensanalyse und Erforschung des Ökosystems Meer und dessen Bewohnern.

Versauerung und Ausbeutung

Erstes Ziel der Greenpeace-Expedition ist Spitzbergen. Die Kieler Wissenschaftler untersuchen hier im Kongsford die Auswirkungen der Ozeanversauerung, eine bislang wenig bekannte Folge des Kohlendioxidausstoßes. Besonders stark betroffen sind die Polargebiete. Die Meere nehmen hier aufgrund der niedrigen Temperaturen besonders viel CO2 auf. Dieses wird im Wasser in Kohlensäure umgewandelt.

Für die Untersuchungen wird die weltweit größte, in Kiel entwickelte Experimentieranlage eingesetzt. Wir werden den Einfluss der zunehmenden Versauerung des Meerwassers auf die natürlichen Planktongemeinschaften untersuchen, erklärt Prof. Dr. Ulf Riebesell, Leiter des Forschungsprojektes.

Im zweiten Expeditionsabschnitt wird die Crew der Esperanza in der nördlichen Barentssee die bisher unbekannte Tiefsee kartieren und Fischtrawler dokumentieren. Durch das zurückweichende Eis ziehen die großen Fischereiflotten immer weiter nordwärts an die neue Eiskante und wittern den Zugang zu neuen Fischgründen. In diesen Gebieten gibt es bislang keine Beschränkungen für die Fischerei.

Die unkontrollierte Ausbeutung der Arktis muss aufgehalten werden. Dafür benötigen wir ein Sofortverbot für jegliche industrielle Nutzung des arktischen Ozeans, der bisher durch Eis geschützt war. Mit ihren Grundschleppnetzen zerstören sie dort womöglich unentdeckte Naturwunder, sagt Menn.

Greenpeace in der Arktis

Auf ihrer weiteren Reise untersucht Greenpeace mit Hilfe der Wissenschaftler den Rückgang des arktischen Meereises. Gemeinsam mit Forschern aus Cambridge (Großbritannien) soll das Eis in der Fram-Straße zwischen Spitzbergen und Grönland vermessen werden. Weiterhin untersuchen Wissenschaftler des Woods Hole Institutes und der Universität Maine (USA) die rapide Gletscherschmelze auf Grönland.

Die Expedition von Greenpeace steht in einer langen Tradition. Bereits seit 1977 arbeiten Aktivisten auf unterschiedliche Weise am Schutz der Arktis. In mehreren Expeditionen rund um die Arktis wurden neben den Folgen des Klimawandels Umwelteinflüsse wie Dauergifte in der Nahrungskette, die Auswirkungen der Ölförderung, sowie die Folgen industrieller Fischerei untersucht. Weiterhin protestierte Greenpeace über mehrere Jahre gegen den Bau einer Ölpipeline des britischen Konzerns BP.

Im vergangenen Jahr war das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise in der Nordpolarregion unterwegs. Messgeräte wurden fest installiert. Die zwischenzeitlich aufgezeichneten Daten sollen jetzt abgefragt werden. Erste Ergebnisse der Expedition veröffentlichte Greenpeace bereits 2009, vor dem Klimagipfel in Kopenhagen.

Im vergangenen Jahr fanden sich bereits erste Belege, dass warmes subtropisches Wasser bis in die Fjorde Grönlands dringt und dadurch die Gletscherschmelze von unten angetrieben wird. Um den Klimawandel aufzuhalten und die Arktis zu bewahren, muss der Ausstoß von Treibhausgasen um 40 Prozent bis zum Jahr 2020 vermindert werden fordert Iris Menn.

Publikationen

Die Arktis im Visier

Greenpeace untersucht mit Forschern Klimafolgen und die bisher unbekannte Tiefsee in der Arktis.

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