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Klimaforscher und Umweltschützer erforschen die Folgen des Klimawandels

Die Arctic Sunrise am Petermann-Gletscher auf Grönland

Die Arctic Sunrise hat ihr erstes Ziel erreicht: den Petermann-Gletscher an der Nordwestseite Grönlands. Zusammen mit Klimaforschern will Greenpeace vor Ort untersuchen, wie sich der Klimawandel auf diesen Gletscher auswirkt. Der Petermann ist einer der größten und nördlichsten Gletscher der Insel. Satellitenaufnahmen zeigen, dass ein mächtiges Stück jederzeit abzubrechen droht.

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Dr. Jason Box (Byrd Polar Research Centre, Ohio State University) und Dr. Alan Hubbard (Aberystwyth University) wollen den Abbruch mit Hilfe von Zeitlupenkameras und GPS-Systemen dokumentieren und den Lauf des Gletschers vermessen. Die Geräte wurden bereits auf dem Eis installiert.

Hier, wo das Eis in rasantem Tempo schmilzt, hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel erst vor wenigen Jahren zur sogenannten Klimaretterin ausrufen lassen, sagt Iris Menn, Meeresexpertin von Greenpeace. Die Kanzlerin muss sich daran erinnern und auf dem G8-Gipfel kommende Woche ihren Kollegen die Dringlichkeit des Klimaschutzes deutlich machen.

Seit einigen Jahren beobachten Forscher, dass das arktische Eis viel schneller schmilzt als bisherige Klimamodelle errechnet haben. Mit Hilfe der jetzt vom Expeditionsteam auf dem Gletscher installierten Kameras können die Bewegung des Eisfeldes und der Abbruch in Zeitlupe festgehalten werden. Zusammen mit weiteren ozeanographischen Vermessungen hoffen die Klimaforscher, ein ganzheitliches Bild der Gletscherschmelze auf Grönland zu erhalten.

Wissenschaftler vermuten, dass die Eisschmelze in stärkerem Maß durch Veränderungen der Faktoren unter Wasser und nicht wie bisher angenommen maßgeblich von atmosphärischen Veränderungen verusacht werden. Erst kürzlich prognostizierten Experten einen neuen Negativrekord der arktischen Eisschmelze. Ein erstes Indiz dafür: Um den Petermann-Gletscher zu erreichen, musste die Arctic Sunrise durch die Nares-Straße fahren - eine Meerenge zwischen der kanadischen Ellesmere Insel und Grönland. Unter normalen Bedingungen ist sie bis Ende August aufgrund von Eisgang schwer zu befahren. Doch in diesem Jahr war der Seeweg nahezu eisfrei. Die Arctic Sunrise erreichte den Petermann-Gletscher früher als geplant.

Die Veränderungen in der Arktis haben globale Auswirkungen. Ein vollständiges Abschmelzen des Grönland-Eisschelfs würde zu einem Anstieg des Meeresspiegels von etwa sieben Metern führen, ein Anstieg um nur einen Meter bereits rund 150 Millionen Menschen direkt betreffen. Dazu gehören vor allem Bangladesh oder pazifische Inselstaaten wie Tuvalu. Zeitgleich mit der Arctic Sunrise in der Arktis ist das Greenpeace-Flaggschiff Esperanza im Pazifik unterwegs. Die Besatzung will dort die Folgen der klimatischen Veränderungen für Mensch und Natur dokumentieren.

Greenpeace wird noch bis zum Herbst mit der Arctic Sunrise in der Arktis bleiben und zusammen mit internationalen Wissenschaftlern die Folgen des Klimawandels dokumentieren. Jeder Tag auf See kostet uns 8.000 Euro. Bitte unterstützen Sie die Greenpeace-Expedition durch Ihre Spende.

Die Route der Arctic Sunrise können Sie auf Google Maps nachvollziehen.

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