Greenpeace-Aktivisten protestieren an norwegischer Bohrplattform

Das Recht auf ihrer Seite

David gegen Goliath in einem Fjord nahe Tromsö: Zwölf Greenpeace-Aktivisten demonstrieren an einer Ölplattform gegen die klimaschädliche Politik der norwegischen Regierung.

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Bunte Kanus, Kajaks und Schwimmer gegenüber zigtausend Tonnen Stahl: Die Kräfteverhältnisse mögen nicht ausgeglichen sein, dafür haben die 12 Greenpeace-Aktivistinnen und Aktivisten, die heute im Wasser zum Schutz der Arktis protestieren, sämtliche Argumente auf ihrer Seite. Denn die vor Tromsö liegende Ölplattform Songa Enabler macht sich in den kommenden Tagen auf den Weg in die Barentssee, im Auftrag des norwegischen Ölkonzerns Statoil; wenn sie ihr Ziel erreicht und zu bohren beginnt, drohen schwerwiegende Umweltschäden.

Und zwar so oder so: Niemand braucht das Öl, das unter der Arktis liegt. Die bereits jetzt wirtschaftlich förderbaren Ölvorräte der Welt genügen, um den Energiebedarf der Menschheit so lange zu unterstützen, bis eine Versorgung mit hundert Prozent Erneuerbaren Energien sichergestellt ist. Das ist das erklärte Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens, damit die Erhitzung der Erde unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter bleibt. „Wer neue Ölfelder freigibt, sabotiert das Pariser Abkommen“, sagt Greenpeace-Sprecherin Stephanie Menzel. „Die norwegische Regierung muss die Genehmigungen der Ölbohrungen zurücknehmen, um das Klima zu schützen.“

Shell hat die Arktis bereits aufgegeben – aus gutem Grund

Die Bohrpläne von Statoil sind eine Grenzüberschreitung: Kein Konzern hat so weit im Norden der Barentssee nach Öl gebohrt, wie in Korpfjell geplant. Erstmals seit mehr als 20 Jahren hat Norwegens Regierung im Sommer 2016 ein vollkommen neues Gebiet der norwegischen Barentssee hierfür freigegeben. Das Gebiet ist unwirtlich und schwer zu erreichen, Ölunfälle sind hier kaum unter Kontrolle zu kriegen: Es stürmt, es ist kalt und in den Wintermonaten fehlt das Licht; Aufräumteams haben keine Chance. Der Ölkonzern Shell hatte sich 2015, auf Druck von Greenpeace und der Weltöffentlichkeit, nach einer kostspieligen Pannenserie wieder aus der Arktis zurückgezogen.

Statoil sind nicht die ersten und werden nicht die letzten sein, die weit im Norden Profite suchen: Mehr als zehn Konzerne, darunter auch Dea Norge, Tochterfirma der Deutsche Erdöl AG (Dea), sowie Chevron und Lukoil, haben sich Bohrrechte gesichert.

Klimaschädlich – und verfassungswidrig

Die norwegische Regierung könnte mit der Genehmigung der Pläne sogar ihre eigene Verfassung brechen. Darin ist festgeschrieben, dass kommende Generationen das Recht auf eine sichere und gesunde Umwelt haben. Ölbohrungen in einem so empfindlichen Gebiet wie der Arktis sind damit nicht vereinbar. Greenpeace Nordic und die Naturschutzorganisation Youth and Nature haben im Oktober 2016 daher eine Klage gegen den norwegischen Staat eingereicht, die weltweit Unterstützer findet.

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