Das arktische Meereis

Der Nordpol eisfrei? Noch vor wenigen Jahren schien das unvorstellbar. Doch die Durchschnittstemperaturen sind in der Arktis in den vergangenen 100 Jahren fast doppelt so schnell gestiegen wie im Rest der Welt. Das Eis des Nordpolarmeers schmilzt zusehends und gibt das Wasser frei. Dieses erwärmt sich und beschleunigt wiederum die Schmelze. Der Klimawandel entfaltet seine eigene Dynamik. Klimaforscher fürchten, dass in der Arktis der kritische Punkt bereits überschritten ist.
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Die Arktis ist ein riesiger Ozean, umgeben von drei Kontinenten. Sie erstreckt sich über Teile Russlands, der USA, Kanadas, Grönlands, Lapplands und Spitzbergens. Ungefähr eine Million Menschen leben in der nördlichsten Region unserer Erde. Das Nordpolarmeer umfasst 15 Millionen Quadratkilometer - etwa 45-mal Deutschland. Fast mittendrin liegt der Nordpol.

Ganz im Norden ist die Arktis ganzjährig zugefroren. Gegen Süden schmilzt ein Teil der Eisfläche im kurzen arktischen Sommer weg und gibt den Seeweg frei. In den vergangenen Jahrzehnten ist diese eisfreie Fläche stetig größer geworden. Das Meereis des Arktischen Ozeans hat deutlich abgenommen, die Eiskante verschiebt sich nach Norden. Je mehr Eis schmilzt und die dunkle Wasseroberfläche freilegt, desto mehr beschleunigt sich auch der Klimawandel. Denn dunkle Flächen absorbieren die Sonnenstrahlung, während weiße sie größtenteils ins All zurückwerfen. Das Wasser wird immer wärmer. Schon in wenigen Jahrzehnten könnte die Arktis im Sommer eisfrei sein.

Wenn eine Fläche dieses Ausmaßes sich erwärmt und ihre Wärme in die Atmosphäre abstrahlt, bleibt dies nicht ohne Folgen für das globale Klima. Auch das Ökosystem Arktis wird so nicht überdauern. Die Folgen für Fauna und Flora sind beträchtlich. Seehunde beispielsweise ziehen auf dem Eis ihre Jungen auf. Die neugeborenen Robben können in ihren ersten Lebenswochen nicht schwimmen, sie brauchen festes Eis und schützende Schneehöhlen, um sich erst einmal eine Speckschicht anzufuttern. Ohne Eis sind die Tiere nicht überlebensfähig.

Festes Eis und Eisschollen benötigen auch die Eisbären. Von dort aus gehen sie auf Nahrungssuche, vor allem auf die Jagd nach Robben. Eisbären sind hervorragende Schwimmer, doch die langen Distanzen, die sie mittlerweile im Wasser zurücklegen müssen, sind auch für diese mächtigen Tiere zu viel. Sie ertrinken - oder verhungern.

Nicht zuletzt wirkt sich die Veränderung auf die Existenz der Menschen aus. In Alaska drohen küstennahe Ortschaften bereits weggespült zu werden. Kein Eis schützt die Küsten vor Brandung und Sturmfluten. Der bislang gefrorene Boden wird weich und trägt die Häuser nicht mehr.

Auch die traditionelle Lebensweise beispielsweise der Inuits ist gefährdet. Sie jagen Robben für den Eigenbedarf. Fleisch, Öl, Felle - alles wird verwertet. Doch ohne festes Eis keine Jagd. Und die Robben ziehen weiter nordwärts in - bislang noch - kältere Gefilde.

Von Süden ziehen fremde Arten nach. Insekten zum Beispiel. Das Immunsystem der Inuit ist dafür nicht gerüstet. So kommen mit dem Klimawandel und den fremden Arten auch bislang unbekannte Krankheiten in die Region.

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