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Coup vom Eis: BP stoppt Ölbohrprojekt in der Arktis

Das Deepwater Horizon-Unglück wirft lange Schatten: Über zwei Jahre nach dem Ölunfall im Golf von Mexiko hat BP das Liberty-Projekt auf Eis gelegt - zumindest vorläufig. Mit dem Projekt wollte BP ein Ölfeld vor der Küste Alaskas anzapfen. Liberty war von BP nach der Deepwater Horizon-Havarie auf den Prüfstand gestellt worden.

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Eine Reuters-Meldung zitiert BP-Sprecherin Dawn Patience: Wir werden das Liberty-Projekt in seiner jetzigen Form nicht fortsetzen. Das Projekt entspricht nicht den Standards von BP. Eine 18-monatige Überprüfung des Projekts habe ergeben, dass Liberty deutlich teurer werden würde als die veranschlagten 1,5 Milliarden Dollar - und erst in einigen Jahren mit Bohrungen begonnen werden könnte. Nach den Plänen, die BP vor fünf Jahren bei zuständigen US-Behörden eingereicht hatte, sollte die Plattform bereits 2011 Bohrungen aufnehmen.

Shell: Bohrungen Anfang August?

Die katastrophalen Folgen der Deepwater Horizon-Havarie hatten BP zu der nochmaligen Überprüfung von Liberty veranlasst. Nach einem Blowout an der Ölpattform im April 2010 verursachten 780 Millionen Liter auslaufendes Öl einen der weltweit schwersten Ölunfälle aller Zeiten. Noch eineinhalb Jahre nach dem Unglück berichteten Medien, dass in der Nähe der Unglücksstelle unkontrolliert Öl austrete.

Die Liberty-Plattform sollte auf einer künstlichen Insel wenige Seemeilen vor der Küste Alaskas errichtet werden. Über eine horizontale Bohrung durch den Meeresboden wollte sich BP Zugriff auf ein ungefähr elf Kilometer entferntes Ölreservoir unter der Beaufortsee verschaffen. Man sieht: Das begehrte Öl der Arktis sorgt bei den Ölkonzernen für rekordverdächtigen Einfallsreichtum.

Während BP eine nagelneue und über 200 Millionen Dollar teure Ölplattform in den Ruhestand schickt, schleppt Konkurrent Shell Uralt-Technologie in arktische Gewässer. Ebenfalls in der Beaufortsee will Shell mit der 46 Jahre alten Bohrplattform Kulluk sein Glück versuchen. Der umgebaute Massengutfrachter Noble Discoverer soll in der benachbarten Tschuktschensee bohren; das Schiff bringt es schon auf 55 Jahre. Greenpeace-Aktivisten hatten im Februar auf der Discoverer protestiert, als diese noch im Hafen von Plymouth, Neuseeland lag.

Coup vom Eis - fürs Erste

Noch in einer Inspektion durch die US-Küstenwache befindet sich derzeit ein Shell-Versorgungsschiff, das bei der Bekämpfung von Ölunfällen in der Arktis zum Einsatz kommen würde. Bei der Untersuchung sind Mängel an Schweißnahten und beim Brandschutz festgestellt worden. Den Beginn der Bohrungen - buchstäbliche Startlöcher für einen Run auf das Öl der Arktis - hat Shell nicht zuletzt wegen dieser Probleme auf Anfang August vertagt.

Greenpeace-Ölexperte Jörg Feddern sagt zu den Bohrplänen von Shell: Bei dem Equipment, mit dem Shell in der Arktis nach Öl bohren will, sind Ölunfälle vorprogrammiert. Shell hat aus dem Deepwater Horizon-Desaster rein gar nichts gelernt. Dass BP langristig auf Bohrungen in der Beaufortsee verzichtet, ist ebenfalls fragwürdig. Der Sprecher einer zuständigen US-Behörde ließ verlauten, BP habe neue Pläne bereits in Aussicht gestellt.

Unterstützen Sie Greenpeace und unterzeichnen Sie die Petition für ein internationales Schutzgebiet rund um den Nordpol und für Verbote von Ölförderung und industrieller Fischerei in arktischen Gewässern unter www.savethearctic.org.

Publikationen

Ein Jahr nach Deepwater Horizon

Greenpeace - Ölexperte Jörg Feddern machte sich ein Jahr nach dem "Deepwater Horizon" - Unglück auf den Weg in die USA um dort die Folgen zu dokumentieren.
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