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Protest an sechs russischen Vertretungen

Bundesweiter Protest für die Arctic 30

In Deutschland verlesen Greenpeace-Aktivisten heute vor sechs Vertretungen Russlands die Namen der in Murmansk inhaftierten Arctic Sunrise-Aktivisten und fordern damit ihre sofortige Freilassung. Die Aktionen finden in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Leipzig, Bonn und München statt - eine Woche vor Beginn einer von den Niederlanden initiierten Anhörung am Internationalen Seegerichtshof (ITLOS).

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Die Niederlande haben als Flaggenstaat der Arctic Sunrise am ITLOS in Hamburg einen Antrag gegen Russland gestellt, das in Murmansk festgesetzte Schiff und die Arctic 30 freizulassen. Russland erkennt allerdings die Zuständigkeit des Gerichts nicht an. "Es kann kein Verbrechen sein, friedlich und gewaltfrei gegen die Zerstörung der Arktis zu protestieren und die Schuldigen beim Namen zu nennen", sagt Christoph Lieven, Sprecher von Greenpeace. "Genauso sehen das Millionen von Menschen weltweit, die uns in unserem Kampf zum Schutz der Arktis unterstützen!"

In Hamburg verzierten Greenpeace-Aktivisten vor der Verlesung der Namen den Fußweg vor dem russischen Konsulat mit einem sogenannten "Clean Graffiti" und der Forderung: "Lasst unsere Aktivisten frei!"

Französische Regierung will Stellung beziehen

Nachdem bereits Angela Merkel und die brasilianische Präsidentin Dilma Roussef bei Russlands Präsident Wladimir Putin eine Lösung des Konflikts um die Arctic 30 angemahnt hatten, positioniert sich nun auch die französische Regierung. "Frankreich hofft auf eine möglichst schnelle Freilassung der Aktivisten", zitiert die französische Zeitung "Les Echos" das Büro des Ministerpräsidenten Jean-Marc Ayrault, der am Mittwoch zu einer mehrtägigen Russland-Reise aufbricht. Den Fall der Arctic 30 werde Ayrault bei seinen Gesprächen mit Ministerpräsident Dmitri Medwedew am Donnerstag sowie mit Wladimir Putin am Freitag besprechen.

Am vergangenen Samstag hatten zwei französische Greenpeace-Aktivisten am Eiffelturm für die Freilassung der 30 Besatzungsmitglieder der Arctic Sunrise protestiert.

Weltweiter Protest

Weltweit wächst die Unterstützung für die inhaftierten Umweltschützer: Bei einer Plenarsitzung des EU-Parlaments äußerten Abgeordnete fraktionsübergreifend Kritik an den Anschuldigungen gegen die Besatzung der Arctic Sunrise. Elf Träger des Friedensnobelpreises - unter ihnen Erzbischof Desmond Tutu - haben in einem Brief an den russischen Präsidenten Wladimir Putin ihre Unterstützung für die Arctic 30 zum Ausdruck gebracht.

Greenpeace-Aktivisten hatten am 18. September friedlich an der Prirazlomnaya-Plattform des russischen Energiekonzerns Gazprom gegen Ölbohrungen in der Arktis protestiert. Einen Tag danach war das Greenpeace-Aktionsschiff Arctic Sunrise von der Küstenwache in der ausschließlichen Wirtschaftszone geentert und nach Murmansk geschleppt worden. Die Anklage gegen die dreißigköpfge Arctic Sunrise-Crew – darunter auch zwei freie Journalisten - lautete zunächst auf Piraterie und wurde inzwischen auf "Rowdytum" geändert. Bei einer Verurteilung drohen den Umweltschützern bis zu sieben Jahre Haft.

Im Internet gibt es die Möglichkeit, die Gefangenen mit einer Unterschrift zu unterstützen. Unter bit.ly/freethearctic30 können Sie eine Protestmail an die russische Botschaft senden. Insgesamt haben weltweit bisher knapp 1,8 Millionen Menschen eine Protestmail für die inhaftierten Aktivisten verschickt.

Zum Weiterlesen:

Protest für die Arctic 30 am Eiffelturm

Russische Behörde erhebt Anklage wegen Rowdytums

EU-Parlament stellt sich hinter die "Arctic 30"

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