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OSPAR Offshore-Industrieausschuss berät über Arktisschutz

Arktisschutz beginnt in Bonn

Eine Eisbärin schaut ganz genau hin: Wird die Arktis ausreichend geschützt? Darüber beraten in Bonn die Delegierten des OSPAR Offshore-Industrieausschusses.

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Wenn sie wollten, könnten sie die Arktis schützen. Aber wollen sie das überhaupt? Die lebensechte Greenpeace-Eisbärin Paula geht heute in Bonn der Frage nach, ob die OSPAR-Konferenz künftig den Schutz oder die Ausbeutung der Arktis in das Zentrum ihrer Politik stellt.

Denn im Bonner Bundesministerium für Umwelt und Verbraucherschutz treffen sich die Delegierten des OSPAR Offshore-Industrieausschusses (OIC). Die Abgesandten wollen dort über Öl- und Gasabbau in den arktischen Gewässern der OSPAR-Region diskutieren. Doch worum geht es dabei genau?

OSPAR – Schutzpatronin der Meere?

Vor rund 45 Jahren wurden in Oslo und etwas später auch in Paris Verträge zum Schutz der Nordsee und des Nordostatlantiks geschlossen. 1992 besiegelten die beteiligten Staaten (Belgien, Deutschland, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Island, Luxemburg, Norwegen, die Niederlande, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Europäische Union) dann die OSPAR (Oslo/Paris) Konvention.

Seitdem ist die OSPAR für alles zuständig, was in die Nordsee oder den Nordostatlantik eingeleitet, darin versenkt oder auf andere Weise eingebracht werden soll. Dazu gehören auch Bohrinseln.

Viel Nachholbedarf in Sachen Meeresschutz

Die OSPAR ist das einzige internationale Abkommen, das Teile der Arktis abdeckt. Es gilt von der südlichsten Spitze Spaniens bis zum Nordpol. Das heißt, dass die OSPAR-Vertragsstaaten die Möglichkeit haben, Meeresgebiete in der Arktis zu schützen, selbst wenn sie außerhalb der nationalen Gewässer liegen. Bislang hat die OSPAR dabei jedoch versagt - sie hat einfach nichts unternommen. Das könnte sich jedoch in diesem Jahr ändern.

So liegt es an den OSPAR-Vertragsstaaten, das erste Stück des von Greenpeace geforderten Schutzgebietes in der Arktis einzurichten. Und obwohl dieses Gebiet nur einen Bruchteil der eisbedeckten arktischen Gewässer beinhaltet, wäre es ein richtungsweisender Schritt für die OSPAR-Staaten, ihren Verpflichtungen zum Schutz der Arktis endlich nachzukommen.

Rund 40 Prozent der Meeresgebiete, die unter die OSPAR-Konvention fallen, liegen in der Arktis. Deswegen ist Greenpeace überzeugt, dass die Konvention eine besondere Verantwortung, aber auch eine Chance zum Schutz dieser Gewässer vor industrieller Nutzung bedeutet.

Neue Regeln für Öl- und Gasförderung?

Und Schutz hat die Arktis dringend nötig. Die Risiken von Ölbohrungen in arktischen Gewässern unter extremen Witterungsbedingungen sind verheerend. Bis heute gibt es kein Verfahren, mit dem bei einem möglichen Ölunfall das Öl aus dem eisbedeckten Meer wieder entfernt werden könnte. Angesichts dieser Risiken befasste sich der Offshore-Industrieausschuss bereits im vergangenen Jahr mit dem Thema. Jedoch mit einem Ergebnis, das dem eigentlichen Sinn der OSPAR-Konvention entgegenläuft.

Der OIC entschied 2014, dass es keiner zusätzlichen Regeln für Öl- und Gasförderungen in arktischen Gewässern bedürfe. Zum Glück unterstützte die OSPAR-Kommission diese Schlussfolgerungen des OICs nicht, sondern beschloss, weiter zu beobachten, ob neue Regularien in Zukunft nötig werden.

Jetzt hat der OIC also erneut die Chance, dem guten Ruf der OSPAR-Konvention gerecht zu werden. Dazu muss er zum einen die Sensibilität der OSPAR-Region I (Arktis) sowie den besonderen Handlungsbedarf dort anerkennen. Zum anderen muss er Gebiete innerhalb der OSPAR-Konvention ausweisen, in denen die Ölförderung verboten wird. Denn in vielen dieser Gewässer beständen anderenfalls besonders hohe Risiken für die sensible Umwelt.

Eisbärin Paula wird den Delegierten auf die Finger schauen.

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