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Arktisches Meereis schmilzt schnell

Wenn man wissenschaftliche Nachrichten zum Thema Klimawandel verfolgt, liest man darin nur allzu häufig die Formulierung schneller als erwartet. Schneller als in den Prognosen des Weltklimarates schmilzt auch das arktische Meereis. Am zehnten September 2010 war es auf bloße 4,76 Millionen Quadratkilometer und damit auf sein wahrscheinliches Minimum im diesjährigen arktischen Sommer geschrumpft. Dies teilte das amerikanische National Snow and Ice Data Center mit.

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Die Ausdehnung des Eises nimmt mindestens seit den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts ab. Im letzten Jahrzehnt hat sich der Schmelzprozess stark beschleunigt. Besonders deutlich wurde dies in den letzten vier Jahren sichtbar: Im Zuge der Rekordschmelze des Sommers 2007 schrumpfte die Fläche des Meereises auf 4,28 Millionen Quadratkilometer. Damit betrug die Ausdehnung zum ersten Mal seit Beginn der Satellitenmessungen im Jahr 1979 weniger als fünf Millionen Quadratkilometer.

Seither sank die Eisfläche auch im Jahr 2008 sowie im aktuellen Jahr unter die Fünfmillionenmarke. Das diesjährige Minimum ist das drittniedrigste seit Beginn der Messungen. Ebenfalls bemerkenswert: Das Meereis hat diese alarmierend geringe Ausdehnung in besonders kurzer Zeit erreicht. Nach einem langen arktischen Winter begann die Schmelzsaison dieses Jahr spät, verlief dann aber umso dramatischer.

Das Abschmelzen des arktischen Meereises ist nicht nur eine Folge, sondern auch ein verstärkender Faktor des Klimawandels. Durch seine weiße Farbe reflektiert das Eis 80 Prozent der Sonneneinstrahlung und hilft so, das arktische Klima zu regulieren. Das Meer, das durch das schmelzende Eis freigegeben wird, nimmt hingegen 90 Prozent der Sonneneinstrahlung und damit deren Wärmeenergie auf. So wärmen sich die arktischen Gewässer stärker auf und das Eis schmilzt noch schneller - der Prozess verstärkt sich selbst.

Ein weiterer Grund zur Sorge: wenn das Wasser des arktischen Meers immer wärmer wird, beginnt irgendwann auch der Meeresboden zu tauen. Dort sind große Mengen von Methan in gefrorener Form gebunden. Wenn dieses Methan auftaut, steigt es an die Wasseroberfläche und entweicht in die Atmosphäre. Methan hat eine viel stärkere Treibhauswirkung als CO2. Auch hier lauert also ein weiterer verstärkender Faktor.

Immer mehr Anzeichen deuten darauf hin, dass der Klimawandel schneller und extremer verläuft als bisher erwartet. Viele Veränderungen sind bereits jetzt nicht mehr zu stoppen, sondern können nur noch abgeschwächt werden. Und auch das erfordert entschiedenes politisches Handeln - und eine schnelle Umstellung auf Erneuerbare Energien. Es ist höchste Zeit für einen Ausstieg aus fossilen Energieträgern und dem Innovationsverhinderer Atomenergie.

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