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Arktischer Rat unter Druck

Heute tagen im Rahmen des Treffens des Arktischen Rates die Außenminister von Russland, Schweden, Dänemark, Kanada, Norwegen, Finnland und der USA in Nuuk auf Grönland. Die Arktis steht unter immensem Druck durch die Auswirkungen des Klimawandels, die Versauerung der Ozeane und der Umweltverschmutzung.

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Während ihr einzigartiges Ökosystem rasche und dramatische Veränderungen zeigt, verliert sich der Arktische Rat in Diskussionen und ist nicht fähig seine eigenen Worte in die Praxis umzusetzen. Greenpeace fordert den Arktischen Rat auf endlich aktiv zu werden und die Arktis vor den Gefahren durch Schifffahrt, Ölförderung, Grundschleppnetz-Fischerei, Überfischung und anderen zerstörerischen Nutzungen wirkungsvoll zu schützen.

Die Arktis ist in Gefahr

Die Fläche des Arktischen Ozeans, die im Sommer mit Meereis bedeckt ist, war letztes Jahr um 31 Prozent kleiner als im Durchschnitt in den Jahren 1979 bis 2000. Dies entspricht einer Fläche, die zwei Mal so groß ist wie Norwegen, Schweden und Dänemark zusammen. Ein Lebensraum der z.B. Eisbären verloren geht - und ein gefährlicher Abwärtstrend.

Neben dem Verlust des Meereises, zeigt sich in der Arktis auch eine stark zunehmende Gletscherschmelze und ein Auftauen des Permafrostbodens in der Tundra. Daher sind die aktuellen Schätzungen des Internationalen Weltklimarates IPCC zum Meeresspiegelanstieg dreimal so hoch wie Vorherige.

Das schmelzende Meereises bringt nicht nur Probleme für die Eisbären, die auf seine Existenz angewiesen sind, sondern für die gesamte arktische Region. Es werden Gebiete freigelegt, die bisher unzugänglich waren. Und so rückt die Öl- und Fischindustrie bereits in diese Gebiete vor. Reeder ändern die Schifffahrtsrouten von Fracht- und Kreuzfahrtschiffen und der Druck auf das sensible und einzigartige Ökosystem steigt.

Handeln ist notwendig

Seit der Erklärung von Nuuk 1993 haben die Mitglieder des Arktischen Rates eine Reihe von Maßnahmen zum Schutz der Arktis vereinbart. Leider wurden diese nie umgesetzt, obwohl die Arbeitsgruppen des Rates die Beweise für die schnellen und dramatischen Veränderungen in der Arktis jährlich durch ihre wissenschaftlichen Veröffentlichungen liefern.

Hinzu kommt, dass viele der Arktis-Anrainerstaaten die wichtigsten multilateralen Abkommen, die Bedeutung für die Arktis haben - wie die Konvention zu Umweltverträglichkeitsprüfungen (ESPOO), das UN Seerechtsübereinkommen (UNCLOS), die Konvention zur Biologischen Vielfalt (CBD) u. a. - nicht ratifiziert haben. Die Richtlinien des Arktischen Rates für Öl und Gas sind nicht verpflichtend und zudem fehlt es an Präzision. Gleiches gilt für den Polar-Code der Internationalen Maritimen Organisation (IMO).

All dies zeigt: Es fehlt der rechtliche Rahmen für den Schutz der Arktis, den sie so dringend braucht!

Es droht der Raubbau der Arktis

Statt sie zu schützen, werden in diesem Sommer vier Bohrungen entlang der Westküste Grönlands durchgeführt, die mindestens 9.000 Tonnen Chemikalien freisetzen werden. Diese Bohrungen gehen bis auf 1.500 Meter Tiefe und sind bis Ende November geplant, wo das Risiko eines Unfalles durch treibendes Meereis massiv steigt.

Das Fehlen einer starken Regelung in der Arktis öffnet die Tür für eine Ausbeutung, die ohne Umwelt- und Sicherheitsstandards stattfindet. Der Arktische Rat muss endlich seinen Worten auch Taten folgen lassen und die Arktis schützen.

Sonst werden andere das Zepter übernehmen. Und zwar die, die kein Interesse an einem Schutz der Arktis, sondern an ihrer Ausbeutung haben. Namentlich sind das die fünf Anreinerstaaten Russland, Norwegen, Dänemark/Grönland, Kanada und die USA. Bereits zwei Treffen haben diese Staaten unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit und aller anderen Interessensgruppen der Arktis durchgeführt - ein exklusiver Kreis, der den Arktischen Ozean unter sich aufteilen möchte.

Der Arktische Ozean ist ein Gemeingut von uns allen und nicht ein Kuchen, den sich einige wenige Nationen aufteilen können, sagt Dr. Iris Menn, Meeresexpertin bei Greenpeace. Wenn der Arktische Rat nicht endlich eine starke und glaubwürdige Führung zum Schutz der Arktis übernimmt, wird es nicht mehr aufzuhalten sein, dass andere das Ruder in die Hand nehmen und der Ausbeutung damit freien Lauf gegeben wird.

Greenpeace fordert den Arktischen Rat auf:

  • Ein Sofortverbot (Moratorium) für alle industriellen Nutzungen in dem Bereich des arktischen Ozeans, der bisher von Eis bedeckt war, anzuordnen.
  • Alle neuen offshore Öl- und Gasförderungen in der Arktis zu stoppen.
  • Den IMO Polar-Code verpflichtend zu machen.

 

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