OSPAR-Delegierte berieten in London über Arktisschutz

Arktis-Geschichte schreiben

In London trafen sich die Delegierten der OSPAR-Konvention, um über den Schutz der Arktis zu beraten. Mit dabei: Ein Eisbär, der die Bewahrung seiner Heimat fordert.

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Damit hatten die Delegierten des OSPAR-Koordinationstreffens sicher nicht gerechnet: Als sie an ihrem Tagungsort eintrafen, wurden sie von einer jubelnden Menge begrüßt – und von Paula, der lebensechten Greenpeace-Eisbärin. Deren Botschaft: Die OSPAR-Delegierten können zu Helden werden und Arktis-Geschichte schreiben!

Denn auf deren Verhandlungsplan standen zwei Arktis-Tagesordnungspunkte: Das „Arctic Ice“-Hochseeschutzgebiet sowie ein Aktionsplan für die arktischen Gewässer im Geltungsbereich der OSPAR. Für den Arktisschutz elementare Themen also, und die beratschlagten die Delegierten auf diesem Vorbereitungstreffen vor der jährlichen Zusammenkunft der OSPAR-Kommission, die in diesem Jahr Ende Juni in Belgien stattfinden wird.

Kleines Abkommen, große Wirkung

Die OSPAR-Konvention (für Oslo und Paris, die Abschlussorte des Vertrages) ist das Abkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks. Es ist ein kleines, relativ unbekanntes Abkommen, das aber große Durchschlagskraft haben kann. So beschlossen beispielsweise die Vertragsstaaten der OSPAR 1998 ein generelles Versenkungsverbot für stillgelegte Offshore-Anlagen wie etwa Ölplattformen im Nordostatlantik.

Der Geltungsbereich der OSPAR-Konvention reicht von der Südspitze Spaniens bis zum Nordpol. Rund 40 Prozent der in diesen Bereich fallenden Gewässer liegen in der Arktis. Damit ist die OSPAR das einzige internationale Abkommen, das Teile der Arktis abdeckt. Und genau das ist die große Chance der OSPAR: Die Vertragsstaaten können Meeresgebiete schützen, die außerhalb der nationalen Gewässer liegen – Gebiete auf hoher See also.

Das sie das auch tatsächlich tun, haben sie bereits in den vergangenen Jahren bewiesen: Zwischen 2010 und 2012 hat die OSPAR sieben Hochseeschutzgebiete eingerichtet, die die ökologisch besonders wertvollen Meeresräume auf dem mittelatlantischen Rücken sichern sollen. Diese sieben Bereiche bilden das weltweit erste Netzwerk von Hochseeschutzgebieten. Auch wenn es leider bislang an einer effektiven Kontrolle dieser Räume mangelt, war das ein erster bedeutender Schritt.

Das erste Stück vom „Kuchen“

Das gleiche könnte die OSPAR nun für die Arktis beschließen: Das „Arctic Ice“-Hochseeschutzgebiet, über das die OSPAR-Delegierten derzeit verhandeln, würde knapp zehn Prozent des Arktisschutzgebietes umfassen, das Greenpeace gemeinsam mit fast sieben Millionen Arktisschützern fordert. Das erste Stück vom Kuchen, sozusagen. Und obwohl dieses Gebiet nur einen Bruchteil der eisbedeckten arktischen Gewässer beinhaltet, wäre es ein richtungsweisender Schritt für die OSPAR-Staaten, ihren Verpflichtungen zum Schutz der Arktis endlich nachzukommen.

Doch Greenpeace, die Arktisschützer und Eisbärin Paula fordern darüber hinaus, dass die OSPAR einen Aktionsplan für die restlichen arktische Gewässer entwickelt, die in den Geltungsbereich der Konvention fallen. Dieser muss anerkennen, dass in dieser Region besondere Bedingungen herrschen und hier entsprechend strengere Regelungen für jegliche industrielle Nutzungen gelten müssen. Vor allem die Gebiete, die historisch dauerhaft mit Eis bedeckt waren und es partiell noch sind, sind besonders verletzlich. Sie sind in großen Teilen nicht kartographisch erfasst und wissenschaftlich noch nicht ausreichend erforscht.

Aus diesen Gründen ist hier zunächst ein Sofortverbot für industrielle Nutzungen nötig, um Zeit für weitere Forschungen zu gewinnen und Schutzregelungen zu entwickeln. Generell muss die Ölförderung in arktischen Gewässern verboten werden, da die Risiken in diesen sensiblen Gebieten zu groß sind.

Arktis-Schutzgebiet: Abstimmung wohl erst im kommenden Jahr

Bei ihrem Treffen in dieser Woche bereiteten sich die Delegierten auf die Zusammenkunft der OSPAR-Kommission Ende Juni vor. Dort werden dann die großen Entscheidungen gefällt. Durch Bedenken von Norwegen, Dänemark und Island wird das Arktis-Meeresschutzgebiet wohl leider erst im nächsten Jahr zur Abstimmung kommen.

Bei ihrem Kommissionstreffen muss die OSPAR dennoch wichtige Schritte einleiten, damit das Schutzgebiet im kommenden Jahr erfolgreich verabschiedet werden kann. Immerhin haben sich die Delegierten in London zu diesem Weg bekannt und sowohl das Schutzgebiet als auch den Aktionsplan auf die Tagesordnung für das Treffen in Belgien gesetzt. Dort müssen dann konkrete Maßnahmen beschlossen werden. Die OSPAR-Delegierten haben es in ihrer Hand, Arktis-Geschichte zu schreiben. 

OSPAR-Region I „Arktische Gewässer“ und das geforderte „Arctic Ice“-Schutzgebiet (Rot)

Publikationen

Was ist die OSPAR?

Ein Überblick über das Abkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordost-Atlantiks

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