Protest-Brief an die MIBRAG

Vattenfall will sich in der Lausitz aus der Verantwortung stehlen, indem der Konzern sein Braunkohlegeschäft verkauft. Zurzeit gibt es nur zwei Interessenten aus Tschechien - einer davon ist der Energiekonzern EPH. Seine deutsche Tochter Mibrag, die bereits Braunkohlekraftwerke und Tagebaue in Deutschland unterhält, würde dann das Braunkohlegeschäft von Vattenfall weiterführen. Ein solcher Verkauf schönt vielleicht die Umweltbilanz von Vattenfall - für das Klima, die Umwelt und die betroffenen Menschen in der Region aber bringt er rein gar nichts! Der neue Eigner würde die Pläne für weitere Tagebaue fortführen und noch über Jahrzehnte hinaus Braunkohle verbrennen, den schmutzigsten aller fossilen Energieträger.

Um das zu verhindern, müssen wir den potenziellen Käufern klar machen, dass sie dabei sind, einen großen Fehler zu machen. Wir müssen dem Mibrag-Chef Joachim Geisler deshalb jetzt in persönlichen Briefen deutlich sagen, dass ein Einstieg in der Lausitz gesellschaftlich nicht gewollt, wirtschaftlich riskant und politisch höchst unsicher ist.  

Schreibt euren Brief an

Dr. Joachim Geisler, Vorsitzender der Geschäftsführung 
Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH
Glück-Auf-Straße 1
06711 Zeitz

Für den Erfolg unserer Kampagne ist es wichtig zu wissen, wie viele von euch mitgemacht haben, was ihr an die Mibrag geschrieben habt und was euch die Mibrag geantwortet hat. Bitte informiert uns per Mail an greenaction@greenpeace.de:

Vielen Dank für eure Unterstützung.

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Hier findet ihr Argumentationshilfen und Hintergründe für euren Brief: 

Kohle ist ein Auslaufmodell

Es gibt nichts daran zu rütteln: Fossile Energie, allen voran die Kohle, sind die Hauptursache des menschgemachten Klimawandels. Um diesen zu bremsen, müssen wir rasch weniger Kohle, Öl und Gas verbrennen. Diese Erkenntnis ist heute so akzeptiert, dass sich beim jüngsten G7-Gipfel sogar die führenden Industrienationen zu einem schrittweisen Kohleausstieg bekannt haben. Inzwischen wissen wir sogar, wie wenig Kohle wir noch verbrennen würden: Um den Temperaturanstieg unter der kritischen Grenze von 2 Grad zu halten, müssen nach Ansicht von Klimawissenschaftlern mehr als 80 Prozent der bekannten Kohlevorräte im Boden bleiben. Weil Deutschland dabei keine Ausnahme bilden darf, fordert Bundesumweltministerin Barbara Hendrix ein Kohleausstieg innerhalb der kommenden 25 Jahre. Eine Entwicklung, auf die sich auch der Chef des Energiekonzerns Vattenfall, Magnus Hall, eingestellt hat. „Die Arbeitsplätze im Tagebau werden früher oder später verschwinden“, sagte Hall erst im Frühjahr. Wer kauft ein Geschäft, das längst angezählt ist?

Mit Braunkohle lässt sich immer weniger Geld verdienen

Lange war die Kombination aus Braunkohletagebau und Kraftwerk für die Betreiber eine Lizenz zum Geld drucken. Doch je mehr sauberen Strom Windräder und Solardächer produzieren, desto unwirtschaftlicher wird das Geschäft. Längst schreiben Kohlekonzerne wie RWE oder Vattenfall Milliarden auf ihre Kraftwerke ab, weil sie weit weniger Stunden im Jahr laufen werden, als ursprünglich kalkuliert. Besserung, das räumt selbst Vattenfall ein, ist nicht in Sicht. Anleger machen inzwischen einen Bogen um Kohlekonzerne. Der Aktienkurs von RWE etwa hat sich seit Beginn des Jahres halbiert.

Den schrittweisen Niedergang der Branche  bekommen längst auch Kommunen und Städte zu spüren. In der Lausitz etwa fordert Vattenfall im Voraus gezahlte Gewerbesteuer für das Jahr 2014 komplett zurück, für das Jahr 2015 werden die Zahlungen deutlich geringer ausfallen. Mit den politischen Maßnahmen, wie sie erst jetzt mit der so genannten Kapazitätsreserve für Braunkohlekraftwerke geplant sind, hat das nichts zu tun. Die würde erst 2017 in Kraft treten. 

Braunkohle birgt unkalkulierbare Umweltrisiken

Die Braune Spree hat das Phänomen der Verockerung zu trauriger bundesweiter Bekanntheit gebracht. Dabei färbt oxidiertes Eisen, das aus den Kippen der Tagebaue ins Grund- und Oberflächenwasser gelangen, Flüsse und Bäche rostrot. Der resultierende Sauerstoffmangel der verockerten Flüsse, tötet Fische, Krebse und andere Wassertiere, die Gewässer sterben ab. Auch wenn der Eisenschlamm für Menschen ungefährlich ist, leiden die Tourismusbetriebe im Spreewald schon seit Jahren darunter. Ein anderer Stoff aus den Tagebauen, der auch Folgen für den Menschen hat ist Sulfat. Dessen Konzentration in der Spree hat inzwischen so kritische Werte erreicht, dass Wasserwerke sich inzwischen weigern, Spreewasser aufzubereiten. Das brisante daran: Nicht wie lange behauptet die schon geschlossenen DDR-Tagebaue sind dafür verantwortlich, sondern ganz überwiegend die aktiven Tagebaue von Vattenfall. Ein neuer Eigner dieses Geschäfts müsste sich also darauf einstellen, dass die Menschen im Großraum Berlin sehr genau erklärt bekommen wollen, wie der Käufer die Qualität des Trinkwassers garantieren möchte.

Braunkohlekraftwerke passen nicht zu Deutschlands langfristigen Klimaschutzzielen

Deutschland hat sich einen Fahrplan beim Klimaschutz gegeben. Bis zum Jahr 2020 soll der Ausstoß von Treibhausgasen um 40 Prozent verglichen mit 1990 sinken, bis 2030 um 55 Prozent, bis 2040 um 70 Prozent. Bis zum Jahr 2050 will Deutschland, so wie auch ganz Europa, 80 bis 95 Prozent weniger CO2 ausstoßen. Dabei kommt dem Energiesektor als mit Abstand größten CO2-Produzenten eine besondere Verantwortung zu, birgt er doch die größten Potenziale. Werden die bisherigen Eckpunkte des Klimaaktionsprogramms 2020 wie geplant beschlossen, kommt die Braunkohlebranche zwar in den kommenden vier Jahren beim Einsparen von CO2 glimpflicher davon als ursprünglich erwartet, allerdings wird sie danach umso mehr in der Pflicht stehen, ihren CO2-Ausstoß rasch zu senken. Während sich die Kraftwerksbetreiber zuletzt mit Händen und Füßen dagegen wehrten, zusätzliche 22 Millionen Tonnen CO2 einzusparen, werden im Jahrzehnt 2020 bis 2030 laut Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) weitere 200 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden müssen – davon der Löwenanteil durch den Stromsektor. Wer würde mit dieser Aussicht viel Geld in die Hand nehmen, um ein Geschäft wie Vattenfalls Braunkohlesparte zu kaufen, das zuletzt für 60 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr verantwortlich war?