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Haltungskennzeichnung und Tierschutzlabel in Deutschland: Anforderungen und Entwicklungsperspektiven

Greenpeace hat Prof. Achim Spiller von der Universität Göttingen beauftragt, Tierschutzkennzeichnungen, bzw. Labels auf Fleischprodukten in Deutschland, den Niederlanden und Dänemark zu analysieren. In diesem Gutachten beleuchtet er Vor- und Nachteile verschiedener Kennzeichnungssysteme für die Tierhaltung.

Deutschland ist im Vergleich zu seinen Nachbarländern bei der Kennzeichnung von Fleisch stark im Verzug; man streitet politisch: Trägt ein freiwilliges Tierschutzlabel oder eine Verpflichtung zur Kennzeichnung der Tierhaltungsform besser zum Tierschutz in der Landwirtschaft bei? Das Gutachten macht deutlich, dass dies nicht die wichtigste Frage ist.

Bei Eiern hat die verpflichtende Kennzeichnung die tierfreundlichen Haltungsformen vorangebracht. In den Niederlanden ist ein für die Unternehmen freiwilliges Zeichen bei Fleisch ähnlich erfolgreich. Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile. Greenpeace setzt sich weiterhin für eine verpflichtende staatliche Kennzeichnung ein, da die Verbraucher über ein freiwilliges Label nicht flächendeckend informiert werden, welche Tierhaltung den jeweiligen Lebensmitteln zu Grunde liegt.

Entscheidend ist aber, dass der Staat das Label umfassend fördert und nicht nur ein neues Zeichen schafft, das keiner kennt. Deshalb sollte er großzügig in eine Informationskampagne für das neue Zeichen investieren und noch mehr Geld für begleitende Tierschutzinvestitionen in der Landwirtschaft ausgeben. Wichtig ist, dass möglichst viele Tiere von Tierschutzmaßnahmen profitieren.

Zwar haben einige große Lebensmittelhändler kürzlich mit sogenannten Haltungskompassen und eigenen Label-Programmen die Orientierung für die Verbraucher etwas verbessert. Doch ohne staatliche Regulierung droht hier ein Kennzeichnungs- und Label-Chaos. Das sollte der Staat nun beenden: Mit der Vorstellung und Bewerbung klarer Anforderungskriterien – damit die Verbraucher die Unterschiede zwischen verschiedenen Label-Stufen erkennen.

Denn weil die Tierhaltung in Deutschland weit von dem entfernt ist, was sich die meisten Menschen wünschen, müssen die Verbraucher bereit sein, bei der ersten Stufe eines Labels Kompromisse zu machen. Die zweite Stufe sollte Ställe auszeichnen, in denen die Tiere Freilauf und genügend Platz haben, Stufe drei ist etwa bei Schweinen eine Tierhaltung mit Stroh und Auslauf.

Die Prüfung des Tierwohls sollte nicht zu bürokratisch sein, sondern wirklich hinschauen, wie es den Tieren geht. Zudem muss sichergestellt werden, dass das Betrugsrisiko so gering wie möglich gehalten wird. Offen ist, wer dieses Labelsystem insgesamt betreiben soll.

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