Presseerklärung

Greenpeace-Proben von Saatgut zeigen, wie gefährlich der Einsatz von verbotenen Pestiziden ist

Tödliche Gefahr für Insekten

Hamburg, 9. 6. 2021- Die Agrarminister:innen der Länder beraten am Freitag über Maßnahmen zum Schutz von Insekten. Immer wieder hatten Teile von CDU/CSU auf Druck des Bauernverbandes Abstimmungen torpediert. Eine besonders problematische Lücke wird aber weiter bestehen: die Möglichkeit der Sonderzulassung für nachweislich bienengefährdende Pestizide in großem Umfang.

Wozu das führt, zeigt eine Stichprobe von Greenpeace-Aktiven auf Zuckerrüben-Äckern in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Auf acht der neun zufällig ausgewählten Standorte fanden sie mit Hilfe von Laboranalysen mit Thiamethoxam gebeiztes Saatgut, also Saatgut, das vorsorglich mit Pestiziden behandelt wurde. (alle Ergebnisse: https://bit.ly/3z8uzcN). „Das Insektensterben hat dramatische Züge angenommen und dennoch durften Bäuerinnen und Bauern in diesem Jahr auf zigtausenden Äckern in Deutschland besonders gefährliche Pestizide ausbringen“, sagt Christiane Huxdorff, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace.  „Das muss die Politik ändern.“

Auf insgesamt 126.900 Hektar in Deutschland landete mit Thiamethoxam gebeiztes Zuckerrüben-Saatgut. Einen Teil dieses bienengefährdenden Neonicotinoids nimmt die Zuckerrübenpflanze auf. Ein erheblicher Anteil verbleibt aber im Boden. „Die Wirkung ist so heftig, dass selbst im kommenden Jahr dort keine Pflanzen blühen sollen“, so Huxdorff. Das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat daher für die Flächen, die mit dem Gift behandelt wurden, ein Blühverbot erlassen. Es gilt für das Jahr der Ausbringung und das Folgejahr.

Verbote der EU werden in Deutschland außer Kraft gesetzt

Das Vorgehen widerspricht dem Anspruch des integrierten Pflanzenschutzes, nachdem erst gespritzt wird, wenn Schädlinge die Pflanzen bedrohen und nicht vorbeugend. Besonders problematisch: Ein Teil des Saatguts wurde in direkter Nähe zu Schutzgebieten ausgebracht. „Es ist doch pervers, einerseits mit viel Geld Blühstreifen zu finanzieren, um die Insekten zu retten, und gleichzeitig amtliche Blühverbote auszusprechen, weil man den Einsatz extrem toxischer Substanzen erlaubt hat“, sagt Huxdorff. „Wir benötigen ein umfassendes Insektenschutzpaket mit einem kompletten Verbot von biodiversitätsschädigenden Pestiziden in Schutzgebieten – ohne Sonderregelungen.“

Thiamethoxam und die ebenfalls bienengefährdenden Stoffe Clothianidin und Imidacloprid sind seit 2018 in der EU für den Einsatz auf dem Acker verboten. Doch viele EU-Länder umgehen das Verbot durch sogenannte „Notfallzulassungen“, die den zeitlich befristeten Einsatz verbotener Mittel erlaubt. In diesem Jahr gab es diese erstmals in Deutschland für das Beizen von Zuckerrüben-Saatgut.

Rückfragen

Achtung Redaktion!
Rückfragen bitte an:

Christiane Huxdorff

Agrarwende, nachhaltige Landwirtschaft, Pestizide

Phone

040-30618-358

Nina Kloeckner

Pressesprecherin: Agrarwende

Phone

0160-4339100