Presseerklärung

Greenpeace: UN muss Schleppnetzfischerei auf Hoher See verbieten

Tiefsee in Not - Gefahr für Unterwasserwildnis

Hamburg, 5. 10. 2004 – Greenpeace fordert, dass sich die UN-Generalversammlung im November 2004 für ein vorläufiges Ende (Moratorium) der Tiefseefischerei ausspricht. Die Grundschleppnetzfischerei auf hoher See zerstört unwiederbringlich einzigartige Unterwasser-Ökosysteme an den ozeanischen Tiefseebergen, den Seamounts. Diese Unterwassergebirge sind die am wenigsten erforschten Gebiete unseres Planeten. Mindestens 1.000 Meter erheben sich die Tiefseeberge vom Meeresboden. An ihnen leben viele seltene Arten, unter anderem Granatbarsche, Kaltwasserkorallen und Tiefseekalmare.

„Die Verwüstungen, die die Trawler mit ihren Schleppnetzen an den ‚Seamounts‘ anrichten, sind vergleichbar mit dem Kahlschlag in den Regenwäldern. Hier werden die letzten Schatzkammern der Meere vernichtet. Binnen Minuten zerstören die Fischer die gerade erst entdeckten Tiefsee-Korallen, die in Jahrtausenden völlig ungestört herangewachsen sind“, sagt Thomas Henningsen, Meeresexperte von Greenpeace. „Jeder Tag, der mit endlosen Diskussionen über Maßnahmen vergeht, bedeutet den Verlust eines weiteren einzigartigen Lebensraumes.“

Auf der Jagd nach Fisch durchpflügen die Fangflotten den Meeresboden mit Schleppnetzen, die durch moderne Technik bis zu 1500 Meter tief über den Grund gezogen werden. Dabei ist ihr Einsatz auf Hoher See rein wirtschaftlich gesehen nicht von Bedeutung. Der Anteil der Tiefseefischerei mit Grundschleppnetzen beträgt weniger als ein Prozent am weltweiten Fischfang. Doch der Schaden, den sie anrichtet, ist unabsehbar, denn „Seamounts“ beherbergen aussergewöhnliche Lebensformen.

Fischer aus Dänemark (Faröer-Inseln), Island, Litauen, Lettland, Estland, Russland, Spanien und Portugal sind für den Großteil der Grundschleppnetzfischerei im Nordwest-Atlantik verantwortlich.

Greenpeace setzt mit der Arbeit zum Schutz der Tiefseeberge die aktuelle Meeres-Kampagne fort. Seit Juli 2004 waren Greenpeace-Schiffe in Nord- und Ostsee unterwegs, um unter anderem auf die Überfischung aufmerksam zu machen. Zur Zeit ist das Greenpeace Schiff „MV Esperanza“ unterwegs zu den Azoren. Die dortigen Tiefseeberge gehören weltweit zu den bedrohtesten. Dennoch hat die EU die Grundschleppnetzfischerei vor den Azoren gerade wieder freigegeben. Das Forschungsschiff will die Folgen der Tiefseefischerei dokumentieren und dagegen protestieren.

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