Presseerklärung

Greenpeace: USA unterlaufen internationales Umweltabkommen zur Gentechnik

Protest an Grenze Mexikos gegen Zug mit Gen-Mais aus den USA

Mexiko, 18. 8. 2003 – Gegen einen Zug mit zum Teil genmanipuliertem Mais aus den USA haben Greenpeace-Aktivisten am Sonntag Abend fünf Stunden lang protestiert, kurz bevor er über die mexikanische Grenze fuhr. An der Brücke über den Rio Grande - den Grenzfluss zwischen den beiden Ländern - hängten sich die Aktivisten an die Radachsen des Zuges und befestigten Banner. Greenpeace wirft den USA vor, unter Berufung auf die Welthandelsorganisation (WTO) das Cartagena Protokoll über die Biologische Sicherheit (Biosafety-Protokoll) zu unterlaufen und mit den Lieferungen die Artenvielfalt des Maises sowie die Gesundheit der mexikanischen Bevölkerung zu gefährden.

Fast ein Drittel des nach Mexiko gelieferten US-Maises sind genmanipulierte Sorten des US-amerikanischen Gentechnik-Konzerns Monsanto. Dies ergaben Analysen von Maisproben eines unabhängigen Labors in den USA im Auftrag von Greenpeace. Um eine Ausbreitung in einheimische Pflanzen auszuschließen, ist in Mexiko der Anbau von Gen-Mais verboten. Doch mit den jährlich über fünf Millionen Tonnen US-Maisimporten gelangen auch keimfähige Körner in das Land. Der Mais hat sich bereits in einigen Regionen unkontrolliert ausgebreitet und bedroht die Artenvielfalt der Pflanze. Genetische Vielfalt ist jedoch notwendig, um neue, sich wechselnden Umweltbedingungen anpassende Nutzpflanzen zu züchten.

“Die Einfuhr von genmanipuliertem Mais nach Mexiko muss sofort gestoppt werden”, fordert Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin von Greenpeace. “Verunreinigen die Gen-Konzerne die Vielfalt des Maises in Mexiko, pokern sie um unsere zukünftige Ernährung." Die mexikanische Regierung hat inzwischen zugesagt, am kommenden Freitag mit Greenpeace über Maßnahmen zu verhandeln, die Mexiko unter Bezug auf das Biosafety-Protokoll treffen muss, um eine Verunreinigung des mexikanischen Maises mit Gen-Mais aus den USA zu verhindern.

Das Biosafety-Protokoll regelt den internationalen Handel landwirtschaftlicher Gen-Produkte. Es verpflichtet die Unterzeichner-Länder, schädliche Auswirkungen genmanipulierter Organismen auf die Artenvielfalt zu verhindern. Es ermöglicht mit Berufung auf das Vorsorgeprinzip, den Import genmanipulierter Organismen zu verbieten. Das im Januar 2000 ausgehandelte Biosafety-Protokoll ist eines von mehreren internationalen Umweltabkommen, die durch die Freihandelsregeln der WTO gefährdet sind.

“Die USA missbrauchen die WTO, um die Produkte ihrer Gentech-Industrie weltweit zu vermarkten und das Biosafety-Protokoll zu sabotieren”, sagt Brendel. “Auch der aktuelle Gentechnik-Streitfall zwischen den USA und der EU zeigt, dass die WTO den USA dazu dienen soll, die Gentechnik per Zwangverordnung durchzusetzen." Seit 1998 lässt die EU keine neuen Gen-Pflanzen mehr für den Anbau zu. Die USA sehen das de-facto Moratorium der EU als Handelshemmnis. Greenpeace fordert von der WTO-Konferenz, die vom 10.-14. September 2003 in Cancún/Mexiko stattfindet, dass die Welthandelsorganisation internationale Umweltabkommen wie das Biosafety-Protokoll endlich anerkennt.

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