Presseerklärung

Blumen aus Nordrhein-Westfalen mit verbotenem Wirkstoff belastet

Pestizidbad für Tulpen

Hamburg, 02.02.2007 - Bei Recherchen über den Einsatz illegaler Pestizide ist Greenpeace in Nordrhein-Westfalen auf einen neuen Fall gestoßen. Bei Untersuchungen von Topftulpen aus Düsseldorf und Meerbusch fand das von Greenpeace beauftragte Labor den Wachstumshemmer Paclobutrazol. In Deutschland ist das umweltgefährdende Gift weder bei der Erzeugung von Obst und Gemüse noch bei Blumen zugelassen. Ob und welche Gefahr für Menschen besteht, die in Kontakt mit dem Mittel und den behandelten Tulpen kommen, ist auf Basis der verfügbaren Daten unklar. Der Wirkstoff kann über den Müll oder Kompost in die Umwelt gelangen.

"Das verbotene Pestizid setzen Blumenerzeuger anscheinend in größerem Umfang ein, um die Tulpen kurzstielig zu halten", sagt Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. "Wir haben Spitzenwerte bei Tulpen gefunden, die nur durch ein Bad in dem Pestizid erreicht werden können. Das ist kein Kavaliersdelikt. Wir fordern, den Einsatz illegaler Pestizide als Straftat zu ahnden."

Insgesamt wurden Tulpenproben aus Hamburg, München und dem Raum Düsseldorf untersucht. Bei den Blumen aus Meerbusch fand Greenpeace den Spitzenwert von 10,6 Milligramm pro Kilogramm. Greenpeace hat gegen die Erzeuger der betroffenen Tulpen Anzeige erstattet. Bereits gestern informierte die Umweltschutzorganisation das Verbraucherministerium des Landes, um den illegalen Einsatz zu stoppen.

Der Wirkstoff Paclobutrazol baut sich extrem langsam ab (Halbwertzeit 285 Tage). Er bleibt so über Jahre in der Natur, wenn diese Tulpen auf dem Kompost oder im Biomüll entsorgt werden, und kann die Vegetation schädigen. Es ist noch unklar, woher die Erzeuger das Pestizid erhalten haben. Greenpeace zeigte allerdings im vergangenen Herbst bei verdeckten Recherchen im Agrarhandel, dass es deutschen Landwirten äußerst einfach gemacht wird, illegale Pestizide im In- und Ausland zu kaufen.

Erst Anfang dieser Woche hat Greenpeace auf die Belastung von Tomaten, Kopfsalat, Rucola und Äpfel aus Deutschland mit gesundheitsgefährdenden, verbotenen Pestiziden aufmerksam gemacht. Von insgesamt 84 Obst- und Gemüseproben waren 24 (29 Prozent) mit verbotenen Pestiziden belastet: Zehn Proben (12 Prozent) enthielten Wirkstoffe, die in Deutschland überhaupt nicht angewendet werden dürfen. Greenpeace fordert, Kontrollen zu verschärfen, illegal tätigen Bauern die Agrarsubventionen zu streichen und den Einsatz verbotener Pestizide als Straftat zu verfolgen.

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