Presseerklärung

Krisengebiet Tuwaitha braucht dringend Hilfe der Internationalen Atomenergiebehörde

Nukleares Desaster im Irak

Hamburg, 16. 7. 2003 – Einen Sicherheitsbehälter mit Atommüll haben Greenpeace-Aktivisten heute morgen in Bagdad vor dem Hauptquartier des US-Zivilverwalters für den Irak, Paul Bremer, abgeladen. Das radioaktive Uran, yellowcake genannt, fand Greenpeace in einem Dorf nahe der Atomanlage Tuwaitha, 18 Kilometer südöstlich von Bagdad. Seit dem Sturz Saddam Husseins haben Einwohner der Region die Anlage geplündert – nichts ahnend von der strahlenden Gefahr.

Greenpeace fordert Bremer auf, der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) sofort Zutritt zu dem Gebiet zu gewähren, damit diese die radioaktive Verseuchung erfassen und beseitigen kann.

Dieser Atommüll ist nur ein Bruchteil dessen, womit die Bevölkerung in Tuwaitha monatelang leben musste, sagt Wolfgang Sadik, Greenpeace-Sprecher vor Ort. Bremer ist verantwortlich für die Gesundheitsversorgung im Irak. Er muss sofort den Weg frei machen und die Internationale Atomenergiebehörde ihre Arbeit machen lassen. Das US-Militär hält an seiner Darstellung fest, dass in der Region keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung besteht – trotz der Beweise für eine weiträumige radioaktive Verseuchung.

Das internationale Team von Greenpeace hat in den vergangenen drei Wochen in der Region Tuwaitha mehrfach offen herumliegenden Atommüll gefunden und stark überhöhte Strahlung gemessen. In einer Grundschule lag der Wert 3000-fach höher als normal, in einem Wohnhaus in der Nähe der Atomanlage sogar 10.000-fach höher. Dorfbewohner nutzten verstrahlte Fässer zur Lagerung von Trinkwasser und Lebensmitteln.

Seit Kriegsende verweigern die Besatzungmächte der IAEO den Zugang zum Irak. Damit verstoßen sie gegen die UN-Resolution 1441, die den uneingeschränkten Zugang der IAEO zu allen Gebäuden im Irak verlangt. Lediglich für zwei Wochen gestatteten die Besatzungsmächte im Juni den Inspektoren den Zutritt zur Atomanlage Tuwaitha. Die IAEO durfte jedoch nur das Uran innerhalb der Anlage erfassen, nicht in den umliegenden Dörfern.

Die Region Tuwaitha steht vor einem nuklearen Desaster. Nirgendwo sonst auf der Welt würde das toleriert werden, sagt Wolfgang Sadik. Das radioaktive Material, das wir Paul Bremer heute gebracht haben, ist sicher in einem Container verschlossen – aber wer weiß, wie viel Atommüll noch offen und ungesichert in den Dörfern herumliegt.

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