Presseerklärung

Erste Hilfe gegen giftige Spritzmittel in Obst und Gemüse

Neuer Greenpeace-Ratgeber "Essen ohne Pestizide"

Hamburg, 13. 4. 2005 – Mit einem neuartigen Ratgeber zeigt das Greenpeace-EinkaufsNetz heute in Hamburg wie Verbraucher im Supermarkt Obst und Gemüse auswählen können, das möglichst frei ist von giftigen Pestizid-Rückständen. Die Broschüre im Taschenformat führt für die 48 wichtigsten Obst- und Gemüsearten auf, aus welchen Herkunftsländern besonders stark gespritzte Ware kommt und bei welchen nur mit geringen Pestizidbelastungen zu rechnen ist.

"Wer Pestizide im Essen vermeiden will, muss auf das Herkunftsland von Obst und Gemüse achten", so Manfred Krautter, Chemieexperte von Greenpeace. "Die Unterschiede bei den Spritzmittel-Rückständen sind erheblich. Jetzt ist es für Verbraucher möglich, am Supermarktregal bewusst konventionell angebaute Lebensmittel auszuwählen, die möglichst wenig Agrargifte enthalten. Am besten schneiden aber Bio-Obst und Bio-Gemüse ab."

Das Greenpeace-EinkaufsNetz, die Verbraucherorganisation der Umweltschützer, sammelte und bewertete für den Ratgeber zehntausende Obst- und Gemüseuntersuchungen der deutschen Überwachungsbehörden aus den Jahren 2002 bis 2004. Greenpeace und die amtlichen Lebensmittelkontrolleure finden Jahr für Jahr steigende Pestizidrückstände im Obst und Gemüse der deutschen Supermärkte. Seit 1998 verdoppelte sich der Anteil der Ware, in der die gesetzlichen Grenzwerte für Agrargifte sogar überschritten werden, von vier auf jetzt über acht Prozent. Selbst die EU-Kommission schließt in ihrem Lebensmittel-Monitoringbericht 2004 Gesundheitsschäden nicht mehr aus.

"Pestizide können Krebs auslösen, das Immunsystem schädigen oder den Hormonhaushalt stören - viele von ihnen sind Nervengifte", warnt der Toxikologe Dr. Hermann Kruse von der Universität Kiel auf der heutigen Pressekonferenz. "Die gesetzlichen Grenzwerte bieten keinen ausreichenden Schutz für die Gesundheit der Verbraucher. Die dann noch steigende Spritzmittelbelastung von Obst und Gemüse sowie die zunehmenden Pestizidcocktails sind eine ernsthafte Gefahr."

In dem neuen Ratgeber sind für Äpfel, Trauben, Paprika, Tomaten und weitere 44 Obst- und Gemüsearten wichtige Herkunftsländer genannt und nach einem einfachen Ampel-System bewertet. Rot bedeutet nicht empfehlenswert, da im Durchschnitt in über zehn Prozent der Ware die gesetzlichen Pestizidgrenzwerte überschritten wurden. Bei gelb ist Vorsicht geboten. Grün gilt für Ware, in der bei weniger als zwei Prozent die Höchstmengen überschritten wurden. Uneingeschränkt empfehlenswert war nur Bio-Ware, da nur diese mit großer Gewissheit keine Pestizidreste enthält. Insgesamt scheint in den Mittelmeerländern am großzügigsten mit der Giftspritze umgegangen zu werden. Obst und Gemüse aus der Türkei, Spanien oder Italien wiesen bedenklich oft sehr hohe Rückstände auf. Deutlich besser schnitten im Mittel Produkte aus Deutschland, den Niederlanden und einigen südamerikanischen Ländern ab.

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