Presseerklärung

Umweltschützer demonstrieren an Papierfrachter aus Finnland

Greenpeace protestiert in Lübeck gegen Urwaldzerstörung

Lübeck, 10.11.2005 - Über 40 Greenpeace-Aktivisten protestieren heute mit Schlauchbooten im Hafen von Lübeck gegen Urwaldzerstörung in Finnland. Kletterer befestigen an der Herrenbrücke über der Trave ein 12 mal 40 Meter großes Transparent mit dem Spruch: Stoppt Urwaldzerstörung, stoppt Stora Enso. Sie wollen damit auf den Papierfrachter Antares aufmerksam machen, der Papier aus Finnland nach Lübeck liefert. Am Montag hatten Greenpeace-Aktivisten bereits in der finnischen Hafenstadt Kemi bei der Beladung des Schiffes protestiert. Lübeck ist der größte deutsche Einfuhrhafen für Papier aus Skandinavien. Greenpeace wendet sich gegen die Zerstörung der letzten Urwälder in Lappland. Der finnische Papierkonzern Stora Enso kauft das Holz aus Urwaldzerstörung und stellt daraus Papier her.

Seit Anfang Oktober wird in Nordfinnland, nahe des Inari-Sees, wieder Urwald gefällt. Greenpeace-Untersuchungen haben ergeben, dass der Einschlag im Urwald sogar gesetzlich geschützte Arten zerstört, wie seltene Baumpilze. Der Papierhersteller Stora Enso ist der größte Holzabnehmer des staatlichen Forstamtes und verarbeitet den Urwald zu Zellstoff und Papier, das auch nach Deutschland exportiert wird. Mit 1,7 Millionen Tonnen jährlich sind deutsche Kunden Finnlands wichtigster Papierkäufer.

"Täglich wird in Finnland jahrhundertealter Urwald für Werbezettel und Zeitschriften vernichtet", sagt Greenpeace-Waldexperte Oliver Salge. "Damit werden nicht nur zahlreiche Arten vernichtet - die dort lebenden Sami verlieren auch ihren Lebensraum. Das verstößt gegen die Menschenrechte." Greenpeace fordert, das Abholzen der letzten Urwälder im Staatsbesitz in Finnland sofort zu stoppen und Verhandlungen zur Lösung des Konfliktes wieder aufzunehmen.

Im März wurde der Einschlag im Urwald in Lappland ausgesetzt, nachdem Greenpeace zusammen mit den nordfinnischen Ureinwohnern, den Sami, gegen die Urwaldzerstörung protestiert und eine Schutzstation im Urwald errichtet hatte. Für viele Sami in Nordfinnland ist die traditionelle Rentierhaltung mit frei umherziehenden Herden die wichtigste Lebensgrundlage und Teil der kulturellen Identität. Die Rentiere sind im Winter auf Baumflechten als Futter angewiesen, die aber nur in den Urwäldern in ausreichender Menge wachsen. "Ich habe die Lebensweise der Sami kennen und schätzen gelernt", sagt Ulrike Beck, die im März in der Schutzstation aktiv war. "Ich kann nicht verstehen, wie der finnische Staat sich so über die Bedürfnisse der Sami hinweg setzen kann."

Die betroffenen Sami sind Ende Oktober 2005 vor ein Gericht in Lappland gezogen, um gegen die weitere Zerstörung des für sie wichtigen Waldes zu klagen. Das Gericht hat eine Verfügung erlassen mit der Aufforderung, dass die Abholzungen im Wald vom staatlichen Forstamt eingestellt werden müssen. Das staatliche Forstamt will jedoch so lange weiter einschlagen, bis die klagenden Sami einen Vorab-Schadenersatz geleistet haben, der nach finnischen Gesetzen eingefordert werden kann. Diese Vorabzahlung soll sich auf eine Million Euro belaufen, die die Rentierzüchter niemals aufbringen können.

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