Presseerklärung

Deutsche Autoindustrie lehnt Filter gegen Krebs erregende Abgase ab

Greenpeace baut Diesel-Rußfilter in Mercedes-PKW ein

Stuttgart, 26. 9. 2002 – Erstmals führt Greenpeace heute an einem gebrauchten Mercedes C 220 Diesel vor, dass Krebs auslösender Dieselruß schon lange aus den Abgasen deutscher PKW gefiltert werden könnte. In Stuttgart präsentiert die Umweltschutzorganisation die Wirkung einer nachträglich eingebauten Anlage, die nur noch ein Zehntausendstel der Partikel aus dem Auspuff lässt: Auf dem Filterpapier sind nur wenige Spuren zu sehen, das konventionelle Vergleichsfahrzeug hinterlässt dagegen einen schwarzen Fleck. Mit diesem Projekt widerlegt Greenpeace die Behauptung der deutschen Autohersteller, eine Nachrüstung bereits ausgelieferter PKW sei nicht machbar. Die Industrie weigert sich zudem, die verfügbare Technik in ihre neuen PKW einzubauen.

"Tausende Menschen sterben an Dieselkrebs. Die deutsche Autoindustrie unternimmt nichts dagegen, obwohl sie die Technik kennt", sagt Greenpeace Sprecher Wolfgang Lohbeck. "Die Autoindustrie muss alle Diesel-Neuwagen mit Filtern auszustatten und ältere Fahrzeuge nachrüsten. Jedes weitere Zögern ist verantwortungslos." Die Bundesregierung sollte die Nachrüstung von Dieselfahrzeugen durch Steuervergünstigungen unterstützen.

Der Einbau in deutsche PKW würde keine wesentlichen Mehrkosten verursachen. Greenpeace beauftragte den Rheinisch-Westfälischen TÜV (RWTÜV) in Essen, den Rußfilter einzubauen. Es waren keinerlei kostspielige Entwicklungen vonnöten und es wurden nur handelsübliche Teile verwendet. Die Dosierungseinrichtung für den notwendigen Kraftstoffzusatz stammt aus einem Gabelstapler, die Filteranlage von der französischen Firma PSA. Diese Filter werden bereits seit zwei Jahren serienmäßig in einige Modelle von Citroën und Peugeot eingebaut.

"Die Technik können sich die deutschen Autokonzerne von Gabelstaplern und französischen Autos abschauen. Aber schon das überfordert sie offensichtlich. Stattdessen versprechen sie andere Lösungen für morgen. Aber das Problem Dieselruß muss heute gelöst werden", sagt Lohbeck. Die deutsche Autoindustrie begründet ihre Weigerung, die Technik zu übernehmen, mit dem Hinweis auf angeblich bessere, aber erst zukünftig verfügbare Reinigungssysteme.

Deutsche Diesel-PKW stoßen jedes Jahr fast 9000 Tonnen Ruß aus. Er verursacht jährlich mehrere tausend Todesfälle durch Lungenkrebs und wahrscheinlich ein mehrfaches davon an anderen Gesundheitsschäden, vorwiegend Herz-, Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Führende Experten, darunter der Sachverständigenrat der Bundesregierung, betrachten die Partikel im Dieselruß als das wichtigste Problem der Luftverschmutzung. Es ist die Anzahl der besonders kleinen Rußpartikel, die den Diesel so gefährlich macht. Diese haben in der letzten Zeit nicht ab-, sondern zugenommen. Das liegt an einer unvollständigen und teilweise hinderlichen Gesetzgebung, die nur zur Filterung grober Rußteilchen verpflichtet. Zum andern entstehen feine Rußpartikel durch hocheffektive Einspritztechniken in neueren Dieselmodellen.

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