Presseerklärung

Greenpeace erhebt Einspruch gegen Versuchsanbau in Sachsen-Anhalt

Gen-Weizen kommt nicht in die Tüte

Magdeburg, 12. 03. 04 – Der Anbau von gentechnisch verändertem Weizen in Sachsen-Anhalt stößt auf Widerstand. Auf einer Pressekonferenz in Magdeburg hat Greenpeace heute bekannt gegeben, Einspruch gegen den geplanten Versuchsanbau mit Gen-Weizen in Bernburg, Sachsen-Anhalt einzulegen. Auch der Verband der Großbäckereien, Ökobauern aus der Region und der Kirchenpräsident Helge Klassohn protestieren gegen den Versuch. Über die Freisetzung wird in den nächsten Wochen vom für die Genehmigung zuständigen Robert-Koch-Institut in Berlin entschieden. Heute endet die öffentliche Beteiligung am Genehmigungsverfahren und damit die Einspruchsfrist. Mit diesem Versuch würde erstmals in Deutschland Gen-Weizen im Freiland angebaut.

„Gen-Weizen kommt uns nicht in die Tüte!“ sagt Henning Strodthoff, Greenpeace. „Der Versuch ist unsinnig und schadet der Weizen-Region Sachsen-Anhalt“. Besonders unberechenbar wird der Gen-Weizen-Versuch dadurch, dass bis heute die Einzelheiten der gentechnischen Veränderung geheim gehalten werden. Eine Überprüfung der Angaben und eine Bewertung beispielsweise des Risikos von Allergien durch diesen Gen-Weizen wird somit verhindert.

Weizen wird in Deutschland auf rund drei Millionen Hektar angebaut und ist die wichtigste Marktfrucht für Landwirte, außerdem die Grundlage der täglichen Ernährung. Der Verband der Großbäckereien lehnt die Versuche ab, weil er um Qualität und Ruf von Brot und Gebäck fürchtet. Biolandwirte sehen in dem Versuch eine Gefahr, weil Gen-Weizen die gentechnikfreien Felder verunreinigt und die Vermarktung unmöglich macht. Die evangelische Kirche besitzt eine direkt angrenzende Fläche.

Nordwestlich und östlich von Bernburg sollen insgesamt 10.000 Gen-Pflanzen auf 850 Quadratmetern freigesetzt werden. Die Flächen gehören dem Land Sachsen-Anhalt und der Agrargenossenschaft Baalberge eG. Der Gen-Weizen soll sich nach Firmenangaben besser gegen Pilzbefall wehren können. Das entscheidende Gen stamme aus einem Pilz. Genauere Angaben verwehrt Syngenta jedoch der Öffentlichkeit.

„Syngenta macht Gentechnik zur Geheimsache,“ erklärt Henning Strodthoff für Greenpeace. „Die Firma nimmt die Bedenken der Öffentlichkeit nicht ernst. Nicht einmal die Eigentümer der umliegenden Flächen in Bernburg wurden über den geplanten Versuch informiert.“ Der Gen-Weizen sollte bereits 2003 in Thüringen angebaut werden. Nach Protesten von Greenpeace hatte Syngenta auf den Versuch im Vorjahr verzichtet.

Wie stark die Ablehnung der Gentechnik in Lebensmitteln ist, zeigt auch der Einkaufsratgeber „Essen ohne Gentechnik“ von Greenpeace: In ihm werden Firmen aufgelistet, die auf Zutaten aus Gen-Pflanzen verzichten. Vom Ratgeber wurden seit Anfang des Jahres über 500.000 Stück bei der Umweltorganisation bestellt und verschickt.
 

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