Presseerklärung

Greenpeace legt neue Beweise im Fall Spessart vor

EU-Beschwerde: Deutschland ignoriert Waldschutz

Hamburg/Brüssel, 12.02.2013 - Greenpeace hat heute bei der Europäischen Union neues Beweismaterial zur laufenden EU-Beschwerde aufgrund mangelnden Waldschutzes vorgelegt. Die unabhängige Umweltschutzorganisation reichte Karten ein, die die Verschlechterung des durch Europarecht geschützten Buchenwalds im bayerischen Spessart belegen.
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Greenpeace hatte im April 2012 Beschwerde gegen Deutschland eingereicht, da die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) unter ihrem Vorstandsvorsitzenden Dr. Rudolf Freidhager das EU-Naturschutzrecht missachten.

Die Regierung hatte die EU-Kommission gebeten, die Frist für eine Stellungnahme vom 31. Dezember 2012 auf den 28. Februar 2013 zu verlängern. Der Vorstand der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) industrialisiert die öffentlichen Wälder und die Regierung Seehofer schaut tatenlos zu. Dieses widerrechtliche Treiben muss gestoppt werden, fordert Martin Kaiser, Klima- und Waldexperte von Greenpeace.

Nadelbäume verdrängen Buchenwälder

Das Gebiet Hochspessart ist durch die sogenannte Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) geschützt. Dort haben Greenpeace-Aktivisten in den vergangenen Monaten eine deutliche Verschlechterung des Waldes festgestellt, die nun anhand der eingereichten Dokumente belegt wird. In dem 560 Hektar großen Gebiet rund um den Berg Hoher Knuck, der zudem als Naturwaldreservat ausgewiesen ist, wurde intensiv eingeschlagen, um dort Eichenmonokulturen anzulegen. Weiter argumentiert Greenpeace, dass durch das Pflanzen von Douglasien in angrenzenden alten Buchenwäldern diese immer weiter verdrängt werden – und das in einem europaweit einmalig alten und geschützten Buchenwaldgebiet.

Die nun eingereichten Beweise umfassen den im November 2012 veröffentlichten Abschlussbericht einer umfassenden Kartierung, die Greenpeace Aktivisten im vergangenen Jahr vornahmen. Greenpeace hat zudem Holzeinschläge in einem 184-jährigen Buchenaltbestands aus Dezember 2012 und Januar 2013 dokumentiert. Dieser europaweit äußerst seltene Buchenwald müsste nach dem eigenen Naturschutzkonzept der BaySF dauerhaft vor Holzeinschlägen bewahrt bleiben. Zudem stellte Greenpeace fest, dass in dem Gebiet lediglich 49 für den Naturschutz besonders wichtige Biotopbäume durch die BaySF markiert wurden. Greenpeace dagegen entdeckte zusätzlich 76 Biotopbäume. Allein 87 alte Bäume wurden in dem 184-jährigen Buchenwald gefällt und von Greenpeace einzeln dokumentiert.

Der BaySF-Vorstand lässt ohne Not eine der wichtigsten Brutstätten für Spechte, Dohlen und Fledermäuse Holz einschlagen, sagt Kaiser. Greenpeace hat auch die Wiedervernadelung von Nadelbäumen im Nordspessart sowie die Verwahrlosung von teuren Eichensaatflächen dokumentiert und jetzt nach Brüssel geschickt. Greenpeace kritisiert, dass ausgerechnet in einem der größten FFH-Gebiete mit dem schutzwürdigen Lebensraumtyp Hainsimsen-Buchenwälder nach Kahlschlägen in alten Buchenwäldern Eichen gepflanzt werden.

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