Presseerklärung

Greenpeace-Report entlarvt Missbrauch von Nachhaltigkeitszertifikaten

Etikettenschwindel bei Palmöllieferung nach Europa

Hamburg, 11.11.2008 - Die ersten 500 Tonnen angeblich nachhaltigen Palmöls aus Malaysia kommen heute in Rotterdam an. Nach einem neuen Greenpeace-Report lässt sich der Produzent von Palmöl in Malaysia, United Plantations, die Nachhaltigkeit seiner Plantagen zertifizieren, zerstört aber gleichzeitig gesetzeswidrig Regenwald in Indonesien. United Plantations verstößt damit massiv gegen die Kriterien des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (RSPO). RSPO ist eine Organisation der Branche für die Zertifizierung. Greenpeace fordert vom RSPO, ein Moratorium für die Umwandlung von Regenwald in Plantagen zu erlassen und das Zertifikat für United Plantations zurückzuziehen.

"Auch mit Zertifikat ist Palmöl von diesem Unternehmen nicht nachhaltig, sondern eindeutig ein Klimakiller", sagt Corinna Hölzel, Waldexpertin von Greenpeace. "Wenn sich schon die erste Lieferung nachhaltigen Palmöls als Täuschung herausstellt, dann muss die Branche jetzt schleunigst gegensteuern."

United Plantations ist das erste Unternehmen, dem der RSPO die Nachhaltigkeit zertifiziert. Doch selbst die minimalen Kriterien der freiwilligen Zertifizierung hält United Plantation nicht ein. Greenpeace-Recherchen ergaben, dass das Unternehmen in Indonesien in Landkonflikte verwickelt ist, in deren Verlauf vier Bauern inhaftiert wurden. Schützenswerte Wälder wurden ohne Genehmigungen vernichtet und drei Meter mächtige Torfböden trockengelegt, obwohl nach indonesischem Gesetz Torfböden ab zwei Metern Mächtigkeit geschützt sind.

Die schwedische Firma Aarhus Karlshamn wird die 500 Tonnen Palmöl verarbeiten. Sie beliefert Lebensmittelhersteller wie Nestlé und Unilever, deren Produkte auch auf dem deutschen Markt erhältlich sind. In Zukunft wird von RSPO zertifiziertes Palmöl auch in Deutschland eingesetzt werden für Lebensmittel, Kosmetika, zur Erzeugung von Strom und Wärme und als Agrosprit zur Beimischung zum Dieselkraftstoff.

"Verbraucher wollen nicht getäuscht werden. Sie wollen keine Produkte untergeschoben bekommen, für deren Herstellung Urwälder und Klima zerstört werden. Auch die Zwangsbeimischung von Agrosprit zum Kraftstoff muss abgeschafft werden", fordert Hölzel. Für eine glaubwürdige Zertifizierung von nachhaltigem Palmöl muss RSPO zuerst die weitere Vernichtung von Regenwald für Plantagen stoppen. Erst dann können die Beteiligten sich auf eine Nutzung der bestehenden Flächen verständigen und ökologische und soziale Kriterien für eine Zertifizierung entwickeln.

Der Erhalt der Torfwälder in Indonesien ist für das globale Klima sehr wichtig. In dem Ökosystem wird zehnmal mehr Kohlenstoff als in anderen Regenwäldern gebunden. Durch Holzeinschlag, Brandrodung und Trockenlegung der bis zu zwölf Meter mächtigen Böden wird das klimaschädliche CO2 frei. Indonesien ist aufgrund seiner Waldzerstörung nach China und den USA drittgrößter Treibhausgasemittent. Weltweit entstehen knapp 20 Prozent aller Treibhausgase durch Waldzerstörung. Auch für die Erhaltung der Artenvielfalt, wie der in Indonesien beheimateten Orang-Utans, müssen die Urwälder dringend geschützt werden.

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