Presseerklärung

Greenpeace: Falsches Öko-Siegel täuscht Verbraucher und Waldbesitzer

Erneuter Holz-Etikettenschwindel in Baumärkten

Hamburg, 11. 3. 2004 – Greenpeace prangert heute einen weiteren Fall von falsch deklariertem Baumarkt-Holz an. In sechs Filialen der Kette Marktkauf entdeckten Umweltschützer Fichten-Profilholzbretter aus russischen Urwäldern, die mit dem Schein-Öko-Siegel der Holzindustrie, dem so genannten PEFC, gekennzeichnet sind. Damit soll dieses Holz für den deutschen Verbraucher attraktiv gemacht werden, obwohl es aus russischer Urwaldzerstörung stammt. In Russland gibt es bisher fast keine ökologische Forstwirtschaft.

Bereits Anfang Februar konnte Greenpeace nachweisen, dass Fichtenholz aus russischer Urwaldzerstörung auch mit dem Herkunftssiegel des deutschen Holzabsatzfonds in verschiedenen Baumärkten angeboten wurde. Alle Märkte, bis auf „Toom“, haben das falsch gekennzeichnete Fichtenholz inzwischen aus dem Sortiment genommen.

„Wer sich als Verbraucher nicht an der Vernichtung wertvoller Urwälder beteiligen will, kann nur auf das einzige glaubwürdige Siegel zurückgreifen, und das ist FSC“, sagt Martin Kaiser, Waldexperte von Greenpeace. Nur der Forest Stewardship Council (FSC) garantiert, dass Wälder nach ökologischen und sozialen Kriterien bewirtschaftet werden. „Den Namen PEFC sollte man gleich wieder vergessen. Das ist ein Scheinsiegel, das den Verkauf von billigem Raubbauholz weiter ankurbelt – Unglück für den Urwald“, so Kaiser. Die Konkurrenz von billigem Holz aus Urwaldzerstörung ist einer der Hauptgründe für die wirtschaftlich angespannte Situation von Waldbetrieben in Deutschland.

Greenpeace empfiehlt daher nur Holzprodukte mit den Gütesiegeln des FSC. Auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist die Förderung von FSC-Holz festgeschrieben. „Die Betrugsfälle im Baumarkt belegen, dass Holz aus Urwaldzerstörung problemlos nach Deutschland geliefert und hier vermarktet werden kann“, sagt Kaiser und fordert: „ Die Regierung Schröder muss den Import von Holz aus Urwaldzerstörung sofort gesetzlich verbieten“.

Das internationale „Programme for the endorsement of forest certification schemes“ (PEFC) wurde 1999 von Holz- und Papierindustrieverbänden und Waldbesitzern gegründet. Das PEFC-Siegel können Waldbesitzer ohne eine vorherige Prüfung ihres Forstes per Faxabruf ‚bestellen‘. Vorgeschrieben sind nur unzureichende ökologische und soziale Kriterien, unabhängige Kontrollen der Betriebe finden nur stichprobenartig statt. PEFC zertifiziert jede Form der Forstwirtschaft, sowohl Kahlschläge in Finnlands letzten Urwäldern als auch das Holz deutscher Waldbauern, die zum Teil ökologisch nachhaltig wirtschaften. Für den Verbraucher ist dieser Unterschied bei PEFC-zertifizierter Holzware aber nicht zu erkennen. In Russland gibt es keine PEFC-gesiegelten Wälder.

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