Presseerklärung

Greenpeace deckt Steuerbetrug der Holzindustrie in Afrika auf

Deutsche Entwicklungshilfe für Urwaldzerstörung?

Zürich / Hamburg, 29.07.2008 - Aktuelle Greenpeace-Recherchen belegen, dass der deutsch-schweizerische Holzkonzern Danzer massiv Steuern hinterzieht. Gleichzeitig versucht das Unternehmen, von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Entwicklungshilfegelder für den Einschlag im kongolesischen Regenwald zu erhalten. Die Reutlinger Familie Danzer mit Firmensitz in der Steueroase Zug/Schweiz zählt zu den größten europäischen Exporteuren von Edelhölzern aus dem Kongo.

Der am Mittwoch in Zürich veröffentlichte Report von Greenpeace International zeigt auf, dass die Danzer-Group ihre unversteuerten Einnahmen auf Konten in Ländern mit niedrigen Steuern verschiebt. So sind der Demokratischen Republik Kongo und der Republik Kongo zwischen den Jahren 2000 und 2006 mindestens 7,8 Millionen Euro Steuereinnahmen entgangen.

"Danzer plündert den Kongo doppelt, die Kongo-Staaten verlieren ihren wertvollen Regenwald und werden zusätzlich um Steuereinnahmen betrogen", sagt Corinna Hölzel, Waldexpertin von Greenpeace. "Wir fordern die deutsche Regierung auf, jegliche finanzielle Unterstützung für Danzer zu unterlassen."

Die im Greenpeace-Report veröffentlichten internen Dokumente der Danzer-Group weisen das ausgefeilte System der Gewinnverschiebung nach. Siforco, die afrikanische Tochterfirma von Danzer, verkauft Tropenholz unter seinem Marktwert an Interholco, die schweizerische Handelsfirma von Danzer. Die Differenz gleicht Interholco durch inoffizielle Zahlungen auf Bankkonten in europäischen Niedrigsteuerländern aus. So vermeidet Danzer eine Reihe kongolesischer Steuern.

7,8 Millionen Euro sind viel Geld im Kongo. Etwa 700.000 Kinder unter fünf Jahren hätten dafür die nötigen Schutzimpfungen bekommen können. "Während die Weltbank und ihre Geldgeber im Namen der Armutsbekämpfung Milliarden von Dollar in die Länder des Kongo-Beckens fließen lassen, brechen Holzkonzerne wie Danzer Gesetze und zerstören die Lebensgrundlagen der Bevölkerung", sagt Hölzel.

Nur vier europäischen Firmen kontrollieren etwa drei Viertel der Holzausfuhr in der Demokratischen Republik Kongo. 40 Prozent davon exportierte Danzer im Jahr 2006. Schon frühere Berichte von Greenpeace belegen, dass Danzer für den Einschlag von seltenen Edelhölzern die Korruption im Kongo fördert.

Das Kongobecken ist nach Amazonien der zweitgrößte Regenwald der Erde. Es hat eine wesentliche Bedeutung für die Biodiversität und das Klima. Die weltweite Waldzerstörung ist bereits für 20 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.

Publikationen zum Thema

Rückfragen

Achtung Redaktion!
Rückfragen bitte an: