Kunststoff verunreinigt die Meere

Plastik in Kosmetik

Kosmetikprodukte benötigen keine Plastikbestandteile. Trotzdem verzichtet die Industrie nicht vollständig auf Kunststoffe. Über unser Abwasser gelangt dieses Plastik in die Ozeane, mit schwerwiegenden Folgen für das Ökosystem.

Umweltsünde ab Werk

Jährlich landen durch die Kosmetikindustrie Tonnen von Kunststoff im Meer. Nicht nur wegen des Verpackungsmülls – in den Produkten selbst steckt Plastik.

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Fest und flüssig, gel- und wachsartig oder als Schwebstoffe in Flüssigkeit: Plastik gelangt in erstaunlich vielen Erscheinungsformen ins heimische Badezimmer. Etliche Kosmetik- und Körperpflegeprodukte sind mit Kunststoffen angereichert; sie dienen als Schleifmittel oder verbessern Glanz und Konsistenz. Über den Abfluss gelangt das Plastik allerdings ins Meer und wird dort zum Problem – zu den Umweltauswirkungen der Stoffe ist wenig bekannt. Was man jedoch weiß: Die winzigen Teilchen saugen Giftstoffe auf wie ein Schwamm. Greenpeace fordert von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) darum ein umfassendes Verbot von Plastik in Kosmetik, egal in welcher Form.

Einige Kosmetikhersteller behaupten zwar, dass sie das Meer mit einem freiwilligen Verzicht auf Mikroplastik vor Verschmutzung schützen. Ihre Auslegungen des Begriffs Mikroplastik reichen aber nur so weit, wie es ihnen in den Produktionsablauf passt. Eine für alle geltende Definition, was in Tiegel und Tuben hineindarf und was nicht, gibt es bislang nicht. Dabei ist die Lösung ganz einfach: Plastik gehört generell nicht in Pflegeprodukte. 

Verbot statt Fachchinesisch

Es braucht diese Verordnungen von oben, da die freiwillige Selbstverpflichtung im Zusammenhang mit dem sogenannten Kosmetikdialog keine Ergebnisse brachte. Können die  Kunden einen Wandel bei den Herstellern erzwingen, indem sie ausschließlich plastikfreie Produkte kaufen? Das ist schwierig: In Peelingprodukten etwa lässt sich Plastik in Form kleiner Kügelchen gut erkennen, häufig ist es jedoch versteckt und nur durch genaues Studium der Inhaltsstoffe auf der Packung zu entdecken. Und selbst dann muss man wissen, was sich hinter Begriffen wie Acrylates/C10-30, Alkyl Acrylate Crosspolymer oder PEG/PPG-17/18-Dimethicone an Chemie verbirgt.

Einmal ins Meer gelangt, lassen sich diese Kunststoffe praktisch nicht wieder entfernen. Fische fressen die mit Umweltgiften belasteten Partikel; so gelangt der Kunststoff in die Nahrungskette. Ein Greenpeace-Report aus dem vergangenen Jahr belegt, dass Speisefische und Meeresfrüchte zu einem erheblichen Teil bereits belastet sind. In der Nord- und Ostsee zum Beispiel weisen fast sechs Prozent der untersuchten Fische Plastikrückstände auf.

Fabrikfertig umweltschädlich

Der größte Teil des Mikroplastiks, das sich in unseren Meeren befindet, stammt aus Müll wie PET-Flaschen und Plastiktüten, die von Wellen und UV-Strahlung allmählich zerrieben werden. Weil es ursprünglich mal eine andere Form hatte, nennt man diesen Teil sekundäres Mikroplastik. Stammt es aus Kosmetik, ist es sogenanntes primäres Mikroplastik: Es wird bewusst Produkten in winziger Größe beigemengt und ist dabei häufig zu klein, um von Kläranlagen herausgefiltert zu werden. 

Schon einmal duschen kann bis zu 100.000 Plastikteilchen ins Abwassersystem spülen. Was dieser vermeidbare Plastikmüll mit dem Ökosystem Meer anstellt, und welche Gesundheitsrisiken für Verbraucher bestehen, ist noch nicht ausreichend erforscht – aber genau darum muss das Vorsorgeprinzip gelten: Plastik gehört nichts ins Meer, und damit hat es auch in Kosmetik nichts zu suchen.

Handeln, bevor es zu spät ist

„Da die Industrie es alleine nicht schafft, muss die Umweltministerin den Einsatz von Plastik in Kosmetik verbieten – es ist dort ohnehin meist völlig überflüssig“, sagt Dr. Sandra Schöttner, Greenpeace-Expertin für Meere. Zertifizierte Naturkosmetik ist frei von Kunststoff. Wer noch einen Schritt weiter gehen möchte kann sich seine Peelings allerdings auch einfach selbst herstellen.

>>> Unterschreiben Sie unsere Petition an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Sie können die Politik davon überzeugen, künftig auf schädliches Plastik in Kosmetik zu verzichten!

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Das Kleingedruckte landet im Meer

Flyer zum Thema Plastik in Kosmetik: Feste und flüssige Kunststoffe verstecken sich in den meisten konventionellen Kosmetikprodukten.