Öko-Landwirtschaft ist die Antwort auf viele Umweltprobleme

Vielfalt statt Einfalt

Wollsocken- und Vollbartklischee sind abgelegt. Zu Recht, denn die ökologische Landwirtschaft fußt auf knallharter Wissenschaft, Innovationen, empirischen Erfahrungen – und dem Wunsch, die Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen zu erhalten.
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Die Grundidee von Bio-Landwirtschaft ist so entwaffnend wie einfach: nämlich eng orientiert am Vorbild Natur umweltschonend und tiergerecht so zu wirtschaften, dass die eigenen Ressourcen reichen und optimal genutzt werden. Konkret bedeutet dieser Kreislaufgedanke, dass Ackerbau und Tierhaltung aufeinander abgestimmt sein müssen. Dass also beispielsweise nur so viele Tiere gehalten werden, wie der Betrieb über selbst angebaute Futtermittel ernähren kann. Und ebenso muss die Menge der anfallenden Gülle, die als Dünger eingesetzt wird, an den Nährstoffbedarf der Ackerflächen angepasst sein. 

In Deutschland wird bisher auf knapp 10 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche Öko-Landwirtschaft betrieben. Seit den 1990er Jahren hat dieser Anteil stetig, aber langsam zugenommen. Die Bundesregierung zielt eine Steigerung auf einen Anteil von 20 Prozent bis zum Jahr 2030 an.

ÖKO-LANDBAU: WAS LÄUFT ANDERS?

Düngung: Neben Stallmist setzen Bio-Betriebe zur Düngung Pflanzen ein, die Stickstoff aus der Luft in die Erde bringen – Hülsenfrüchtler wie Erbsen, Bohnen oder Luzerne. Dabei geht es darum, die Qualität des Bodens, also die Bodenfruchtbarkeit, zu verbessern, um darüber die Erträge zu erhöhen. Im konventionellen Landbau hingegen soll synthetischer Stickstoffdünger in erster Linie die Pflanze versorgen. Hinzu kommt, dass die extrem hohe Zahl an Nutztieren in Deutschland dazu führt, dass es zuviel des sogenannten Wirtschaftsdünger (also Gülle) gibt. Die Folge ist ein hoher Stickstoffüberschuss auf den Feldern und damit einhergehend eine starke Grundwasserbelastung. 

Fruchtwechsel: Im konventionellen Landbau ist der Fruchtwechsel stark eingeschränkt und findet im Extremfall gar nicht statt. Die Böden verlieren so mit den Nährstoffen an Fruchtbarkeit und die Monokulturen sind anfällig, etwa in Zeiten von Dürren oder anderen Krisen. Die Ökolandwirtschaft hingegen setzt auch hier auf Vielfältigkeit und häufig wechselnde Kulturarten auf einer Fläche. So folgt zum Beispiel auf Kartoffel die Zuckerrübe und dann der Mais. Das schont die Böden und laugt sie nicht aus. Eine durchdachte Fruchtfolge sorgt neben der Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit dafür, Schädlinge und Unkräuter in Schach zu halten.

Pestizide: Der Maiszünsler beispielsweise hat es – wie der Name bereits vermuten lässt – auf Mais abgesehen. Wächst aber stattdessen Weizen auf dem Acker, hat er keine Chance, sich auszubreiten. Unerwünschte Pflanzen können sich schwerer durchsetzen, wenn zwischendurch Gemüsearten angebaut werden, die deren Wachstum unterdrücken. Reine Getreidefruchtfolgen dagegen begünstigen die Ausbreitung unerwünschter Gräser. Zusammen mit einer mechanischen Unkrautregulierung ist durch pflanzliche Vielfalt der Verzicht auf chemische Pestizide möglich. Ein kompletter Verzicht auf Pestizide führt zu Ertragseinbußen, aber die Vorteile für die Gesellschaft sind immens. Für die Betriebe ist dies nur im Rahmen eines Umbaus der Landwirtschaft zu stemmen, der von der Bundesregierung mit einer gezielten Förderung (EU-Agrarsubventionen) und mit verbindlichen Vorgaben umgesetzt werden muss. 

Vielfalt: Im Ökolandbau haben auch Wildpflanzen eine Aufgabe. Wer sich schon einmal über Sonnenblumen am Ackerrand gewundert haben sollte: Diese sind – wie auch andere Blumen – dazu da, Nützlinge anzuziehen und Ökosysteme zu stabilisieren.

Tierhaltung: Zu den Grundsätzen nachhaltiger Landwirtschaft zählt auch die möglichst artgerechte Tierhaltung. Dazu gehören deutlich mehr Platz, regelmäßiger Auslauf und artgerechtes Futter (z B. Gras, Heu) in Bio-Qualität; ohne Gentechnik und zumindest in Teilen vom eigenen Hof. Futter, das allein auf Leistung ausgerichtet ist, ist ebenso verboten wie beispielsweise die Käfighaltung (gesetzlich noch bis 2025 erlaubt) für Legehennen oder Vollspaltenböden für Schweine. Solch eine tierfreundlichere Haltung verschafft den Tieren ein besseres und zudem oft gesünderes Leben. Erkranken trotz der besseren Haltung und der Präventionsmaßnahmen Tiere in Ökobetrieben, kommen alternative Behandlungsmethoden in Frage. Und erst wenn diese scheitern, dürfen, unter strenger Kontrolle und auch nur eingeschränkt, chemische-synthetische Medikamente eingesetzt werden. Durch den restriktiven Umgang mit Antibiotika gelangen viel weniger Medikamentenrückstände in Böden und Gewässer und auch die Gefahr der Resistenzbildung bei Krankheitserregern ist deutlich geringer.

Gentechnik: Und last but not least sind Öko-Landwirtschaft und Gen-Pflanzen unvereinbar. Die Gentechnikindustrie produziert wenige Hochertragssorten – meist für die Fütterung von Tieren und unter enormem Pestizideinsatz. Der Öko-Betrieb hingegen setzt auf robuste Sorten und Vielfalt. Denn nur eine Vielfalt an genetischen Ressourcen ermöglicht die Züchtung neuer Sorten, die den vielfältigen zukünftigen Anforderungen gewachsen sind.

GUT FÜR MENSCH UND UMWELT

Durch diese Art des Wirtschaftens bleibt wertvoller Boden für die Produktion unserer Lebensmittel auch für künftige Generationen erhalten. Trinkwasser und Oberflächengewässer werden nicht belastet, die Meere nicht überdüngt. Ökolandbau fördert die Artenvielfalt und produziert gesunde Lebensmittel, ohne unsere Lebensgrundlagen zu zerstören. Die Klimabilanz ist gegenüber konventioneller Landwirtschaft deutlich besser. Für das Kursbuch Agrarwende hat Greenpeace untersuchen lassen, wie ein Umbau des Sektors, hin zu einer ökologisierten Landwirtschaft, den Ausstoß von Treibhausgasen massiv senken kann.

Um den Anteil von derzeit 10 auf die angepeilten 20 Prozent Ökolandbau in Deutschland zu steigern, muss die Politik die Umstellung erleichtern. Viele konventionelle Betriebe scheuen noch die Umstellung wegen der nötigen Investitionen, der Pachtpreise und der Konkurrenz durch günstige Bio-Importware. Attraktive Förderprogramme vereinfachen den Umstieg und ermöglichen Planungssicherheit. Auch der Staat selbst kann als großer Abnehmer von Lebensmitteln diesen Strukturwandel vorantreiben und mit der Umstellung der öffentlichen Verpflegung auf Bio die Nachfrage nach ökologisch hergestellten Lebensmitteln steigern.

KANN EINE ÖKOLOGISIERTE LANDWIRTSCHAFT DIE WELT ERNÄHREN?

Ja! Langfristig kann sogar nur eine Umstellung auf mehr Nachhaltigkeit die Welternährung sicherstellen. Denn die industrialisierte Landwirtschaft lebt über ihre Verhältnisse. Sie befeuert die Klimakrise. Ressourcen wie Böden und Wasser werden zugunsten kurzfristig hoher Erträge so strapaziert, dass fruchtbare Ackerflächen langfristig zerstört werden. Ein System, das sich nicht lange aufrecht erhalten lässt.

Die ökologische – und im geringeren Maße auch die ökologisierte konventionelle Landwirtschaft – mag in den Industrieländern etwas geringere Erträge liefern als die industrialisierte. Doch gezielte Förderung von Forschung und Entwicklung kann in diesem Bereich durchaus noch Verbesserungen erzielen. Und in den Ländern des Südens sieht es sowieso anders aus: Die Erfahrung zeigt hier, dass mit Ökolandbau gleich hohe oder sogar höhere Erträge zu erzielen sind. Das ist nicht verwunderlich, denn die ökologische Bearbeitung des Bodens erhält die Bodenfruchtbarkeit, verringert die Erosion, erhöht die Wasserspeicherkapazität und macht ihn so resistenter gegen Krisen. Eigenschaften, die an schwierigen Standorten beispielsweise in großen Teilen Afrikas zu besseren Ernten führen.

Doch eines ist auch klar: Solange wir weltweit ein Drittel aller produzierten Lebensmittel wegwerfen und in Deutschland fast 60 Kilogramm Fleisch pro Kopf und Jahr verspeisen, werden wir das Hungerproblem nicht lösen. Wir müssen umdenken!

Kursbuch Agrarwende 2050

Weniger Lebensmittel wegwerfen, geringerer Fleischkonsum, mehr Obst, Gemüse und Getreide: der Plan für eine ökologisierte Landwirtschaft in Deutschland

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