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Klimaschutz ist billig - Klimawandel wird teuer

Der Klimawandel hat seit heute ein Preisschild: zwischen fünf und 20 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Jährlich. Für immer. So viel wird es kosten, wenn die Welt inaktiv bleibt und die globale Durchschnittstemperatur sich bis 2050 um bis zu fünf Grad erhöht. Das meint jedenfalls Sir Nicholas Stern, der ehemalige Chefökonom der Weltbank. Er hat im Auftrag der Britischen Regierung eine Studie zu den ökonomischen Folgen des Klimawandels erstellt und sie am Montag in London präsentiert.

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Dabei dreht es sich - das globale BIP von 2004 zugrundegelegt - um eine Summe irgendwo zwischen 1,6 und 6,2 Billionen Euro. Die Kosten entstehen durch mehr Naturkatastrophen, Verschiebung der Klimazonen, Wassermangel, gefährdete Nahrungsmittelproduktion und die Notwendigkeit der Anpassung an all diese geänderten Rahmenbedingungen. Besonders betroffen sind ausgerechnet die ärmsten Länder der Welt - diejenigen, die am wenigsten zur Klimaveränderung beigetragen haben.

Gleichzeitig hat Sir Nicholas auch den dringend notwendigen Maßnahmen gegen den Klimawandel ein Preisschild verpasst. Für nur ein Prozent des globalen BIP - immer noch stattliche rund 300 Milliarden Euro pro Jahr - können wir den Ausstoß der Treibhausgase bis 2050 auf ein noch erträgliches Maß eindämmen.

Die Studie schreckt auf, sie zeigt aber auch, dass Klimaschutz keine technische Frage ist, sondern eine höchst politische. Jeder Euro, den wir heute für Erneuerbare Energien ausgeben, ist besser angelegt, als in Zukunft Jahr für Jahr für die Schäden von Unwetterkatastrophen in Folge des Klimawandels zu zahlen, sagt Greenpeace Klimaexperte Karsten Smid.

Nachfolge für Kyoto-Protokoll gesucht

Die Studie wird Zündstoff liefern für die Debatten im kenianischen Nairobi. Dort wird vom 6. November an über eine Nachfolge für das Kyoto-Protokoll verhandelt. Das Kyoto-Protokoll läuft nur bis 2012 und hat etliche gravierende Schwächen, die in einem Nachfolgeabkommen verbessert werden müssen.

So sind Entwicklungsländer, darunter die bevölkerungsreichsten Staaten China und Indien, bislang nicht zur Eindämmung ihrer Treibhausgasemissionen verpflichtet. Die - viel zu geringen - Einsparungen in den Industrienationen werden vom Wachstum insbesondere in Asien mehr als wettgemacht.

Die Zeit wird knapp, das Zeitfenster in dem wir handeln können wird immer enger. Es kommt auf die nächsten zehn Jahre an, ob wir diesen Herausforderungen gerecht werden. Es ist unsere Generation, die die Verantwortung für unser zukünftiges Klima trägt, so Smid. Die Politik muss den Klimaschutz ganz oben auf die Agenda setzen, nicht nur in Nairobi sondern auch auf dem kommenden G8-Gipfel in Deutschland.

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