Greenpeace-Pressekonferenz mit Javier Bardem zum Schutz der Antarktis

Filmreife Leistung

Oscar-Preisträger Javier Bardem machte sich heute in Berlin gemeinsam mit Greenpeace für den Schutz der Antarktis stark. Was es dort zu bewahren gilt, hat er sich selbst angesehen.

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„Können wir das Licht etwas dimmen? Es ist schließlich Berlinale.“ Der Große Salon des Berliner Ensembles ist zwar keine Spielstätte des Filmfestivals. Doch weil Kinostar Javier Bardem (Oscar für „No Country for Old Men“) der Presse Rede und Antwort stand, verwandelte sich der Konferenzraum auf sein Betreiben dann doch für zehn Minuten in einen Kinosaal. Pressevertreter und per Livestream zugeschaltete Zuschauer bekamen majestätische Bewegtbilder aus dem Weddellmeer zu sehen, zu hören war Bardems ergriffener Kommentar. Greenpeace hatte zu der Pressekonferenz am Vormittag eingeladen, neben Bardem saßen Greenpeace-Meeresexpertin Dr. Sandra Schöttner und die Antarktisforscherin Susanne Lockhart auf dem Podium. Ihr gemeinsames Anliegen: das größte Meeresschutzgebiet der Welt im Südpolarmeer schaffen.

Nachdem Moderatorin und Greenpeace-Pressesprecherin Antje Rudolph die Referenzen der beiden Expertinnen erläutert hatte, stellte Bardem umgehend fest: „Ich bin kein Fachmann für irgendwas.“ Um in der allgemeinen Erheiterung fortzufahren: „Aber ich war da.“ Mit seinem Bruder Carlos und dem Dokumentarfilmer Álvaro Longoria fuhr Bardem sieben Tage an Bord der Arctic Sunrise mit.

Kathedralen aus Eis

Sein fehlendes Fachwissen ist kein Manko, sondern die Stärke des Films, von dem bislang nur ein Teil fertiggestellt ist – der Blick des Laien, der dennoch begreift. „Ich war dort, um die Antarktis mit euren Augen zu sehen“, sagte Bardem, der von der Leinwand staunend von „Schlössern und Kathedralen aus Eis“ sprach. Die Schönheit, die es zu schützen gilt, will er mit filmischen Mitteln beschreiben.

Die größeren Zusammenhänge zu erläutern, war die Aufgabe von Sandra Schöttner und Susanne Lockhart. Die Greenpeace-Meeresexpertin erklärte die Ausmaße des geplanten Schutzgebietes und warum Greenpeace gerade jetzt so intensiv darum wirbt. Mit einer Fläche von 1,8 Millionen Quadratkilometern wäre das Schutzgebiet im Weddellmeer das größte seiner Art weltweit. Im Oktober wird die Kommission zum Schutz der Antarktis CCAMLR über die Einrichtung abstimmen, den Vorschlag brachte die deutsche Bundesregierung ein.

Doch selbst wenn vieles für eine Entscheidung im Sinne des Meeresschutzes spricht: Eine ausgemachte Sache ist das nicht. Die Fischereiindustrie dringt immer tiefer in antarktische Gewässer vor – eine Folge der Erderhitzung und schmelzender Eisdecken. Deswegen benötigt die Antarktis den Schutz der Politik; auch vor Ländern, deren Interesse mehr der Wirtschaft als dem Umweltschutz gilt.

Mehr als schöne Bilder

Die Erkundung des Weddellmeers in einem Unterseeboot sollte darum auch mehr als schöne Bilder produzieren. Susanne Lockhart erläuterte den Zweck der insgesamt acht Tauchgänge: Je mehr wissenschaftliches Material der Kommission vorliegt, umso kompromissloser kann das Urteil ausfallen. Dank der Greenpeace-Expedition steht sehr wahrscheinlich fest, dass es sich beim Meeresgrund im Weddellmeer um ein empfindliches Meeresökosystem handelt, das eines besonderen Schutzes bedarf.

Blieb noch die Frage, ob Bardem, der im fünften Teil der „Fluch der Karibik“-Filmreihe immerhin einen untoten Schiffskapitän spielte, auch im echten Leben seefest ist: Nicht wirklich. „Ah, die gefürchtete Drake-Passage?“ kommt die Frage von den erfahrenen Seeleuten neben ihm. „Nein nein, mir war schon schlecht, als die See noch ruhig war.“

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