Chance auf einen Nationalpark im Spessart

Schluss mit der Märchenstunde

Die Gegner des geplanten Nationalparks im Spessart sind laut und präsent. Doch sie vertreten nicht die Mehrheit der Bevölkerung in der Region, stellt eine aktuelle Umfrage fest.

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Geschichten über Hexen, Riesen oder Wassergeister: Dass über den Spessart Märchen erzählt werden, ist nichts Neues. Derzeit wird dort jedoch unter anderem mit Unwahrheiten über mögliche Verbote und Nachteile gegen einen möglichen Nationalpark Stimmung gemacht. Deshalb stellt Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der Umweltverbände BUND, WWF, LBV und Greenpeace in München eine aktuelle Umfrage vor und ein paar Fakten zum Nationalpark Spessart richtig. So soll beispielsweise der uneingeschränkte Zugang für die Bevölkerung entgegen vieler Befürchtungen auch im Nationalparkgebiet bestehen bleiben.

Ein dritter Nationalpark in Bayern ist bereits beschlossene Sache – das Umweltministerium ist noch auf der Suche nach einem geeigneten Standort. Der derzeit aussichtsreichste Kandidat dafür liegt im Spessart, rund ein Zehntel der Waldfläche ist vorgesehen. Hier darf Natur sich selbst überlassen sein. Ministerpräsident Horst Seehofer wie Umweltministerin Ulrike Scharf (beide CSU) stehen hinter dem Projekt, doch einige Gegenstimmen, teils aus der eigenen Partei, fahren eine Desinformationskampagne. Sie nehmen der Region die Chance auf einen fairen, sachlichen Dialog.

Lautstark dagegen

Die Bilder kennt jeder im Spessart: Mit Trillerpfeifen, Treckern und Motorsägen erteilten die Gegner, darunter Waldeigner und Holzproduzenten, dem Nationalpark von Beginn an eine laute Absage. „Nationalpark – Nein danke!“ steht auf den Schildern einiger Demonstranten. Sie erwecken den Eindruck, als sprächen sie für große Teile der Bevölkerung. Die Umweltverbände wollten wissen, wie die Menschen in der Region denn nun wirklich zu einem Nationalpark stehen. Dazu wurden insgesamt 1000 Bewohner der Landkreise Aschaffenburg, Miltenberg, Main-Spessart, Würzburg sowie der Städte Würzburg und Aschaffenburg befragt. Das Ergebnis: 64 Prozent befürworten einen Nationalpark im Spessart, vor allem unter jungen Leuten ist die Zustimmung hoch.

Sie haben die Argumente auf ihrer Seite: Vor allem die alten Laubwälder sind heute eine Seltenheit in Deutschland; sie sind Heimat zahlreicher Pflanzen und Tierarten. Der geplante Nationalpark würde zwar lediglich 6,4 Prozent der Gesamtfläche des Spessarts einnehmen, doch auf diesem verhältnismäßig kleinen Raum könnte er bereits große Wirkung entfalten. Zudem belebt ein Nationalpark den Tourismus in der Region.

Nationalpark-Mythen

Die Umfrage belegt allerdings ebenfalls, dass sich Mythen in den Köpfen der Menschen festgesetzt haben, die das Umweltministerium dringend ausräumen muss. Demnach würden 73 Prozent derer, die einen Nationalpark bisher nicht befürworten, eher dafür sein, wenn der Zugang und die Waldnutzung durch die Bevölkerung nicht eingeschränkt würden. Dabei hat die bayerische Landesregierung bereits klargestellt, dass ein Betretungsverbot in einem potenziellen Nationalpark im Spessart wohl nicht erforderlich ist. 

Auch über den Fortbestand der Spessart-Eiche wird viel spekuliert. Gegner des Nationalparks sprechen sogar von einem „Ausrottungsprogramm der Eiche“, da sie fürchten, dass ohne menschliche Eingriffe Buchenwälder überhand nehmen. Dabei würde ein Nationalpark nur einen kleinen Teil des Spessartwaldes umfassen. Außerdem zeigt eine vom Umweltministerium in Auftrag gegebene Expertise von Prof. Dr. Jörg Müller von der Uni Würzburg, dass die Eiche auf Grund der heutigen Baumartenzusammensetzung und Altersverteilung sogar über die nächsten Jahrzehnte hinaus nicht gefährdet ist.  

„Die Mehrheit der Menschen im Spessart sehen die Chance für ihre Region und die Natur – sie geben dem Nationalpark grünes Licht“ sagt Martin Kaiser. „Dies sollte mehr als genug Ansporn für Ministerpräsident Seehofer und seine Regierung sein, der derzeitigen Desinformationskampagne eine Informationskampagne entgegenzusetzen.“ 

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