Antworten auf zehn häufige Fragen zur Energiewende

Seit über zehn Jahren sorgt das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) in Deutschland für ein stetes Wachstum im Bereich erneuerbarer Energieversorgung. Trotz der Erfolgsbilanz wollen viele Politiker und Industrielobbyisten die gesetzliche Förderung der Erneuerbaren wieder abschaffen und machen sie für steigende Strompreise verantwortlich. Die folgende Übersicht soll zur Orientierung in der Debatte beitragen.
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1. Die Strompreise steigen. Ist die Energiewende schuld?

Kaum. Die Erneuerbaren Energien sind nur für ein Zehntel des Preisanstiegs verantwortlich. In den letzten zehn Jahren ist der Strompreis zwar um über 50 Prozent gestiegen, das lag aber vor allem an steigenden Kosten für Kohle, Gas und Öl. Die Erneuerbaren Energien werden dagegen immer billiger.

2. Wer ist Schuld an der steigenden EEG-Umlage?

Im nächsten Jahr steigt die Umlage vor allem, weil sie 2012 von der Bundesregierung "gedrückt" wurde - das angesammelte Defizit muss nun ausgeglichen werden und lässt die EEG-Umlage um 42 Prozent steigen. Die Vergünstigungen für die Industrie schlagen mit 21 Prozent zu Buche. Nur etwa zwölf Prozent des Anstiegs wird durch neue Windkraft- und Solaranlagen verursacht. Zehn Prozent machen gesunkene Börsenstrompreise aus, weil die Erneuerbaren Energien teure Kraftwerke aus dem Markt drängen. Diese Preissenkungen an der Börse erhöhen die EEG-Umlage selbst - denn diese berechnet sich aus der Differenz zwischen dem Börsenstrompreis und den garantierten Vergütungssätzen für Erneuerbare Energien.

3. Wird Strom in Zukunft auch teurer?

Zunächst wird der Strompreis noch weiter steigen. Doch schon in wenigen Jahren werden die Erneuerbaren Energien die Garanten für bezahlbare Energie, während fossile Energieträger immer teurer werden.

4. Gehört das EEG abgeschafft?

Auf keinen Fall. Das EEG ist das günstigste und wirksamste Instrument zur Förderung Erneuerbarer Energien. Das EEG sorgt für Investitionssicherheit und übt zudem einen Innovationsdruck aus. Denn da die Vergütungen für grünen Strom immer weiter sinken, müssen die Anlagen technisch besser und billiger werden. Dies gelingt bereits sehr gut. Die Kosten für Solar- und Windstrom sinken kontinuierlich. Photovoltaik-Anlagen sind zum Beispiel durch das EEG in sechs Jahren um 65 Prozent günstiger geworden.

5. Warum wechseln wir nicht zum Quotenmodell?

Bei einem Quotenmodell müssen Stromversorger eine bestimmte Quote an Ökostrom in ihrem Strommix nachweisen. Dies führt letztendlich dazu, dass nur noch die billige Windenergie an Land installiert würde. Dies hebelt die natürliche Ergänzung von Wind- und Sonnenenergie aus und braucht mehr teure Speicher. Und es bevorzugt die großen Energieversorger zu Lasten der kleinen Investoren. Zudem verlangen Investoren beim Quotenmodell aufgrund geringerer Planungssicherheit hohe Risikoprämien, die den erneuerbaren Strom verteuern. Deshalb schafft Großbritannien sein Quotenmodell gerade wieder ab -die Kilowattstunde Windstrom kostet entschieden mehr als im deutschen System.

6. Sind Kohle- und Atomstrom nicht viel billiger?

Kohle- und Atomstrom ist nur auf dem Papier billig. Fast eine halbe Billion Euro an Subventionen lassen die alten Energien heute billig aussehen. Ihr Vorteil: Wir sehen diese Kosten nicht auf der Stromrechnung - anders als beim EEG. Würde man alle Subventionen und Folgekosten von Kohle und Atom auf die Verbraucher umlegen, müssten wir einen Aufschlag von 10,2 Cent pro Kilowattstunde zahlen - das wäre fast dreimal so viel wie die derzeitige EEG-Umlage.

7. Muss der Ausbau der Erneuerbaren gedrosselt werden?

Die Windkraft in Norddeutschland aus Kostengründen zu drosseln - wie momentan vielerorts propagiert wird -, ist der falsche Schritt. Denn sie produziert den günstigsten und stetigsten erneuerbaren Strom. Auch der zu langsam voranschreitende Netzausbau ist kein Argument - denn genau hier braucht es politischen Handlungsdruck, um das Tempo zu erhöhen. Der Netzausbau darf für den Erfolg der Energiewende nicht verzögert werden. Insgesamt sollte das Tempo beim Ausstieg aus Atomkraft und Kohle hoch bleiben, denn von diesen Technologien gehen weiterhin Gefahren aus.

8. Wird Deutschland seine Industrie trotz Energiewende halten können? Gehen Arbeitsplätze verloren?

Deutschlands Industrie ist insgesamt ein Gewinner der Energiewende. Erstens ist die stromintensive Industrie weitgehend von den Mehrkosten für Erneuerbare Energien befreit: Sie verbraucht 18 Prozent des deutschen Stroms, beteiligt sich aber nur zu 0,3 Prozent an der Energiewende. Zweitens kauft sie ihren Strom dank Energiewende billiger ein, weil Wind und Sonne die Börsenpreise nach unten drücken.

Zudem ist die Energiewende ein wahrer Job- und Wachstumsmotor. Inzwischen haben die Erneuerbaren Energien fast 400.000 Arbeitsplätze geschaffen. Dies ist weit mehr als bei Kohle- und Atomkonzernen weggefallen ist.

9. Was passiert, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint?

Um den schwankenden Wind- und Sonnenstrom auszugleichen, helfen Netzausbau, Anpassung von Angebot und Nachfrage und Stromspeicher. Mehr Stromleitungen helfen, den Strom besser zu verteilen; stromintensive Industrieprozesse können in Zukunft für einige Minuten oder Stunden problemlos verschoben werden, um sie dem Stromangebot anzupassen. Neben zusätzlichen Stromspeichern kommen innovative Technologien wie die Umwandlung von Strom zu Gas zum Zuge. Damit koppelt man die Speicherfähigkeit des Gasnetzes mit der Stromversorgung. Auf dem Weg dahin werden flexible Gaskraftwerke eingesetzt.

10. Droht im Winter der Blackout?

Deutschland hat genug Kraftwerke, um die Energieversorgung auch im Winter aufrecht zu erhalten. Eine aktuelle Studie attestiert der Bundesrepublik ein sehr hohes Niveau an Versorgungssicherheit. Im gesamten letzten Jahr musste der durchschnittliche Stromkunde lediglich 16 Minuten Stromausfall verzeichnen - im internationalen Vergleich ein absoluter Spitzenwert.

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