Brasiliens Urwald wird für Soja zerstört. Lichtblick: das Soja-Moratorium

Soja-Monokulturen statt Urwald

Die Produktion von Soja in Südamerika hat Hochkonjunktur. Je höher die Weltmarktpreise, desto besser das Geschäft. Und die Preise sind hoch. Brasilien ist nach den USA der weltgrößte Produzent von Soja, die sich seit Ende des 20. Jahrhunderts von Süden aus immer weiter in die Regenwälder Amazoniens hineingefressen hat.
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Während die Region früher zu abgelegen und daher die Transportpreise zu hoch waren, um dort mit Gewinn Ackerbau für den Export zu betreiben, haben neue Straßen und Hafenterminals seit 2000 dafür gesorgt, dass sich das Geschäft rechnet – vor allem im Bundesstaat Mato Grosso. Dort gehen die Entwaldungen zu knapp 50 Prozent auf das Konto der Landwirtschaft.

Hauptverantwortliche für den rasanten Ausbau der Soja-Landwirtschaft sind große Agrarhandelsunternehmen wie ArcherDanielsMidland (ADM), Bunge oder Cargill, die für Kredite, Saatgut und Maschinen sorgen und den Farmern auch die Abnahme der Sojabohnen garantieren. Cargill hat hierfür in Santarem eigens ein neues Hafenterminal gebaut – ohne Baugenehmigung, für die eine Umweltverträglichkeitsprüfung gebraucht worden wäre. Auch ADM und Bunge haben ihre Lagerkapazitäten in der Amazonas-Region stetig ausgebaut.

Greenpeace verfolgt den Weg der Soja bis Europa

In der Umgebung der Silos der Handelsmultis schwand der Urwald besonders schnell. Abgeholzte, abgebrannte und per Bulldozer freigelegte Flächen wandelten sich in Jahresfrist zu riesigen Sojafeldern. Nicht selten sind darunter Gebiete, die dem Staat gehören, die eventuell als Schutzgebiete vorgesehen sind oder von indigenen Völkern beansprucht werden, die aber keine Landtitel besitzen. In der Mehrzahl handelt es sich jedoch um Privatbesitz.

Die so produzierten Sojabohnen landen in den europäischen Getreidemühlen der Agromultis und werden zu Sojaöl und -mehl zerquetscht. Aus dem Sojamehl werden hinterher Pellets, die als Tierfutter in der Massentierhaltung bei Hühnern, Schweinen und Rindern zum Einsatz kommen. Greenpeace verfolgte den Weg der Soja aus Amazonien über das Cargill-Terminal in Santarem bis nach Europa und dort in die Chicken McNuggets von McDonalds – und zu so gut wie jeder anderen Fast-Food-Kette und den großen Supermarktketten.

Der Erfolg: Das Soja-Moratorium

Damit konfrontiert, schlossen sich die Fast-Food-Kette und Supermärkte der Forderung von Greenpeace an die Sojahändler an, keine Soja mehr von frisch gerodeten Urwaldflächen abzunehmen. Der Druck war offenbar stark genug: 2006 verpflichteten sich die Verbände der Sojaindustrie in Brasilien zu einem zweijährigen Moratorium, das von da an immer wieder verlängert wurde. Seit 2006 nehmen ADM, Bunge, Cargill und andere keine Soja mehr von kürzlich umgewandelten Regenwaldflächen an und leisten auch keine Kredite für Saatgut mehr an die identifizierten Farmer. Das Moratorium hat für eine erhebliche Reduzierung der Einschlagraten gesorgt. 2006 wurden nur einige zehntausend Hektar Wald mit Soja bepflanzt. 

Im Jahr 2016 dann der ganz große Erfolg: Das Soja-Moratorium wird entfristet.

(Autor: Helge Holler)

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