Der Greenfreeze - Geschichte eines Siegeszugs

Es war ein Volltreffer. Am 15. März 1993 verließ der erste Greenfreeze das Werk der Firma DKK Scharfenstein in Sachsen - und trat eine Lawine los, die selbst kühnste Hoffnungen übertraf. Das Greenpeace-Kind, der weltweit erste FCKW- und FKW-freie Kühlschranktyp, mischte die Kühlschrankindustrie auf.
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Seit jenem 15. März 1993 sollen rund 600 Millionen Kühlgeräte nach Greenfreeze-Standard hergestellt und verkauft worden sein. Eine Zahl, die damals unvorstellbar war. Der Anteil auf dem Weltmarkt beträgt 2012 über 40 Prozent. Der Atmosphäre blieben Treibhausgasemissionen in der Größenordnung von über einer Milliarde Tonnen Kohlendioxid erspart. Das ist mehr als der gesamte jährliche CO2-Ausstoß Deutschlands.

"Diesen Erfolg hätten wir uns nicht träumen lassen, das ist eine echte Revolution. Wir freuen uns sehr darüber, wie viel wir bewirkt haben", sagt Wolfgang Lohbeck, der als Greenpeace-Kampagnenleiter den Greenfreeze auf den Weg gebracht hat.

Dran bleiben - und ein bisschen Glück haben

Greenpeace begann bereits in den Achtzigerjahren eine Kampagne gegen den Ozonkiller FCKW. Als die Chemieindustrie die noch schlimmere Substanz FKW als Ersatz einführte, kämpfte Greenpeace auch gegen deren Verbreitung.

Lohbeck erzählt, wie die Chemieindustrie sich damals selber den Knock-out verpasst hat: Die haben bundesweit Flugblätter gegen Greenpeace verteilt. Darauf haben sie behauptet, Greenpeace nehme den Tod von Kindern in der Dritten Welt in Kauf, weil ohne FCKW/FKW zum Beispiel Impfstoffe nicht mehr gekühlt werden könnten. Das war für uns der Punkt, wo wir gesagt haben, wir müssen selber nach Lösungen suchen. Die Industrie tut's nicht.

Drei Jahre lang vertieften sich Lohbeck und das Team in Kältetechniken. Dann wurden sie fündig: In einem Labor des Dortmunder Hygiene-Instituts trafen wir einen Doktor, der ganz erstaunt fragte: "Wo ist das Problem? Ich kühle immer mit Butan/Propan." Das war's.

Nun fehlte nur noch ein Hersteller - und den schenkte uns die Wiedervereinigung. Der größte ostdeutsche Kühlschrankhersteller, die sächsische Firma DKK Scharfenstein/später Foron, stand damals vor der Liquidierung durch die Treuhand. Von rund 5000 Arbeitsplätzen waren noch 1700 übrig geblieben. DKK sah im Angebot, mit Greenpeace beim Greenfreeze zusammenzuarbeiten, die große Chance und griff zu.

Der Treuhand gefiel das nicht. Sie wollte abwickeln. Lohbeck: Greenpeace und Foron wollten damals gemeinsam eine Pressekonferenz abhalten. Die Treuhand verbot das schlichtweg. Foron ignorierte das Verbot, die Pressekonferenz fand statt. Und dann kam tatsächlich jemand von der Treuhand eigens per Hubschrauber angereist, drängelte sich aufs Podium und wollte die Veranstaltung an sich reißen. Mit dem Ergebnis, dass er von ungefähr 170 Journalisten ausgebuht wurde. Bessere Werbung konnten wir gar nicht bekommen.

Die erste öffentliche Vorstellung des Greenfreeze entfachte sofort den gesammelten Widerstand der etablierten Kühlschrankhersteller. Die großen Sieben der Branche forderten den Handel schriftlich zum Boykott auf. Doch schon ein Jahr darauf hatte sich die gesamte deutsche Branche auf die neue Technik eingelassen, wenig später war ganz Europa Greenfreeze-Land. Mit China begann die weltweite Verbreitung.

Nur ein Land verweigerte sich dem Greenfreeze hartnäckig: die USA. Die US-Großchemie, im Verbund mit Behörden und Lobbygruppen, bekämpfte die "German technology" erbittert, um ihre Marktanteile auf Kosten des Klimas zu sichern. Fast 20 Jahre dauerte es, bis Ende 2011 endlich auch US-amerikanische Verbraucher ihre Lebensmittel klimafreundlich kühlen konnten. Der Greenfreeze war in den USA angekommen.

Neues Problemfeld: Klimaanlagen

Auch andere Branchen wenden sich inzwischen den natürlichen Kältemitteln zu. Seit vier Jahren haben sich unter Vermittlung von Greenpeace Weltfirmen wie McDonald's, Coca Cola, Pepsi, Ikea, Carlsberg und Unilever zusammengeschlossen, um FKW schrittweise zu verbannen. Doch der Konflikt ist noch nicht ausgestanden.

Lohbeck warnt deshalb, sich nicht zu früh zu freuen: Die Gefahr ist nicht gebannt. FKW sind weiter auf dem Vormarsch. Auch die Bundesregierung ist gefordert, sie muss alle Anwendungen von FKW stufenweise verbieten.

Die meisten Klimaanlagen in Supermärkten und PKW werden heute weltweit noch mit FCKW betrieben. Hier steht die Umstellung bevor - auf FKW, nicht auf natürliche Kältemittel. Dafür sorgt die chemische Industrie, die massiv Druck ausübt. Wenn hier nicht gegengesteuert wird, könnten FKW einer Greenpeace-Studie zufolge bis 2050 fast zehn Prozent des globalen Treibhauseffekts verursachen. Das ist mehr als der gesamte heutige Autoverkehr weltweit. Damit wäre kein Klimaschutzziel mehr zu erreichen.

Über zehn Jahre Greenfreeze - ein weltweiter Erfolg

FCKW schädigen die Ozonschicht; FKW heizen das Klima auf. Aus diesem Grund entwickelte Greenpeace mit Wissenschaftlern zusammen den Kühlschrank Greenfreeze mit natürlichen Kältemitteln wie Propan und Butan.

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