Ökologische Waldnutzung und Zertifizierung

Der FSC: Siegel für guten Wald und gutes Holz

Der Forest Stewardship Council (FSC) hat Kriterien und Prinzipien für eine verantwortungsvolle Forstwirtschaft definiert. Nach diesen vergibt er für bewirtschaftete Wälder und Produkte ein Gütesiegel. Als Mitglied des FSC arbeitet Greenpeace aktiv mit, das FSC-Zertifizierungssystem ständig zu verbessern. Es muss an die aktuellen weltweiten Entwicklungen angepasst werden, damit es seine Ansprüche und Integrität bewahren kann. Greenpeace empfiehlt den Kauf von FSC-zertifizierten Holzprodukten, auch wenn es nach wie vor Verbesserungsbedarf am FSC gibt.
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Im Jahr 2014 feiert der FSC sein 20-jähriges Bestehen. Das nehmen wir zum Anlass, die Entwicklungen der FSC-Zertifizierung näher unter die Lupe nehmen – wir veröffentlichen internationale Fallstudien, aber auch vierteljährliche Updates, mit unserer Kritik und unseren Verbesserungsvorschlägen.   

Greenpeace empfiehlt den Kauf von FSC-zertifizierten Holzprodukten, auch wenn es nach wie vor Verbesserungsbedarf am FSC gibt. Damit der FSC seine Stellung als das einzig glaubwürdige Zertifizierungssystem behält und Produkte mit dem FSC-Siegel ihre privilegierte Marktstellung behalten, müssten unserer Meinung nach die von Greenpeace angesprochenen Probleme dringend  angegangen werden. Ansonsten können Unternehmen ihren Kunden nicht mehr die gewünschte Garantie bieten, dass die zertifizierte Ware aus einer ökologisch nachhaltigen und sozial verantwortungsvollen Waldwirtschaft stammt.

Ökologie und Ökonomie zusammenbringen

Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine unabhängige, gemeinnützige Nicht-Regierungsorganisation, die 1993 als ein Ergebnis des Umweltgipfels in Rio de Janeiro gegründet wurde. Heute ist der FSC in über 80 Ländern mit nationalen Arbeitsgruppen aktiv, die Zentrale sitzt in Bonn.

Ziel und Herausforderung des FSC ist eine ökologisch nachhaltige, sozial förderliche und ökonomisch rentable Bewirtschaftung von Wäldern weltweit. Um diese drei recht unterschiedlichen Anforderungen an das Zertifizierungssystem zu berücksichtigen, besteht der FSC aus drei Kammern, einer Umweltkammer, einer Sozialkammer und einer Wirtschaftskammer, in denen Umweltorganisationen, Menschenrechtsgruppen, Gewerkschaften, Mitglieder indigener Völker und Unternehmen vertreten sind und gemeinsam über die Standards des FSC streiten.

Der FSC hat zehn international verbindliche Prinzipien und 56 Kriterien für die Forstwirtschaft entwickelt. Diese werden zwar an die nationalen Gegebenheiten angepasst, müssen jedoch bei der Bewirtschaftung der Wälder berücksichtigt werden. Ob die Forstbetriebe die Regeln einhalten, wird von unabhängigen Prüfern, den Zertifizierern, kontrolliert. Sind alle Punkte erfüllt, wird das FSC-Gütesiegel vergeben. Sowohl die Wälder selbst als auch Holz- und Papierwaren aus diesen Wäldern können es bekommen. Ein Zertifikat ist fünf Jahre gültig, anschließend muss erneut geprüft werden.

Beispiele zeigen allerdings immer wieder, dass die Umsetzung der Prinzipien in der Praxis nicht so erfolgt wie angedacht. Daher werden zurzeit „International Generic Indicators“ (IGI) entwickelt, die weniger Spielraum für Interpretationen zulassen. 

FSC in Deutschland & Co.

Greenpeace war Mitglied der ersten Stunde, als 1997 in Bonn die FSC-Arbeitsgruppe Deutschland e.V. gegründet wurde. Der Sitz der Geschäftsstelle ist Freiburg. Auch der FSC Deutschland gliedert sich in drei Kammern. Zur Umweltkammer gehören neben Greenpeace zum Beispiel der BUND, der NABU, Oro Verde, Robin Wood und der WWF. In der Sozialkammer sind unter anderen der Bund Deutscher Forstleute, die Gütegemeinschaft Wald- und Landschaftspflege, die IG Bau und IG Metall. Die Wirtschaftskammer zählt die meisten Mitglieder mit so bekannten Namen wie Max Bahr, Otto Versand, Tetra Pak und Tchibo. Sogar Städte sind vertreten, darunter Hamburg mit der Behörde für Wirtschaft und Arbeit, das Stadtforstamt Göttingen und die Stadtverwaltung Ingelheim. Auch Einzelpersonen können, je nach Hauptaugenmerk, in eine der drei Kammern eintreten.

Unabhängig von der Mitgliederzahl hat jede Kammer bei Entscheidungen das gleiche Gewicht und ist mit zwei Personen im Vorstand vertreten. Zu den wichtigsten Aufgaben der verschiedenen FSC-Ausschüsse zählen Öffentlichkeitsarbeit und ein intensiver Kontakt zu sämtlichen Branchen, die etwas mit Holzprodukten zu tun haben oder diese intensiv nutzen oder verkaufen.

Die nationalen Arbeitsgruppen des Forest Stewardship Council passen die internationalen Prinzipien und Kriterien an die nationalen beziehungsweise regionalen Verhältnisse an und entwickeln eigene Standards der Waldbewirtschaftung – denen die Dachorganisation zustimmen muss. Die aktuellen deutschen Standards sind auf www.fsc-deutschland.de nachzulesen. Sie werden derzeit revidiert und sollen 2015 in neuer Fassung vorliegen. 

Der FSC finanziert sich durch Spenden, durch Akkreditierungsgebühren und die regelmäßigen Beiträge der Mitglieder und Fördermitglieder.

Das Modell, Holz ausverantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern zu vermarkten, hat seit der Gründung des FSC weltweit Schule gemacht. In Deutschland sind derzeit knapp 545.000 Hektar Wald zertifiziert, verteilt auf 55 einzelne Regionen, weltweit sind es rund 183 Millionen Hektar in 80 Ländern mit 1229 einzelnen Zertifikaten (Stand: Oktober 2013). Europa und Nordamerika sind mit jeweils über 40 Prozent der Flächen am stärksten vertreten. 

FSC-Produkte kaufen

Viele Konsumenten wundern sich über die Fülle an FSC-Produkten auf dem deutschen Markt. Es gibt zertifiziertes Papier vom Kopierpapier über Geschenkpapier bis zur Tapete, es gibt Bücher und Zeitschriften, Bauholz und Brennholz, Möbel vom Gartenstuhl bis zum Doppelbett und diverse andere Holzprodukte – von der Wäscheklammer bis zum Kinderspielzeug. Ursprünglich gab es beim FSC nur eine Produktzertifizierung, wenn das Produkt zu 100 Prozent aus FSC-Holz stammt. Diese Praxis war jedoch bei Produkten wie beispielsweise Papier oder Spanplatten, die aus einer Mischung von Hölzern hergestellt werden, schwer umzusetzen. Daher entstand die Idee eines FSC-Mix-Labels. Dieses ermöglicht, FSC-Produkte auf den Markt zu bringen, die neben FSC-zertifizierten Materialien auch Material aus nicht zertifizierten Wäldern enthalten - allerdings müssen auch diese bestimmte Mindestanforderungen erfüllen, was in der Realität leider nicht immer gegeben ist. 

Dennoch sollten wir versuchen, weniger Ressourcen zu verbrauchen, zum Beispiel den Papierverbrauch zu reduzieren. Kaskadennutzung und Recycling müssen gefördert werden.

Andere Zertifikate

Konsumieren mit gutem Gewissen ist "in". Die Zahl der Verbraucher, die umwelt- und sozialverträgliche Waren nachfragen, ist gestiegen – gleichzeitig die Zahl von Siegeln auf dem Markt. Da gibt es zum Beispiel das PEFC (Pan European Forest Certification), das von der Forst- und Holzwirtschaft als Gegenreaktion auf den FSC gegründet wurde. Solche Industriezertifikate garantieren keine nachhaltige Waldwirtschaft. Hierfür ist das FSC-Siegel derzeit das einzige glaubwürdige internationale Siegel. In Deutschland haben wir außerdem noch das Waldzertifizierungssystem nach Naturland, das strenger ist als das des FSC.

Kritik am FSC – und was Greenpeace dazu sagt 

Das FSC-Zertifizierungssystem gibt im wesentlichen Antwort auf zwei Fragen: Woher stammt das Holz und wie kommt es zum Konsumenten? Zu Beginn der Produktionskette wird das Forest-Management-Zertifikat (FM) an Wälder vergeben, die nach den Richtlinien des FSC bewirtschaftet sind. Dabei werden ökologische, soziale und wirtschaftliche Kriterien beurteilt. Danach wird der Weg des Rohstoffes auf der kompletten Verarbeitungs- und Handelskette über die sogenannte Chain of Custody (COC) kontrolliert.

Der FSC ist derzeit die beste Zertifizierung für eine nachhaltige Waldwirtschaft. Kennzeichen des FSC sind die Beteiligung lokaler und indigener Bevölkerungsgruppen, Regierungsunabhängigkeit, Transparenz der Zertifizierungsberichte, ein Dreikammer-System (Wirtschaft, Umwelt und Soziales) mit gleichen Stimmenanteilen, ein Beschwerdeverfahren und anderes mehr.

Es werden jedoch immer wieder Unregelmäßigkeiten in dem internationalem System aufgedeckt, sowohl in den Waldkonzessionen und der Verarbeitungskette, als auch Mängel in den Standards. FSC muss diese Unregelmäßigkeiten, die auch von Greenpeace immer wieder kritisiert werden, ernst nehmen und sicherstellen, dass diese behoben werden. Wenn die FSC-Zertifizierung ein glaubwürdiges Instrument im Waldschutz sein will, müssen die Prinzipien eingehalten werden und muss die forstliche Nutzung und Zertifizierung transparent sein. Greenpeace veröffentlicht vierteljährlich eine Übersicht, was sich bei den unterschiedlichen Prozessen des FSC getan hat und wie wir diese Entwicklung bewerten. Außerdem veröffentlichen wir internationale Beispiele, die zeigen wo der FSC  in der Praxis funktioniert und wo er versagt hat.

In heiklen Fällen wird Greenpeace aktiv und übt Kritik – zuerst intern, dann öffentlich. Nur wenn klar wird, dass sich bestimmte Angelegenheiten intern nicht klären lassen, nutzt Greenpeace die Möglichkeit und das Recht, an die Öffentlichkeit zu gehen. Auch als Mitgliederverband des FSC.

So hat Greenpeace bereits 2008 auf die Mängel im FSC mit einem Report hingewiesen, der 2010 aktualisiert wurde, und reicht offiziell Beschwerden beim FSC ein, wenn eine Zertifizierung nicht den Ansprüchen entspricht.

Die Möglichkeit der Beschwerde und eine offene Beschwerdeprozedur ist eine wichtige Eigenschaft des FSC. Auf diesem Weg kann nachgebessert werden – oder auch ein Zertifikat wieder aberkannt werden. Doch Greenpeace ist auch realistisch: Da der FSC versucht, ökologische, soziale und wirtschaftliche Interessen unter einen Hut zu bringen, kommt aus rein ökologischer Sicht nicht immer die perfekte Lösung heraus. Noch gibt es keine Alternative zum FSC-Zertifikat, aber nach 20 Jahren Bestehen muss der FSC sicherstellen, dass seine eigenen Prinzipien und Standards befolgt werden.

Stand: Januar 2014
V.i.S.d.P. Andrea Cederquist

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