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Wie am Donnerstag bekannt wurde, weist der weltgrößte Mineralölkonzern ExxonMobil für 2003 unglaubliche 21,5 Milliarden US-Dollar (rund 17,3 Milliarden Euro) Gewinn aus. Im Vorjahr strich der Konzern lediglich 11,5 Milliarden US-Dollar ein.

Exxon hat von den gestiegenen Ölpreisen und der ölzentrierten Politik des US-Präsidenten Bush profitiert, erklärt Karsten Smid, Ölexperte bei Greenpeace. Da Exxon von der Ölquelle bis zur Tankstelle an allen wichtigen Stationen des Öls beteiligt ist, konnte der Konzern aus der labilen Situation im Nahen Osten Profit schlagen.

Es ist fast nicht zu glauben: Da verurteilt ein Bundesdistriktgericht in Alaska den Ölkonzern ExxonMobil bereits zum dritten Mal zu einer Milliardenstrafe für die Exxon-Valdez-Ölkatastrophe von 1989 - und der Ölmulti sucht wieder nach Wegen, seiner gerechten Strafe zu entgehen.

Am Mittwoch entschied der Distriktrichter Russel Holland, dass Exxon zusätzlich zum Schadensersatz in Höhe von 287 Millionen Dollar einen Strafzuschlag von 4,5 Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro) zu zahlen habe. In dem seit 1989 anhängigen Gerichtsprozess ist dies jedoch nicht das erste Urteil.

Im Jahre 1994 verfügte derselbe Richter eine Strafzahlung von 5 Milliarden Dollar zusätzlich zu den Schadensersatzzahlungen an die rund 40.000 klagenden Fischer und Einwohner des Ölkatastophengebiets. Exxon ging in Revision. Der Revisionsgerichtshof hielt die Strafe für zu hoch und forderte Richter Holland auf, die Summe zu reduzieren. Der Schadensersatz blieb davon unberührt.

Der Distriktrichter verurteilte daraufhin 2002 Exxon zu Strafzahlungen von 4 Milliarden Dollar. Exxon ging wieder in Revision. Wieder wird der Fall an Richter Holland zurückverwiesen, diesmal mit der Aufforderung, ähnlich gelagerte Urteile des Supreme Courts (Oberster Gerichtshof der Vereinigten Staaten) zu beachten.

Im August 2003 bietet Exxon bei einem Vergleich läppische 25 Millionen Dollar an. Doch die Kläger gehen darauf nicht ein und fordern 5 Milliarden Dollar. Auch Richter Holland, so berichtet die New York Times, hat immer angemerkt, dass er die 5-Milliarden-Strafe für gerechtfertigt halte.

Ein Exxon-Sprecher bezeichnete die erneute Verurteilung gegenüber der New York Times als vollkommen unvereinbar mit dem Gesetz. Exxon könne deshalb nicht anders, als erneut das Revisionsgericht in San Fransisco anzurufen.

Im Prozess zwischen Regierungsstellen und Exxon wegen der Exxon-Valdez-Katastrophe erging bereits 1991 ein Urteil: Exxon musste über 1,2 Milliarden Dollar Strafen zahlen, die auch der Wiederherstellung der zerstörten Natur in Alaska dienten. Die letzte Rate beglich der Konzern 2001.

Exxon muss die Strafe endlich zahlen, fordert Karsten Smid, Ölexperte bei Greenpeace. Nach wie vor ist dem Konzern der Schutz der Meere egal: Viele seiner Tanker unter US-Flagge haben, wie die Exxon Valdez, nur eine einzige, unfallgefährdete Schiffswand. Vier Tanker, darunter das baugleiche Schwesterschiff der Exxon Valdez, befahren sogar weiterhin die Katastrophen-Route zwischen Kalifornien und Valdez in Alaska. Statt sich weiter mit juristischen Tricks vor den Strafzahlungen zu drücken, sollte der Konzern diese Route ausschließlich mit hochmodernen Doppelhüllentankern befahren.

Der Ölkonzern vertritt die Ansicht, dass die inzwischen insgesamt gezahlten 2 Milliarden Dollar für Reinigungsarbeiten und Regeneration der natürlichen Umwelt, Strafe genug gewesen seien. Doch eigentlich handelt es sich dabei nur um einen Tropfen auf dem heißen Stein.

Obwohl es größere Tanker-Unfälle gegeben hat, waren die Folgen des Exxon-Valdez-Unfalls besonders schwer, erklärt Smid. In arktischen Gebieten wirken sich Ölverschmutzungen, bedingt durch die niedrigen Temperaturen, viel gravierender aus: Das Erdöl wird bei tiefen Temperaturen viel langsamer abgebaut.

Arktische Ökosysteme reagieren außerdem empfindlicher als Ökosysteme in anderen Regionen, unter anderem weil die Nahrungskette meistens nur kurz ist, fährt Smid fort. Wenn ein Glied der Kette ausfällt, kann das für das gesamte Ökosystem fatale Folgen haben.

Besonders erschreckend: Die Exxon-Valdez-Ölkatastrophe zeigt noch heute deutliche Spuren. Das berichtete das angesehene Fachmagazin Science noch Ende vergangenen Jahres. Das giftige Öl hat sich vom Unfallort im Prinz-William-Sound über eine Entfernung von 750 Kilometern ausgebreitet. Ein Team von Wissenschaftlern stellte fest, dass das Öl auch nach über einem Jahrzehnt nicht vollständig abgebaut worden ist. Überrascht waren die Forscher von den Mengen noch vorhandenen Öls.

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