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Symbolische roten Linie zwischen der Ortschaft Lützerath und Garzweiler
Bernd Lauter / Greenpeace

Lützerath: Protest gegen Dörfer-Abriss für Braunkohle

Der Ort Lützerath soll für Kohle abgebaggert werden, die die Pariser Klimaziele in weite Ferne rücken lässt. Greenpeace bezieht vor Ort Stellung.

Update vom 25. April 2022:

Der Kohleprotest lebt. 4000 Menschen haben ein deutliches Zeichen für den Erhalt des Dorfes Lützerath gesetzt. Sie protestierten am 23. April friedlich für die Zukunft des Dorfes und gegen die Bagger von RWE, die sich täglich Meter für Meter an das Dorf heranfressen. Die Greenpeace-Jugend war auf der Großdemo mit vor Ort, um Solidarität zu zeigen und für den Erhalt von Lützerath und das 1,5 Grad-Limit zu kämpfen. Denn vor Lützerath verläuft die deutsche 1,5 Grad-Grenze. Lisa Göldner,  Klima-Expertin bei Greenpeace, fordert: „Die Bundesregierung muss die Zerstörungswut von RWE jetzt stoppen! Die Kohle muss im Boden bleiben - für den Erhalt der 1,5 Grad-Grenze und für Klimagerechtigkeit.“

Und es geht weiter: Ein breites Bündnis von Klimaaktivist:innen, kritischen Aktionären und Umweltverbänden wird die Hauptversammlung von RWE am 28.4. zum Anlass nehmen, den Protest gegen RWE vor die Konzernzentrale in Essen zu tragen und dort den internationalen ethecon Dead Planet Award an Vertreter:innen der RWE AG zu überreichen. Denn die vom neuen Konzernchef Markus Krebber verkündete RWE-Konzernstrategie „Growing Green“ ist nichts anderes als Greenwashing. Der von RWE viel beschworene Neuanfang mit erneuerbaren Energien verblasst im Schatten der dunklen Braunkohlevergangenheit.  

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Update vom 28. März 2022:

Das Oberverwaltungsgericht Münster entscheidet gegen einen vorläufigen Räumungsstopp. Damit haben die Richter:innen dem Eilbeschwerdeverfahren des letzten Landwirts von Lützerath, Eckardt Heukamp, und der Mieter:innen des Dorfes gegen die vorzeitige Besitzeinweisung ihrer Grundstücke durch den Kohlekonzern RWE nicht entsprochen. Somit liegt die Entscheidung, ob das Dorf für die Braunkohle abgebaggert wird oder nicht, nun wieder bei der Politik.  Karsten Smid, Klimaexperte von Greenpeace, fordert: „Damit Deutschland seine Klimaziele noch erreichen kann, müssen die NRW-Landesregierung und die Bundesregierung mit einem sofortigen Abriss–Stopp für Lützerath dafür sorgen, dass die Kohlevorkommen unter dem Ort nicht ausgebeutet werden und 900 Millionen Tonnen CO2 der Atmosphäre erspart bleiben. Der Braunkohleabbau ist entsprechend der 1,5-Grad-Grenze neu zu ordnen: Die Grenze für Kohlebagger muss vor Lützerath gezogen werden und nicht dahinter.“

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Update vom 31.10.2021:

Im schottischen Glasgow beginnt heute die Weltklimakonferenz. 35 Greenpeace-Aktivist:innen nahmen den Beginn der Gespräche zum Anlass, mit einer symbolischen roten Linie zwischen der Ortschaft Lützerath und dem Braunkohletagebau Garzweiler gegen die drohende Zerstörung des Dorfes durch RWE zu protestieren. Auf der Landstraße 277 haben sie eine 150 Meter lange von Feuer gesäumte rote Stoffbahn ausgelegt. In der Mitte des Stoffs steht „1,5°C LIMIT“, auf Transparenten ist „1,5°C heißt: Lützerath bleibt!“ zu lesen. „In Glasgow wird verhandelt, in Lützerath entschieden“, sagt Bastian Neuwirth, Greenpeace-Experte für Klima. „Will Deutschland international Glaubwürdigkeit beweisen, muss die neue Bundesregierung beim Klimaschutz sofort liefern.“

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Artikel vom 12.10.2021:

Zwischen Berlin und Lützerath in Nordrhein-Westfalen liegen rund 600 Kilometer, aber man könnte meinen, die beiden Orte trennten Welten: In der Hauptstadt wird zur Stunde von SPD, Grünen und FDP der Stellenwert von Klimaschutz in einer neuen Bundesregierung sondiert, während im Rheinischen Braunkohlerevier immer noch Energiepolitik aus dem vergangenen Jahrhundert betrieben wird – als hätte nie jemand davon gehört, dass Kohlestrom das Klima verheizt.

Der Energiekonzern RWE will das Dorf Lützerath zerstören, um den Braunkohletagebau Garzweiler zu erweitern. Die Abrissbagger können seit Oktober jederzeit anrücken. Fünf weitere Dörfer am Tagebau sind bedroht. Wäre Lützerath weg, könnten sich die Bagger des Kohlekonzerns kilometerweit in die Landschaft graben – für hunderte Millionen Tonnen zusätzliche Braunkohle aus dem Tagebau Garzweiler. Für die voranschreitende Erderhitzung ist dieses Vorhaben ein Debakel: Wird die Kohle unter den Garzweiler-Dörfern verbrannt, sind die Pariser Klimaziele für Deutschland nicht einzuhalten. Die 1,5-Grad-Grenze verläuft vor Lützerath – das hat eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung belegt.

Greenpeace-Aktivist:innen beziehen Position, im Wortsinne: Ein Mediencontainer ist ab sofort vor Ort, als Treffpunkt für Journalist:innen und logistische Unterstützung der vielen Klimaschützer:innen, die RWE in Lützerath die Stirn bieten. Hunderte Menschen verteidigen hier die 1,5-Grad-Grenze. Durch ihre Kraft wächst der Ort Tag für Tag zu einem Widerstandsdorf mit Baumhäusern in einem Protestcamp, jeden Sonntag kommen immer mehr Menschen zu den Dorfspaziergängen des Naturführers Michael Zobel, der den Menschen bereits im Hambacher Wald das Schützenswerte der Region aufgezeigt hat. “Dieser Ort hat eine besondere inspirierende Kraft”, sagt Bastian Neuwirth, Greenpeace-Experte für Klima und Energie. “Wer nach Lützerath kommt, merkt sofort: Hier entsteht etwas ganz Großes.”

Der Kampf um Lützerath wird zur selben Zeit auch juristisch ausgetragen. Der Bauer Eckardt Heukamp klagt gegen seine Enteignung. Bisher sieht es so aus, als säße RWE am längeren Hebel: Mit einer „vorzeitigen Besitzeinweisung“ will der Konzern seinen Hof ab November räumen und abreißen, obwohl seine eigene Klage noch gar nicht entschieden ist. Auch dagegen setzt Heukamp Rechtsmittel ein.

RWE will Fakten schaffen, bevor neue Regeln gelten

Der Erfolg vor Gericht wäre ein Weg, Lützerath zu schützen – zumindest vorerst. Entscheidend ist es aber vor allem, dass die sondierenden Parteien in Berlin jetzt Farbe bekennen und die zerstörerischen Pläne im Braunkohlerevier sofort stoppen – indem sie die nordrhein-westfälische Landesregierung unmissverständlich zum Handeln auffordern. Immerhin haben sich SPD, Grüne und FDP im Wahlkampf alle zum 1,5-Grad-Limit bekannt. Erwärmt sich die Erde stärker, drohen unumkehrbare Klimaschäden.

Jetzt müssen sie dafür sorgen, dass dieses Ziel mit einer neuen Bundesregierung noch erreichbar bleibt. “Wir fordern ein Moratorium für die Räumung und Zerstörung von Lützerath bis die Koalitionsverhandlungen abgeschlossen sind und die neue Bundesregierung einen Klimaschutzplan beschlossen hat, der im Einklang mit den verschärften deutschen Klimazielen und dem Pariser Klimaabkommen steht”, sagt Neuwirth. Die Zerstörung Lützeraths und weiterer Dörfer wäre damit nicht mehr zu rechtfertigen.

RWE versucht am Tagebau Garzweiler Fakten zu schaffen, bevor eine neue Bundesregierung strengere Klimaschutzmaßnahmen durchsetzt. Deutschland und die Welt können sich die Klimaschäden durch die rheinische Braunkohle nicht leisten – und wenn die Ampelkoalition in spe RWE gewähren lässt, wäre der Neustart beim Klimaschutz einer neuen Bundesregierung noch vor der ersten Kabinettssitzung beschädigt.

  • Rote Linie bei Lützerath, Luftaufnahme

    Die rote Linie aus der Luft

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  • Sonnenblume vor Hof mit Banner: "1,5 Grad heißt: Lützerath bleibt"

    Das Dorf muss bleiben

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  • Greenpeace-Kampaigner Bastian Neuwirth (links) und Bauer Eckhardt Heukamp

    Auf der gemeinsamen Pressekonferenz

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