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Schlecht gestapelte Atommüllfässer im Lager Morsleben
Bernd Hoff / Greenpeace

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

300.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiver Atommüll waren für das Endlager „Schacht Konrad“ im niedersächsischen Salzgitter vorgesehen. Jetzt wurde bekannt: Die Müllmenge ist doppelt so hoch. Das geht aus dem Entwurf eines nationalen Entsorgungsplans hervor, der aktuell zwischen Bundesregierung und Ländern abgestimmt wird. Wohin der verstrahlte Müll allerdings soll, das steht nicht in dem Plan.

Wie verdoppelt sich Atommüll?

Dabei war die neue Menge von rund 600.000 Kubikmetern radioaktiven Abfalls  vorhersehbar. Sie ergibt sich nämlich daraus, dass zusätzliche Bestände eingerechnet werden, darunter zum einen die 200.000 Kubikmeter, die aus dem ungeeigneten Lager Asse evakuiert werden müssen. Außerdem werden 100.000 Kubikmeter radioaktives Material aus der Urananreicherung erstmals offiziell als Atommüll deklariert - zuvor galten diese noch als Wertstoffe für die Wiederaufbereitung.

„Das Atommüllproblem wurde in Deutschland bisher immer unterschätzt und schöngerechnet“, sagt Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. Auch Überlegungen der Regierungen, den „Schacht Konrad“ zu erweitern, kritisiert er: „Die Planungen der Bundesregierung, all diesen Atommüll zusätzlichen dort einzulagern, sind unrealistisch.“  Die Eröffnung von „Schacht Konrad“ verschob sich ohnehin immer wieder und ist jetzt für 2022 geplant.

Rostige Fässer in Zwischenlagern

Bei hoch radioaktivem Atommüll ist die Lage noch schwieriger. Der ruht momentan im Zwischenlager in Gorleben und in Castoren auf den Geländen der Atomkraftwerke. Seit 2008 suchen Bund und Länder nach einem geeigneten Endlager – bisher ohne Ergebnis. 2031 soll das Auswahlverfahren abgeschlossen sein.

Doch damit ist die Liste der Probleme noch nicht am Ende. Denn Tausende Atommüll-Fässer rosten oder sind anderweitig beschädigt - allein im Zwischenlager in Karlsruhe sind es knapp 1700, bundesweit sollen es  insgesamt rund 2000 Behälter sein, das ergab eine Befragung des NDR unter den Aufsichtsbehörden aller 16 Bundesländer.

Doch Smital gibt zu bedenken: „Wieviele Atommüllfässer betroffen sind, kann noch nicht abschließend bewertet werden. Denn viele der Fässer sind gar nicht zugänglich, und Untersuchungen liegen noch nicht vor.“ Die Entsorgung des radioaktiven Abfalls in Karlsruhe – er stammt aus den Forschungseinrichtungen und der Wiederaufbereitungsanlage dort -  ist zudem sehr teuer. Die Kosten in Milliardenhöhe zahlen der Bund und das Land Baden-Württemberg.

Folgen einer verantwortungslosen Technologie

Unvorhergesehene Mengen Atommüll, untaugliche Zwischenlager, fehlende Endlager, rostende Abfallbehälter und explodierende Kosten für die Steuerzahler: Die Liste der Missstände und ungelösten Probleme ist lang. Und sie beweist vor allem eins: Die Atomkraft war von Beginn an eine unverantwortliche Technologie, deren fatale Folgen ignoriert wurden. Vor allem aber fehlen durchdachte Konzepte: Wie kann der Atommüll entsorgt werden, ohne Menschen und Umwelt zu gefährden?

Im "Tagesgespräch" des Senders BR2 beantwortet Heinz Smital Fragen zum Thema Atommülllagerung. Die Sendung sehen Sie hier.

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