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Die Rainbow Warrior im Februar 2016 vor dem Atomkraftwerk Fukushima Daiichi
© Christian Åslund / Greenpeace

Greenpeace-Analyse: Radioaktives Wasser aus Fukushima droht in den Pazifik zu gelangen

Was vorbei ist, ist vorbei? Die Binsenweisheit gilt nicht für atomare Unfälle: Auch acht Jahre nach der verheerenden Nuklearkatastrophe von Fukushima ist die Bedrohung, die von dem Kraftwerk ausgeht, ausgesprochen gegenwärtig. Eine neue Analyse von Greenpeace zeigt, dass dem Pazifischen Ozean ein gewaltiger Eintrag radioaktiven Wassers droht – ein gemeinsames Versäumnis der Betreiberfirma Tepco und der japanischen Regierung.

Nach wie vor müssen die Reaktoren der Anlage gekühlt werden – das dazu benötigte Wasser wird in Tanks abgefüllt und gelagert. Doch das Kraftwerk hat noch ein weiteres Wasserproblem. Grundwasser sickert in die Anlage und wird dort radioaktiv kontaminiert – in den vergangenen Jahren rund 400 Tonnen pro Tag. Auch dieses Wasser wird aufgefangen. Über die Jahre hat sich ein riesiges Reservoir kontaminierten Wassers angesammelt: rund 1,1 Millionen Kubikmeter. Technisch sollte es so aufbereitet werden, dass die Strahlungswerte unter den vorgesehen Grenzwerten liegen, damit es wieder in den Pazifik fließen darf.

Doch der Plan, die Strahlung zu reduzieren, ist gescheitert. Die Frage lautet nun: Wohin mit dem Wasser? Eine Arbeitsgruppe der japanischen Regierung empfiehlt: Trotzdem ins Meer damit. Die Fischereiindustrie an Fukushimas Pazifikküste ist zu Recht entsetzt und spricht von einem „verheerenden Schlag“ gegen ihren Wirtschaftszweig, würden die Pläne umgesetzt. Dabei leidet die Region nach wie vor unter den Folgen der Katastrophe: 165.000 Menschen mussten nach dem Reaktorunfall am 11. März 2011 ihren Wohnort aufgeben; geht es nach der Regierung, sollen viele davon in ihre verstrahlte Heimat zurück.

Ein Konstruktionsfehler wird zur Krise

Grund für das immense Volumen an Grundwasser, das durch das Kraftwerk verstrahlt wird, ist ein Konstruktionsfehler der Anlage. Vor 50 Jahren traf Tepco beim Bau die Entscheidung, das Kraftwerk Fukushima Daiichi 25 Meter „tieferzulegen“, nahezu auf Meeresniveau. Das schien eine billige Lösung zu sein: Reaktoren müssen mit Wasser gekühlt werden, und die dafür nötigen Pumpen kosten Energie. Die vermeintliche Kostenersparnis kam Tepco teuer zu stehen: Das Atomkraftwerk bekam ein jahrzehntelanges Problem durch einfließendes Grundwasser, das sich nach der Katastrophe von 2011 aufgrund der radioaktiven Verseuchung zu einem zusätzlichen Krisenherd auswuchs.

Nun ließ sich nach dem Unfall an der Fehlkonstruktion nichts mehr ändern – doch Tepcos Umgang mit der Krise ist auch in diesem Fall kurzsichtig und kostenorientiert. Der Plan des Betreibers war, das verstrahlte Wasser zu reinigen – mit einer umstrittenen Methode, die sich ALPS nennt: Advanced Liquid Processing System, ein fortschrittliches Verarbeitungssystem für Flüssigkeiten. Damit sollte die Strahlung des Wassers soweit reduziert werden, dass es unbedenklich ins Meer geleitet werden kann. Im September 2018 räumte Tepco ein, dass der Vorgang fehlgeschlagen ist. Gefährliche, krebserzeugende Radionuklide wie etwa Strontium-90 hat der Prozess nicht entfernen können.

Keine einfachen Antworten

Ein Scheitern mit Ansage. Greenpeace wirft den Verantwortlichen vor, dass sie wirksamere Alternativen aus Kostengründen nicht in Betracht zogen. Durch die hätte auch radioaktives Tritium aus dem Wasser entfernt werden können – etwas, das ALPS von vornherein nicht kann. Mit Tritium kontaminiertes Wasser darf nicht ins Meer gelangen, so die Greenpeace-Forderung. Bittere Fußnote des ganzen Dramas: Die Arbeitsgruppe der Regierung, die das günstigere Verfahren entschied, ist die gleiche, die nun den Abfluss des nach wie vor hochkontaminierten Wassers ins Meer befürwortet. Erneut die billigste Variante.

Auf keinen Fall darf das Ökosystem des Pazifiks durch das verstrahlte Wasser in Mitleidenschaft gezogen werden. Es bleibt nichts anderes übrig: Das Tag für Tag einfließende Grundwasser in Fukushima Daiichi muss aufgefangen und sicher gelagert werden, bis sich eine technische Lösung für die Aufarbeitung findet. Die Versuche dazu sind bisher gescheitert – weswegen Tepco und die japanische Regierung Investitionen und Forschung zur Wasseraufarbeitung und Lagerung weit früher hätten verstärken müssen. In Zukunft müssen die Verantwortlichen diese Probleme transparent machen – und Betroffene informieren und einbeziehen. Das kostet Zeit und Geld, ist aber unumgänglich. In der Bewältigung von Atomkatastrophen gibt es keine billigen Lösungen.

  • Atomkraftwerk Fukushima

    Verstrahlte Ruine

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  • Schutzmauer zur See in Fukushima

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